Xiaomi Redmi 5 Plus im Test: Großes Handy für die kleine Geldbörse

    10. Juni 2018, 16:52
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    Das Redmi 5 Plus überzeugt vor allem mit einem überraschend guten Bildschirm und solider Leistung

    Erst vor wenigen Jahren waren Xiaomi-Geräte noch Exoten in der österreichischen Smartphone-Landschaft. Wer sich ein Handy des chinesischen Unternehmens zulegen wollte, musste auf Importshops, lokale Händler oder Amazon hoffen. Mit der Eröffnung eines eigenen Xiaomi-Stores in der Shopping-City-Süd in Vösendorf ist das nun Geschichte. Für interessierte Nutzer gibt es eine breite Auswahl an Geräten unterschiedlichster Preisklassen.

    foto: derstandard/al-youssef

    Besonders spannend sind die Smartphones aus der Redmi-Reihe. Sie richten sich an Nutzer mit geringerem Budget. Gerade das Redmi 5 Plus sorgt mit einem Preis von ungefähr 160 Euro für Aufsehen. Der STANDARD hat das Budget-Handy aus China getestet. Das Testgerät wurde vom Händler Honorbuy zur Verfügung gestellt.

    Design

    Auf den ersten Blick merkt man dem Redmi 5 Plus nicht an, dass es weniger als 200 Euro kostet. Der Bildschirm ist mit 6 Zoll zu 18:9 groß bemessen, das Aluminiumgehäuse wirkt gut verarbeitet und hochwertig. Das Gerät verzichtet, anders als viele Neuerscheinungen aus China, auf den mittlerweile recht gängigen "Notch". Die abgerundeten Ecken erhöhen den Komfort, das Redmi 5 Plus lässt sich gut in die Hand nehmen. Entsperr- und Lautstärketasten finden sich auf der rechten Seite, Fingerprintsensor ist direkt unter der Kameralinse ideal platziert.

    foto: derstandard/al-youssef

    Insgesamt gefällt das Design durchaus. Einzig zu kritisieren gibt es, dass die Kameralinse etwas hervorsteht. Gerade, wenn man das Smartphone nicht immer sanft auf harte Oberflächen legt, könnte es hier zu Problemen kommen. Hier muss Xiaomi aber zugesprochen werden, dass das Redmi 5 Plus mit einer dünnen, durchsichtigen Plastikhülle ausgeliefert wird, die Abhilfe verschafft. Jedoch verliert das Handy dadurch an Ästhetik, da die Hülle sehr anfällig auf Fingerabdrücke ist. Zudem bedarf es an festeren Knopfdrücken, wenn man die Entsperr- oder Lautstärketasten bedienen möchte – das sollte nicht sein.

    foto: derstandard/al-youssef

    Ausstattung

    Bis auf NFC werden die wichtigsten Drahtlos-Schnittstellen unterstüzt: Wi-Fi 802.11n, Bluetooth 4.2 und LTE. Bei der Speicherausstattung stehen ein Modell mit drei GB RAM und 32 GB Onboardspeicher sowie eines mit vier GB RAM und 64 GB Onboardspeicher zur Auswahl. Beim Testgerät handelte es sich um die günstigere Variante. Wer will, kann mit einer externen Speicherkarte aufrüsten – der Platz für diese kann auch für eine zweite SIM-Karte genutzt werden. Etwas schade ist, dass es keinen USB-C-Anschluss gibt. Auch ist das Gerät nicht wasserfest.

    Der Prozessor des Smartphones ist mit einem Snapdragon 625 in der Mittelklasse angesiedelt. Dabei handelt es sich um einen Chip mit acht Kernen, die maximal zwei GHz takten. Bei Antutu Benchmark erreicht das Gerät ungefähr 77.000 Punkte (vgl. z.B. Google Pixel 2 – 204.610), Geekbench gibt circa 850 Single-Core-Punkte (vgl. Xiaomi Mi 6 – 1904) und 4.140 Multi-Core-Punkte (Xiaomi Mi 6 – 6.180). Grafikintensivere Spiele ruckeln entsprechend doch immer wieder, soziale Medien, kleinere Spiele und die meisten anderer Apps sind aber sehr flüssig und flott zu bedienen. Wer sich also nicht unbedingt als mobilen Gamer sieht, wird keine Probleme mit der Leistung des Geräts haben.

    foto: derstandard/al-youssef

    Das Gerät läuft auf Android 7.1.2 Nougat, wobei hier eine eigens erstellte Adaption von Xiaomi, MIUI, verwendet wird. Das an iOS-angelehnte Betriebssystem überzeugt zwar mit seiner Übersichtlichkeit, trotzdem ist aber schade, dass es kein eigenes App-Menü gibt.

