Bankmitarbeiter: "Mit 3.000 Euro netto komme ich gut aus"

    29. Mai 2018, 08:00
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    Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber "anzugtragenden" Bankmitarbeitern entschied sich unser Gesprächspartner für diesen Weg – und ist damit glücklich

    "Vor vier Jahren habe ich als Firmenkundenbetreuer in einer regionalen, wirtschaftlich aber selbstständigen kleinen Bank mit circa 40 Mitarbeitern zu arbeiten begonnen. Mein Weg dahin war vielleicht etwas ungewöhnlich. Nachdem ich in hohem Bogen von der Schule geflogen bin und mir meine damaligen Lehrer fast täglich prophezeiten, als lebenslänglicher Sozialfall zu enden, habe ich eine technische Lehre absolviert. Die ersten paar Jahre nach Abschluss waren auch ganz nett.

    Dann wurde mir allerdings klar, dass es in meinem Beruf für mich keine Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Daher habe ich parallel zum Job eine Abend-Hak absolviert und im Anschluss an der Uni Linz Wirtschaftswissenschaften studiert. Dank Selbsterhalterstipendium und eher üppigen Geldreserven aus meiner Berufszeit hatte ich während meiner Studienjahre finanziell ein richtig sorgenfreies Leben. Eine Zeit, die ich keinesfalls missen möchte.

    3.000 Euro netto pro Monat

    Nach Studienabschluss hatte ich mehrere Jobangebote, auch von Industrieunternehmen. Obwohl ich anfangs etwas skeptisch war – ich habe schlechte Erfahrungen mit anzugtragenden Bankmitarbeitern gemacht –, habe ich mich dann doch für die Bank entschieden. Heute bin ich darüber sehr froh, denn das ist genau das, was ich machen möchte.

    An der Uni Linz referierte einmal der Philosoph Frithjof Bergmann, der uns dazu animierte, unser Leben nicht zu verschwenden, sondern etwas zu machen, das wir wirklich wirklich wollen. Er sagte: 'Ein Indikator für Ihren Traumjob ist, wenn der Urlaub nur eine unwillkommene Unterbrechung Ihrer Arbeit darstellt.' Wir haben damals alle gedacht: Der ist durchgeknallt. Für uns war das völlig undenkbar. Mittlerweile bin ich selbst in der Situation. Urlaub ist nicht mein dringendstes Bedürfnis. Ich bin wirklich gerne in der Bank.

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    Ein 36-jährige Kundenberater in einer Bank hat "kein dringendes Bedürfnis" nach Urlaub. Er arbeitet lieber. (Symbolbild)

    Die Geschäftsleitung ist relativ jung, für Neues aufgeschlossen, hat immer ein offenes Ohr, Feedback und wertschätzender Umgang sind nicht nur Lippenbekenntnisse. Wir haben richtig Spaß in der Abteilung, lachen viel. Außerdem schätze ich das mir entgegengebrachte Vertrauen. Nicht nur seitens der Leitung, sondern vor allem auch seitens der Kunden. Wenn man seine Sache gut macht, entsteht eine große emotionale Nähe. Von vielen Kunden kennt man das ganze Privatleben.

    Ich werde 2018 circa 70.000 Euro brutto bei einer 42-Stunden-Woche verdienen. Wenn man dann diverse zusätzliche Benefits der Bank berücksichtigt (wie beispielsweise Bekleidungsgutscheine im Wert von 600 Euro), komme ich unterm Strich monatlich auf circa 3.000 Euro netto. Damit komme ich gut aus, wenngleich ich weiß, dass bei Fremdbanken netto mehr möglich wäre. Ein Wechsel kommt für mich angesichts der vielen Freiheiten, die ich in meinem Job genieße, aber nicht infrage.

    Unabhängig davon bin ich auch überzeugt, dass die durchschnittlichen Löhne in Österreich für die überwiegende Mehrheit der Berufstätigen viel zu niedrig sind. Auch der Glaube, dass Leistung und Gehalt zwangsläufig miteinander korrelieren, ist ein weitverbreitetes Klischee.

    Meine Ausgaben

    Ich wohne in Oberösterreich in einem Haus auf dem Land, das habe ich von meinen Eltern überschrieben bekommen, meine Geschwister habe ich ausbezahlt. Diverse Betriebs- und Nebenkosten betragen im Monat etwa 400 Euro. Zusätzlich habe ich kürzlich eine Wohnung im 19. Bezirk in Wien gekauft, finanziert mit einem endfälligen Kredit. Pro Monat bezahle ich dafür zirka 250 Euro an Zinsen. Die Betriebskosten für die Wohnung machen im Monat etwa 220 Euro aus, die Kosten für Wasser, Strom und Heizung 150 Euro. Was ich damit mache, ist noch nicht sicher, wahrscheinlich werde ich sie aber vermieten.

    Für Internet gebe ich derzeit 20 Euro pro Monat aus. Mein Mobiltelefon bekomme ich von der Bank gestellt. Versicherungen (Unfall, Ableben, Kfz, Haushalt und Rechtsschutz) machen circa 150 Euro pro Monat aus, Reparaturen am Auto wahrscheinlich im Schnitt so 50 Euro. Tanken und öffentlicher Verkehr kommen auf 110 Euro. Meine Freizeitaktivitäten kosten mich ungefähr 500 Euro im Monat, Essen in etwa 400 Euro. Circa 500 bis 700 Euro spare ich monatlich in diversen Fonds an." (Gehaltsprotokoll: Lisa Breit, 29.5.2018)

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