Rote Koralle könnte Kompetenzstreit zum Opfer fallen

    31. Mai 2018, 10:00
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    Die Edelkoralle wird zu Schmuck verarbeitet

    Die Edelkoralle, eine der am stärksten bedrohten Spezies im Mittelmeer, droht einer Kompetenzstreitigkeit zum Opfer zu fallen. Eine der größten Kolonien befindet sich an der Costa Brava vor Katalonien. Während die Regierung Kataloniens, die Generalitat, die rote Koralle für insgesamt zehn Jahre vor jeglichem Abernten schützen will, damit sich die Bestände wieder erholen können, vergibt das Landwirtschafts- und Fischereiministerium in Madrid zwölf neue Lizenzen an Korallenfischer.

    Doch damit nicht genug. Diese neuen Korallenfischer dürfen statt wie bisher sechs Monate pro Jahr das gesamte Jahr über auf die Suche nach der wertvollen Edelkoralle gehen, die zu Schmuck verarbeitet wird.

    Langsames Wachstum

    Die Farbe der Edelkoralle variiert von Rubinrot bis Orange und ist manchmal auch zartrosa und schimmert. Da sie hart ist und eine relativ ebenmäßige Struktur aus Horn und Kalk hat, wird sie seit vielen Jahrhunderten zu Schmuck verarbeitet. Doch die Nesseltierchen wachsen höchstens zwei bis drei Millimeter im Jahr. Daher braucht es viele Jahre, bis sich der Bestand wieder erholt. Auch die Erwärmung und Verschmutzung der Ozeane sowie die Schleppnetze der Fischer setzen ihnen zu.

    "Es ist alarmierend, dass die Regierung, anstatt diese emblematische und ökologisch wertvolle Spezies zu schützen, die Fischerei ausweitet", beschwert sich die Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción, und mit ihr 70 weitere Gruppierungen, die einen Brief an die Regierung in Madrid gerichtet haben – unter ihnen so bekannte Organisationen wie Greenpeace, SEO-Birdlife oder WWF.

    Das von der Generalitat Ende 2007 erlassene zehnjährige Verbot, Korallen zu fischen, folgt einer Empfehlung der Allgemeinen Kommission für Fischerei im Mittelmeer, der auch Spanien angehört. Das Problem: Die katalanische Regierung in Barcelona ist nur für die unmittelbaren Küstengewässer zuständig.

    Der Rest der spanischen Hoheitsgewässer vor der katalanischen Küste unterstehen der Regierung in Madrid. Und genau hier wurden die Lizenzen vergeben. "Die spanischen Gesetze sehen vor, dass eine Region Fangverbote an ihren Küsten erlassen kann. Das muss für die gesamten Gewässer gelten", erklärt die Biologin von Ecologistas en Acción, Lydia Chaparro. Küstennahe und küstenferne Gewässer zu unterscheiden ist für sie völlig willkürlich.

    Auf der Roten Liste

    Die Edelkoralle (Corallium rubrum) steht auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN). Eine Studie im Auftrag der Generalitat ergab, dass sich 90 Prozent der Bestände entlang der Costa Brava in "einem kritischen Zustand befinden". Wurden vor Jahren noch riesige Korallenfächer geerntet, bringen die Taucher heute nur noch spärliche Ästchen an die Wasseroberfläche. Vielerorts erreichen die Edelkorallen nicht einmal mehr die sieben Zentimeter Mindestlänge, um abgeerntet zu werden.

    Mehrere katalanischen Parteien haben mittlerweile die EU-Kommission angerufen. Sie verlangen, dass Brüssel gegen die Lizenzvergabe durch Madrid vorgeht. (Reiner Wandler aus Madrid, 31.5.2018)

    • Die Edelkoralle steht auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen.
      foto: ap

      Die Edelkoralle steht auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen.

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