Stabile Jobaussichten im Handel, aber neue Anforderung

    21. Juli 2018, 13:45
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    Der Onlinehandel macht dem stationären Handel, die Selbstbedienungskasse den Verkäufern im Supermarkt Konkurrenz. Die Jobanforderungen ändern sich auch hier.

    Wer in Seattle einkauft, kann das tun, ohne je in einer Schlange an der Kassa zu stehen. Im Amazon-Go Supermarkt des Onlinehändlers beobachten Kameras, Sensoren und Künstliche Intelligenz welche Produkte, die Kunden nehmen, der Betrag wird automatisch vom Bankkonto abgezogen. Auch in Schweden gibt es seit 2016 einen Supermarkt ohne Kassen. Personal wird dort nur noch zum Befüllen der Regale gebraucht.

    In Österreich sind diese derzeit mehr Zukunft als Realität. Dennoch hat der stationäre Handel durch Onlinehändler große Konkurrenz bekommen. Laut der aktuellen Studie "Handel in Zahlen" des Handelsverbandes wächst der Onlinehandel zehnmal so schnell wie der stationäre. Allein 2017 sind hierzulande über 105 Millionen Pakete zugestellt worden. Über 60 Prozent der Österreicher bestellen online, zeigt eine Statista-Umfrage. Und laut einer im Mai veröffentlichten Studie von PWC könnten in Österreich bis Mitte der 2030er-Jahre mehr als ein Drittel der Jobs im Handel von Robotern übernommen werden.

    Größter Wirtschaftssektor

    Wie sehen also die Jobaussichten aus, wenn Onlinehandel und Selbstbedienungskassen auf dem Vormarsch sind? Derzeit ist der Handel nach Anzahl der Unternehmen und nach dem Umsatz der größte Wirtschaftssektor. Und mit 588.000 Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber, die meisten davon sind im Einzelhandel tätig. Dieser zeichnet sich besonders durch eine hohe Fluktuation aus. Laut dem Qualifikationsbarometer des Arbeitsmarktservice arbeiten 19 Prozent der Handelsangestellten weniger als ein Jahr für ein Unternehmen. Das kann einerseits daran liegen, dass viele den Handel als Übergangstätigkeit sehen, andererseits auch an der körperlichen und psychischen Belastung.

    "Es ist ein Kommen und Gehen, deshalb sind auch ständig Stellen ausgeschrieben", sagt Emanuel Van den Nest, Handelsexperte am Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft. 70 Prozent der Beschäftigten sind weiblich und 47 Prozent sind Teilzeit angestellt. Es sei schwierig, überhaupt eine Vollzeitanstellung zu bekommen, sagt Van den Nest.

    Relativ stabile Jobaussichten

    Diese Situation wird sich laut dem Experten künftig kaum ändern. Aktuell verzeichnet der stationäre Handel ein leichtes Plus an Erwerbstätigen, die Jobaussichten seien "relativ stabil". Doch die "großartigen Gewinne wird es dort künftig nicht geben", viele kleinere und mittlere Betriebe müssten künftig wohl großen Ketten weichen. Bedarf gebe es in Zukunft, wenig überraschend, im Onlinehandel.

    Eine Antwort darauf ist der neue Lehrberuf zum E-Commerce-Kaufmann, der voraussichtlich ab Herbst angeboten wird. Überhaupt zählt der Einzelhandel zu den wichtigsten Lehrlingsausbildnern, der Beruf Einzelhandelskauffrau wird von Mädchen am häufigsten gewählt, zeigt die Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer. Auch Quereinsteiger können im Handel Fuß fassen, für viele Positionen gibt es keine bis kaum Anforderungen, man lernt im Job.

    Dennoch erkennt Van den Nest auch hier den Trend zur Höherqualifizierung: "Gerade im niedrigen Führungslevel, also etwa von einer Filialleiterin wird zum Teil gutes Allgemeinwissen und Matura gefragt". Und Personen im Fachhandel sollten ohnehin eine spezifische Ausbildung haben. Mit der Digitalisierung ergeben sich neue Tätigkeiten, gerade bei Bürojobs im Handel sind Hochschulabsolventen gefragt. Allerdings nicht nur mit Wirtschaftsabschluss, sondern auch Produktentwickler oder Informatiker für die Datenanalyse der Onlineshops. Trotz des Trends zum Onlinehandel ist Experte Van den Nest überzeugt, dass der stationäre Handel "nicht sofort aussterben wird und auch in den nächsten Jahren viele Stellen zu besetzen hat". (Selina Thaler, Der Standard, 21.7.2018)

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