Restauratorin zwischen Wien und Ladakh

    8. Juni 2018, 13:03
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    Noor Jahan absolviert ein zehnmonatiges Praxistraining in Restaurierungstechniken an der Wiener Universität für angewandte Kunst

    Das Nubra-Tal ist ein karges Hochgebirgstal im äußersten Norden Indiens, das vor allem für seine vielen buddhistischen Klöster bekannt ist. Auf rund 3000 Metern Seehöhe findet man dort auch das Dorf Hunder mit seiner ehemaligen Königsresidenz, die heute von einem buddhistischen Mönch bewohnt und bewacht wird. Als studierte Restauratorin hat sich Noor Jahan eingehend mit den herrlichen Wandmalereien in diesem verlassenen Palast beschäftigt.

    Winzige Farb- und Putz-Proben davon befinden sich zurzeit am Institut für Konservierung und Restaurierung der Wiener Universität für angewandte Kunst, wo Noor ein zehnmonatiges Praxistraining in Restaurierungstechniken absolviert. Dank einer bereits seit 14 Jahren bestehenden Kooperation zwischen Indien und der Angewandten im Feld der Konservierungswissenschaft hat sie nun die Gelegenheit, modernes Know-how in ihre Heimat Ladakh mitzunehmen.

    "In Indien wird größtenteils noch mit traditionellen Methoden und Materialien gearbeitet", sagt die 28-Jährige. "Um unsere historischen Kulturgüter für die Nachwelt zu erhalten, müssen wir aber auch neue wissenschaftliche Methoden und Technologien kennen und anwenden."

    Praktikum in Wien

    Für die Doktorandin bietet das Praktikum in Wien die große Chance, dieses fehlende Wissen zu erwerben. Vier Summer Schools, zehn Workshops und zwei wissenschaftliche Konferenzen wurden im Rahmen der indisch- österreichischen Ausbildungskooperation bereits organisiert, zudem konnten acht Dissertanten ein Praktikum an der Angewandten absolvieren. Ende Juli wird Noor wieder in ihre Heimatstadt Leh im ehemaligen Königreich Ladakh im westlichen Himalaja an der Grenze zu Tibet und Pakistan zurückkehren.

    "Den Sommer über kommen viele Menschen aus anderen Landesteilen nach Ladakh, um dort zu arbeiten", berichtet Noor, "ich möchte aber das ganze Jahr dort bleiben – auch im Winter, wenn die Temperaturen oft unter minus 20 Grad sinken." Restaurierungsarbeiten sind dann zwar kaum möglich, doch die junge Restauratorin hat auch für diese Jahreszeit bereits einen Plan: "In den Wintermonaten werde ich meine Doktorarbeit schreiben und möchte zudem das aus Österreich mitgebrachte Wissen in Workshops weitergeben, um mehr junge Menschen für diese schöne und wichtige Arbeit zu begeistern."

    Damit könne sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erwischen: einerseits den vielen arbeitslosen Jugendlichen in Ladakh eine berufliche Perspektive aufzeigen, andererseits ihren Kollegen die technisch-methodische Basis für einen effektiven Schutz des wertvollen Kulturerbes vermitteln.

    Immerhin sind es neben der spektakulären Hochgebirgslandschaft vor allem die uralten Kulturschätze, die den Tourismus in dieser Region zwischen Himalaja und Karakorum mittlerweile zur Haupteinnahmequelle gemacht haben. Auch wenn sich Noor in Wien ausgesprochen wohlfühlt – auf ihre Heimat freut sie sich doch schon sehr. Vor allem auf das allgegenwärtige Lächeln und der vielsagende Gruß "Julley", der einem in Ladakh auf Schritt und Tritt entgegenschallt. (Doris Griesser, 8. 6. 2018)

    • Noor Jahan erforscht die Wandmalereien in einem ehemaligen buddhistischen Palast.
      foto: privat

      Noor Jahan erforscht die Wandmalereien in einem ehemaligen buddhistischen Palast.

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