Sicherheitskonzept für Mountainbiker auf Tiroler Singletrails

    Blog29. Mai 2018, 08:00
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    Rettungspunkte mit GPS-Kennzahlen im Gelände sowie runderneuerte Bergrettungs-App sollen die Bergung verletzter Radfahrer erleichtern. Die Zahl der Verunfallten hat sich in Tirol in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt

    Mutters – Nicht selten läuft ein Notruf von verunglückten Mountainbikern aus den Tiroler Bergen so ab, erzählen die Experten: "Ich liege hier am Berg, da sind Bäume, und vorhin kam ich an einem Forstweg vorbei." Der Schock nach einem Unfall, gepaart mit mangelnder Ortskenntnis, kann den Rettungseinsatz zur mühsamen Suchaktion machen. Um dem vorzubeugen, wurde in Tirol landesweit ein Sicherheitssystem eigens für Singletrails erdacht.

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    Das offizielle Video des Landes Tirols zur Vorstellung des Sicherheitskonzepts für Singletrails im Bikepark Innsbruck.

    Man wolle damit der jährlich wachsenden Zahl an Mountainbikern Rechnung tragen, erklärte der stellvertretende Landeshauptmann Josef Geisler (ÖVP) bei der Präsentation der Tafeln im Bikepark Innsbruck. Denn die Erfahrung zeige, dass die Bergradler heute am liebsten auf Singletrails, also kleinen Waldwegen, unterwegs sind. Allein in Tirol gibt es aktuell 112 solcher offiziellen Abfahrten, und es kommen praktisch monatlich neue dazu. Messungen haben ergeben, dass die Frequenz auf diesen Wegen zwischen 5.000 und 40.000 Fahrten pro Jahr liegt.

    Mountainbike-Unfälle verdoppelt

    Als Folge steigen auch die Unfallzahlen, wie Peter Veider, Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, weiß. Die Zahl der verunfallten Mountainbiker in Tirol hat sich seit 2015 von 105 auf 212 mehr als verdoppelt. Immer öfter werden die Retter zu Einsätzen im unwegsamen Gelände gerufen. Österreichweit verunglückten gemäß Zahlen des Kuratoriums für alpine Sicherheit im Jahr 2015 (Berechnungszeitraum 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015) 444 Mountainbiker, im vergangenen Jahr waren es bereits 617 Unfallopfer. Jeweils fünf Personen kamen in diesen Jahren ums Leben.

    Mit den neuen Rettungspunkten – Tafeln oder Sticker mit GPS-Kennzahlen und wichtigen Notrufnummern – wurde ein Konzept erstellt, das den Helfern Informationen über Bergemöglichkeiten liefert. Dank GPS-Daten kennen die Retter den optimalen Zugang und wissen, welches Bergematerial sie brauchen. Alle rund 200 Meter werden die Rettungspunkte entlang der Trails montiert, um so Ortsunkundigen eine schnelle Rettungskette zu garantieren. Im Bikepark Innsbruck wurden die Tafeln bereits aufgestellt, in Sölden, Nauders, Lienz und anderen Raddestinationen wird bereits daran gearbeitet.

    App für Einheimische

    Zusätzlich zu den Tafeln wird auch die Notfall-App der Tiroler Bergrettung in Zusammenarbeit mit der Leitstelle Tirol aktualisiert. Leitstellen-Geschäftsführer Bernd Noggler rechnet bis Ende Juni mit der Veröffentlichung der erneuerten App. Damit genügt ein Knopfdruck am Smartphone, und die Einsatzkräfte werden mittels GPS-Daten über den Unfallort informiert. Voraussetzung ist jedoch Handyempfang. Bislang nutzen rund 60.000 User die App. Sie richtet sich in erster Linie an Einheimische, so Noggler. (Steffen Arora, 29.5.2018)

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      foto: land tirol/berger
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