Zweifel an Methode: Deutsche würden Kurz Merkel vorziehen

    18. Mai 2018, 13:55
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    "Liste Kurz" in Umfrage bei 38 Prozent, Union nur bei 32,5 Prozent

    Berlin – Die deutsche Umfrage, wonach eine hypothetische "Liste Kurz" bei Bundestagswahlen auf 38 Prozent käme, ist nach Ansicht des Meinungsforschers Wolfgang Bachmayer "methodisch völlig unsauber" durchgeführt worden. Bei Sonntagsfragen müssten auch andere Parteien abgefragt werden, sagte der OGM-Chef am Samstag der APA. Das Ergebnis sei dennoch "im Bereich des Vorstellbaren".

    Wahlprognosen seien international "hoch standardisiert", betonte Bachmayer. "Da müssten alle am Wahlzettel stehenden Parteien mitabgefragt werden. Wenn man nur einen abfragt, ist das für Prognose nicht zulässig", sagte er mit Blick darauf, dass der Wert der "Liste Kurz" aus seiner Ja-/Nein-Frage errechnet wurde. Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte aus der Umfrage den Schluss gezogen, dass eine "Liste Kurz" bessere Wahlchancen hätte als die Union von Kanzlerin Angela Merkel, für die in der gleichen Umfrage ein Wert von 32,5 Prozent erhoben wurde.

    Bachmayer kritisierte die Umfrage mit ihrer "an den Haaren herbeigezogenen" Fragestellung als "ziemlich theoretische Spielerei" und schloss eine politische Motivation nicht aus. "Die Umfrage dient nur als Vehikel, dass das Ganze von einer persönlichen Meinung zu einer demoskopisch verbrieften Meinung der Gesamtbevölkerung wird", so der OGM-Chef, der angab, das deutsche Institut nicht zu kennen.

    Abseits der breiten Mitte

    Dennoch zeige die Umfrage "etwas auf, was denkbar ist". Es können nämlich in Deutschland "ähnliche Effekte ins Rollen kommen" wie nach dem ÖVP-Obmannwechsel zu Sebastian Kurz in Österreich. Eine Liste "mit einem deutschen Sebastian Kurz" könnte somit "ein sehr gutes Ergebnis erreichen, das deutlich über 30 Prozent liegen müsste", sagte der OGM-Chef. Sie würde nämlich nicht nur die "breite Mitte" ansprechen, sondern auch Wähler "links und rechts der Mitte und vielleicht etwas rechts davon", sagte Bachmayer mit Blick auf die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD).

    Laut der am gestrigen Freitag veröffentlichten Erhebung des Instituts INSA bejahten 38 Prozent jener Personen, die bei der Sonntagsfrage eine Wahlpräferenz geäußert hatten, die Frage, ob sie eine Liste mit Sebastian Kurz als Kanzlerkandidat wählen würden. Demnach war der Zuspruch mit 81 Prozent unter AfD-Anhängern besonders groß, während sich nur 29 Prozent der Unions-Wähler für die Liste Kurz erwärmen könnten.

    Bachmayer gab an, das Institut INSA, das wegen angeblicher AfD-Sympathien umstritten ist, nicht zu kennen. Grundsätzlich sei es möglich, bei Sonntagsfragen auch hypothetische Szenarien abzufragen, sagte der Meinungsforscher. "Methodisch sauber" sei dies, wenn man bei der Hälfte der Stichprobe die aktuellen Spitzenkandidaten abfragt und bei der anderen Hälfte die hypothetischen.

    Den niedrigen vergleichsweise niedrigen Zuspruch für eine "Liste Kurz" unter Unions-Wählern sieht der OGM-Chef nicht als Indiz dafür, dass es die Union unter einem "deutschen Sebastian Kurz" zerreißen könnte. Wenn ein etwaiger Personalwechsel – wie in Österreich – glatt über die Bühne gehe, könnte der Zuspruch "schnell über 50, 60 Prozent steigen". Sollte das nicht der Fall sein, wäre die Frage nach einer Spaltung der Union "voll berechtigt". (APA, 19.5.2018)

    • Sebastian Kurz kommt bei den Deutschen besser an als Angela Merkel.
      foto: apa/afp/macdougall

      Sebastian Kurz kommt bei den Deutschen besser an als Angela Merkel.

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