Komplikationen in der Schwangerschaft erhöhen Risiko für Schizophrenie

    29. Mai 2018, 09:00
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    Forscher analysieren Folgen "fetaler Programmierung" und stellen auffällige Zusammenhänge fest

    Baltimore/Wien – Schizophrenie ist eine der häufigeren psychischen Erkrankungen. Weltweit sind rund 0,5 Prozent der Menschen betroffen, und wie viele andere Krankheiten wird auch Schizophrenie im Normalfall weder allein durch genetische Veranlagung noch durch die Umwelt ausgelöst, sondern meist durch ein Zusammenspiel mehrerer begünstigender Faktoren.

    Anders ist es auch nicht zu erklären, warum die Wahrscheinlichkeit für einen eineiigen Zwilling nur rund 45 Prozent beträgt, an Schizophrenie zu erkranken, wenn der Zwillingsbruder oder die -schwester daran leidet.

    Aktiviert Umwelt Risikogene?

    Untersuchungen aus den vergangenen Jahren lassen zudem vermuten, dass der Schwangerschaft eine wichtige Rolle zukommen könnte: Geburtskomplikationen wie Sauerstoffmangel, eine Infektion der Mutter oder Stressbelastung dürften die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Schizophrenie zu erkranken, und lassen Zusammenhänge zwischen den genetischen Risikofaktoren und der Umwelt vermuten: Die geschilderten Stressauslöser könnten dazu führen, dass Gene des Babys, die mit erhöhtem Schizophrenierisiko assoziiert sind, vermehrt im Bauch der Mutter abgelesen werden.

    Eine internationale Forschergruppe um Daniel Weinberger (Lieber Institute for Brain Development in Baltimore) ist diesem Zusammenhang nun in einer umfassenden Studie nachgegangen und bestätigt bisherige Annahmen: In Schwangerschaften mit Komplikationen wie Vergiftungen oder Wachstumsverzögerung ist das Risiko des Kindes, an einer Schizophrenie zu erkranken, um das Fünffache erhöht.

    Erklärung für Differenzen zwischen Geschlechtern

    Es dürfte also tatsächlich einen epigenetischen Link zwischen äußeren Umwelteinflüssen und der Genaktivität geben, quasi mit der Plazenta als Mediator. Die Untersuchung dürfte aber womöglich noch ein zweites Rätsel lösen – jenes nämlich, warum Männer von vielen psychischen Entwicklungsstörungen wie Schizophrenie, Autismus, ADHS, Dyslexie und Tourettesyndrom zwei- bis viermal häufiger betroffen sind als Frauen.

    Wie die Forscher im Fachblatt "Nature Medicine" berichten, werden nämlich die Schizophrenie-Risikogene, die in der Plazenta aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen beobachtbar waren, dramatisch häufiger bei männlichen als bei weiblichen Nachkommen aktiviert. Die Plazenta oder besser die sogenannte fetale Programmierung dürfte erklären, warum Männer öfter und früher an Verhaltensstörungen erkranken als Frauen. (Klaus Taschwer, 29.5.2018)

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