Spirituelles Dröhnen mit The Master Musicians Of Jajouka

    Video25. Mai 2018, 08:00
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    Die "4000 Jahre alten Rock-'n'-Roll-Band" tritt in Wels und Wien auf

    Nicht erst seit den Hippie-Globetrottern der späten 1960er- und 1970er-Jahre gehörte Marokko zu den Sehnsuchtsorten von Aussteigern und Außenseitern. Das hatte verschiedene Ursachen: Etwa den Sonderstatus von Tanger, den die marokkanische Stadt nach der Aufteilung des Landes 1912 erhalten hatte. Sie war internationale Zone, in der ein in jeder Hinsicht sehr freier Lebensstil gepflegt werden konnte – und das nutzten vor allem US-Undergroundkünstler und Schriftsteller aus.

    foto: alter schlachthof wels
    Eine "4000 Jahre alte Rock'n'Roll-Band" auf Reisen: The Master Musicians Of Jajouka geben Konzerte in Wels und Wien.

    Wie der Autor Paul Bowles, der 1950 den britischen Maler und Beat-Poeten Brion Gysin mit ritueller Sufi-Trancemusik bekanntmachte. Letzterer führte den damaligen Rolling-Stones-Gitarristen Brian Jones in diese Welt ein, der dann 1968 in das kleine Dorf Jajouka im nordmarokkanischen Rif-Gebirge reiste.

    Zusammen mit dem Toningenieur George Chkiantz nahm Jones das legendäre Album Brian Jones Presents The Pipes of Pan at Jajouka auf. Nach dem Tod von Jones 1969 erschien es postum 1971 und gilt als erste Aufnahme der Master Musicians of Jajouka.

    Ganz im psychedelisch-trippigen Stil der Zeit bearbeitete Jones das ursprüngliche Material im Studio mit Echoschleifen und Phasing-Effekten, die die ekstatischen Qualitäten der Meistermusikanten noch verstärken sollten. Hinsichtlich der Intentionen hat diese jahrhundertealte Ritualmusik schon immer gut zum Rock und dessen Mythologie gepasst. Über die Katalysatoren Bowles, Gysin und dessen Freund William S. Burroughs wurden etwa auch Jimmy Page von Led Zeppelin, Ornette Coleman, Robert Palmer sowie 1990 Bill Laswell damit infiziert.

    zahjouka ⵣⴰⵀⵊⵓⴽⴰ

    Burroughs schrieb in diesem Zusammenhang einmal von einer "4000 Jahre alten Rock-'n'-Roll-Band". Eine, die mit repetitiven Melodieschleifen arbeitet, gespielt in oft vielstündigen Improvisationen von gellenden Rhaitas (oder Ghaitas, wie die marokkanischen bzw. arabischen Oboen auch heißen) sowie diversen Trommeln, Saiteninstrumenten und Doppelrohrblattflöten. Ein spirituelles Erlebnis, so Jazzinnovator Coleman, das heutzutage von Obermeistermusiker Bachir Attar geleitet wird. Der war 1968 vier Jahre alt, heute sorgt er für die weitere Popularisierung des Sounds. (dog, 24.5.2018)

    26. 5., Alter Schlachthof, Wels, 20.00

    28.5., Wien, Porgy & Bess, 20.30

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