"Detroit: Become Human" im Test: Herzzerreißender Aufstand der Androiden

    24. Mai 2018, 13:59
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    Neuestes Quantic-Dream-Werk punktet mit einer starken Inszenierung, schwächelt allerdings beim Gameplay

    Der Fortschritt bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz begeistert und verängstigt Menschen gleichermaßen. Bereits heute sind wir von smarten Systemen umgeben und vertrauen diesen auch. Der Staubsaugerroboter wischt daheim den Boden, der Assistent auf dem Smartphone kennt unseren Tagesablauf, und beim Reisen von A nach B vertraut man ohnehin immer mehr den Maschinen. Der interaktive Film "Detroit: Become Human" (PS4; 69,99 Euro) von Quantic Dream setzt sich mit dem Zusammenleben von Mensch und Maschine im Jahr 2038 auseinander. DER STANDARD verbrachte mehrere Stunden in dieser Utopie, die sich schnell zu einer Dystopie entwickelte.

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    Launch-Trailer zu "Detroit: Become Human".

    Der Mensch versaut es wieder einmal

    In der Welt von "Detroit: Become Human" leben Menschen mit menschenähnlichen Androiden zusammen. Die Maschinen sind in ihrer Intelligenz höchst fortgeschritten und stehen ihrem Konterpart aus Fleisch und Blut um nichts nach. Dies hält viele Menschen aber nicht davon ab, die Maschinen als Sklaven zu halten und auch schlecht zu behandeln.

    Die Androiden sind allerdings darauf programmiert, alles durchzustehen und ihren Herren nicht zu widersprechen. Allerdings ist die menschliche Schöpfung nicht ganz fehlerfrei. Irgendwann fangen die Maschinen nämlich an, ihre Rolle zu hinterfragen.

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    So spielt sich "Detroit: Become Human".

    Markus, Connor und Kara

    Als Spieler schlüpft man in die Rolle von drei Androiden: Connor, Markus und Kara. Connor ist eine einzigartige Maschine. Er wurde geschaffen, um gegen sogenannte Deviants anzukämpfen – Androiden, die abnormales Verhalten zeigen und ihren Menschen nicht mehr gehorchen.

    Markus ist eine Maschine, die einen liebevollen menschlichen Herrn hat, während Kara hingegen von ihrem Halter gequält und misshandelt wird. Wie es die Geschichte so will, emanzipieren sich Markus und Kara irgendwann, und die Aufgabe von Connor ist es, die beiden Deviants aufzuhalten.

    Gameplay gewohnt schwach

    Hinsichtlich des Gameplays ist "Detroit: Become Human" wie bei Quantic-Dream-Titeln üblich vernachlässigbar. Immer wieder treten Quick-Time-Events auf, die nach einer gewissen Zeit ermüdend sind. Vereinzelt gibt es aber auch gute Stellen, etwa wenn in einer Verfolgungsjagd innerhalb von Sekunden ein bestimmter Weg eingeschlagen werden muss.

    Tiefgreifende, irreversible Entscheidungen

    Generell fällt man als Spieler durchwegs tiefgreifende Entscheidungen für den weiteren Verlauf der Geschichte. Hat man einmal einen Entschluss gefasst, ist dieser irreversibel. Dies geht sogar so weit, dass im zweiten STANDARD-Durchlauf Kara durch eine anfängliche Entscheidung gänzlich aus dem Spiel genommen wurde. Bei einem Vorabevent sagte Guillaume de Fondaumière, Executive Producer bei Quantic Dream, dass man selbst nicht genau wisse, wie viele Enden das Spiel eigentlich hat.

    foto: "detroit: become human"
    Nach jeder Szene werden die unterschiedlichen Entscheidungsstränge aufgezeigt.

    Hoher Wiederspielwert

    Insgesamt ist die Story von "Detroit: Become Human" gelungen, wobei sie zum Ende hin unnötige Längen aufweist. Manche Szenen hätte man sich sparen können. Um die zehn bis zwölf Stunden Spielzeit benötigt ein Durchlauf. Durch besagten spielerischen Einfluss auf die Story ist allerdings ein hoher Wiederspielwert gegeben.

    Nach jeder Szene als Connor, Kara und Markus sieht man auch die möglichen Entscheidungsstränge, die zum Teil vielfältig sind. Um alle Entscheidungen aufzudecken, bedarf es laut den Machern um die 20 bis 25 Spielstunden.

    Tolle Grafik und Soundtrack

    Die 30 Millionen Euro Budget sind auch bei der restlichen Inszenierung bemerkbar. Bei der Grafik wurde das Maximum aus der Playstation 4 (Pro) herausgeholt, und dank Quantic Dreams Motion Capturing waren "menschliche" Dialoge und Interaktionen noch nie realistischer. 300 Schauspieler waren hierbei im Einsatz.

    Auch beim Soundtrack hat man drei verschiedene Komponisten ins Boot geholt, die den drei Storys eine eindeutige musikalische Note verleihen. Teile der Musik wurden übrigens in Wien aufgenommen.

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    "Detroit: Become Human" sorgte aufgrund der Darstellung von Kindesmissbrauch schon im Vorfeld für Diskussionen.

    Fazit

    "Detroit: Become Human" ist ein mitreißender Thriller, der eine emotionale Achterbahnfahrt mit sich bringt. Immer wieder ist man mit drastischen Entscheidungen konfrontiert, die man selbst nach längerer Spielzeit noch anzweifelt. Die starke Inszenierung wird lediglich durch eine schwächelnde Story zum Ende des Games hin getrübt. Ansonsten kann die Geschichte mitsamt des Soundtracks und der Grafik aber überzeugen.

    Weniger gefällt das Gameplay mit seinen vielen Quick-Time-Events. Aufgrund der starken Inszenierung spielt man aber trotzdem immer weiter und fiebert mit Markus, Connor und Kara mit. Insgesamt wurde mit "Detroit: Become Human" ein äußerst gelungener Film, weniger aber ein gutes Spiel geliefert. Ein typischer Quantic-Dream-Titel eben – wenngleich einer der besten. (Daniel Koller, 24.05.2018)

    "Detroit: Become Human" erscheint am 25.05.2018 exklusiv für Playstation 4 ab 18 Jahren. UVP: 69,99 Euro.

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    Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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    "Detroit: Become Human"

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