Politfest der Wut: Italienische Krise in der "ZiB 2"

29. Mai 2018, 17:51
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Harvard-Professoren kommen zum Schluss, Demokratien sterben heutzutage nicht durch Putsch, sondern meist durch demokratische Wahlen

Während die EU mit dem angekündigten Verbot von Plastikgeschirr ehrenwerte Umweltvorhaben lanciert, dürfte sie in Italien insgesamt an Sympathie eingebüßt haben. TV ist da dokumentarisch sehr hilfreich: In der "ZiB 2" im ORF zu sehen sind jene Politiker in Aufruhr, die sich von der EU indirekt behindert fühlen: leger gekleidet, jedoch wütend der Lega-Chef Matteo Salvini. Mit der Regierungsbildung hat es nicht geklappt. Jetzt hätten sich die Bürger bald in Neuwahlen für das "echte Leben" zu entscheiden.

Auch in Anzug und Krawatte lässt sich natürlich Zorn zelebrieren: Der Hoffnungsträger der Fünf-Sterne-Bewegung Luigi Di Maio verspricht Proteste und will Staatspräsident Sergio Mattarella mit Amtsenthebung drohen. Mattarella hat einen eurofeindlichen Ministerkandidaten abgelehnt, dafür sieht man ihn hier mit seinem Auserwählten: Carlo Cottarelli soll Italien in der Übergangsphase in Balance halten. Was für TV-Bilder! Cottarelli war mit Rollkoffer und Rucksack eilig Richtung Hüter der Verfassung unterwegs. Er wirkte dabei, als käme er, um bald wieder zu gehen. Nur Präsident Mattarella gibt den Stoiker, der besorgte Bürger beruhigen soll.

Der eine oder andere kommt im angenehm ruhigen "ZiB 2"-Beitrag zu Wort und vervollständigt das Bild eines angespannten Landes. Der Politologe Christian Blasberg hört sogar unterschwellig Aufrufe zum Bürgerkrieg. Und später in der "ZiB 2" eine Buchempfehlung: Harvard-Professoren kommen in ihrem Schmöker zum Schluss, Demokratien sterben heutzutage nicht durch Putsch, sondern meist durch demokratische Wahlen. Ein bisschen beängstigend. Dennoch hätte es natürlich auch einen runden Tisch vertragen. (Ljubiša Tošić, 29.5.2018)

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