MH17-Abschuss: Rakete stammte von russischer Armee

    Video24. Mai 2018, 17:22
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    Internationale Ermittler legen Untersuchungsbericht des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine vor – Moskau weist Verantwortung zurück

    Den Haag / Moskau / Kiew – Fast vier Jahre nach dem Abschuss des Fluges MH17 der Malaysia Airlines über der Ostukraine hat die internationale Untersuchungskommission am Donnerstag ihren Bericht vorgelegt. Wie der Ermittler Wilbert Paulissen im niederländischen Bunnik bei Utrecht erklärte, stammt die Rakete, die zum Absturz der Boeing 777 führte, von der russischen Armee.

    Konkret soll die Boden-Luft-Rakete des Typs Buk M1 aus den Beständen der in Kursk stationierten 53. Flugabwehrbrigade der russischen Armee kommen. Paulissen zufolge seien alle Fahrzeuge des Konvois, mit dem das Flugabwehrraketensystem transportiert wurde, Teil des russischen Militärs. Dies sei durch Fotos, Videos und Zeugenaussagen belegt.

    foto: apa/afp/anp/robin van lonkhuijse
    Die Überreste der "Buk"-Rakete, mit der die Boeing 777 abgeschossen wurde.

    Der niederländische Oberstaatsanwalt Fred Westerbeke beklagte, dass von russischer Seite keinerlei Unterstützung für die Untersuchung zu bekommen war: "Sie haben uns diese Information nicht gegeben, obwohl eine Buk ihrer Armee benutzt wurde." Westerbeke rief dazu auf, Informationen zur Identifizierung der Urheber des Abschusses bekanntzugeben sowie auf welcher Ebene der Kommandokette der Einsatzbefehl gegeben wurde. "Wir wissen, was benutzt wurde, aber wer die Buk bediente, wissen wir nicht."

    foto: reuters/francois lenoir
    Deutlich erkennbar: die Seriennummer 9131 und die Kennziffer 8 86, die auf das Werk Dolgoprudny in Moskau und das Produktionsjahr 1986 hinweist.

    Am 17. Juli 2014 stürzte der Flug MH17 von Schiphol nach Kuala Lumpur bei der ostukrainischen Stadt Tores ab. Das Gebiet wird von prorussischen Separatisten kontrolliert. Alle 298 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben, unter ihnen 193 Niederländer und Passagiere aus einem Dutzend weiteren Ländern.

    politie
    Das Video der niederländischer Ermittler

    Bald war klar, dass es sich um einen Abschuss handeln musste: Auf einer Flughöhe von 33.000 Fuß brach der Kontakt zur Maschine unvermittelt ab, es gab weder ein Notsignal noch Hinweise auf technische Probleme. Der Luftraum in dem umkämpften Gebiet war bis zur Höhe von 32.000 Fuß für zivile Flugzeuge gesperrt. Eine offizielle Warnung vor einem Überfliegen der Region hatte Kiew jedoch nicht veröffentlicht.

    Die Wrackteile wurden nach der Bergung in die Niederlande gebracht und dort rekonstruiert. Die Untersuchung wird von Experten aus den Niederlanden, Malaysia, Australien, Belgien und der Ukraine durchgeführt. In einem im Oktober 2015 veröffentlichten Bericht kamen sie zum Schluss, dass eine Flugabwehrrakete links über dem Cockpit explodierte, wobei die Maschine zerbrach.

    foto: reuters/michael kooren/file photo
    Die Boeing 777 wurde in den Niederlanden rekonstruiert.

    Der niederländische Premier Mark Rutte brach am Donnerstag einen Staatsbesuch in Indien ab, um für eine Regierungssitzung nach Den Haag zurückzukehren.

    Das russische Verteidigungsministerium erklärte, nichts mit dem Abschuss von MH17 zu tun zu haben. Keinerlei Raketensysteme hätten die russisch-ukrainische Grenze überquert. Präsident Wladimir Putin sagte bei einer Pressekonferenz mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, man werde den Bericht nun analysieren.

    Moskau hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sieht die Verantwortung bei der ukrainischen Armee. Auch Kiew verfügt über Altbestände an Buk-M1-Raketen. (Michael Vosatka, 24.5.2018)

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