    Bild und Sound

    Der Bildschirm des Redmi 5 Plus ist überraschend gut. Dank der Full-HD-Auflösung des IPS-Screens (2160 x 1080 Pixel) werden scharfe Bilder geliefert, die zwar nicht an das Level eines OLED-Bildschirms reichen, trotzdem aber mit kräftigen Farben und einer redlichen Schwarzdarstellung überzeugen. Einzig bei starkem Sonnenlicht spiegelte der Bildschirm auffällig. Die Bildschirmhelligkeit zu erhöhen half leider nur bedingt.

    foto: derstandard/al-youssef

    Das Mikrofon nimmt Sprache gut und verständlich auf – bei Telefonaten gab es absolut keine Probleme. Auch die Lautsprecher liefern bei Gesprächen klaren und somit soliden, wenn auch etwas blechernen Ton. Von der Wiedergabe von Musik ist jedoch abzuraten – dafür klingt das Gerät schlicht zu dumpf. Zudem handelt es sich bloß um Monolautsprecher an der Unterkante.

    Akku

    Der Akku des Redmi 5 Plus bietet eine Kapazität von 4.000 mAh – mehr als genug, um bei normaler Nutzung einen Tag durchzuhalten. Auch im Test überzeugte das Gerät mit einer exzellenten Laufzeit. Trotz testbedingter, intensiver Nutzung, musste es erst nach über einem Tag wieder aufgeladen werden.

    Lediglich die Ladezeiten bis zur vollen Aufladung können sich doch über mehrere Stunden ziehen. Während das beispielsweise beim Laden über Nacht kein Problem ist, wäre Quick Charging dennoch wünschenswert gewesen.

    Kamera

    Die Kamera des Redmi 5 Plus hat einen 12 Megapixel-Sensor mit einer Blende von f/2.2, bei der Frontkamera kommt ein 5 Megapixel-Sensor zum Einsatz. Die Frontkamera schießt großteils verschwommene Fotos, für soziale Medien und dergleichen sind sie aber gut genug. Während die Hauptkamera für ihren Preis zwar recht detailreiche Fotos schießt und sehr flott arbeitet, ist der Kontrastumfang des Sensors nicht besonders ausgeprägt. Bei mehreren Testfotos bei Tageslicht "riss" der Himmel aus – plötzlich waren keine Farbinformationen mehr vorhanden. Der Übergang geschieht drastisch und ließ sich auch mit HDR-Anpassungen nicht lösen. Entsprechend wirken Bilder teilweise unnatürlich. Im Dunkeln sind Objekte bereits bei niedriger Distanz kaum mehr zu sehen, Lichter sind grell und blendend.

    Aber: Auch wenn die Kamera mit teureren Geräten nicht mithalten kann, ist sie doch im Vergleich zu anderen Smartphones in dieser Preisklasse solide, sofern man gewillt ist, etwas Zeit vor dem Schnappschuss zu investieren, um manuell nachzubessern. Im Großen und Ganzen sind die meisten Fotos zumindest brauchbar.

    Fazit

    foto: derstandard/al-youssef

    Für bloß 160 Euro bietet Xiaomi ein überraschend gutes Gerät mit einem der besten Preis/Leistungsverhältnisse, die es aktuell am Markt zu finden gibt. Vor allem der gute Bildschirm, die lange Akkulaufzeit und die flüssige Bedienung überzeugen. Selbst die größten Mängel des Geräts sind im Anbetracht der Preisklasse nicht dramatisch. Während die Kamera nicht mit teureren Smartphones mithalten kann, ist sie im Vergleich zu direkten Konkurrenten überdurchschnittlich.

    Wer also keine Unmengen an Geld für ein neues Smartphone investieren will, sollte einen Blick auf das Xiaomi Redmi 5 Plus werfen. Nachdem der Hersteller nun auch in Österreich offiziell seine Pforten geöffnet hat, ist die größte Hürde, die Xiaomi zuvor womöglich disqualifiziert hat, ja bezwungen. (Muzayen Al-Youssef, 10.6.2018)

    Testfotos

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    Tageslicht (ohne und mit HDR)
    foto: derstandard/al-youssef
    Frontkamera, gemischte Lichtsituation
    foto: derstandard/al-youssef
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    (Muzayen Al-Youssef, 10.6.2018)

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde vom Händler Honorbuy zur Verfügung gestellt.

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    Links

    Xiaomi

    Honorbuy

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