Standort glänzt wieder: Infineon investiert 1,6 Milliarden in Villach

18. Mai 2018, 17:42
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Der deutsche Chipkonzern investiert in ein neues vollautomatisiertes Werk. Neue Jobs sollen dennoch entstehen

Jetzt ist es schon wieder passiert. Nachdem die Voestalpine jüngst den Spatenstich für ein neues hochmodernes Edelstahlwerk im steirischen Kapfenberg gefeiert hat, kann nun Kärnten jubeln. 1,6 Milliarden Euro investiert der deutsche Halbleiterhersteller Infineon am österreichischen Standort in Villach – mit Abstand die höchste Investitionssumme seit Jahren in Österreich und für Infineon die bisher größte Einzelinvestition. Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim baut derzeit seinen Standort Wien um 700 Millionen Euro aus.

Ab 2019 wird die bestehende Infineon-Niederlassung in Villach damit um eine weitere Fertigungslinie für die sogenannten 300-Millimeter-Wafer – superdünne leistungsfähige Chips, die etwa Energiesparpotenziale in Elektroautos, bei Energieanlagen oder bei Servern heben sollen – ausgebaut. Die Investitionen erfolgen über einen Zeitraum von sechs Jahren. In Betrieb soll das neue Werk schon Anfang 2021 gehen. Bereits im Vorjahr hatte die Konzernmutter bekanntgegeben, 35 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigung von Siliziumkarbid-Halbleitern zu stecken.

Bemühte Politik

Warum man sich für Villach entschieden habe, führt der extra aus Deutschland angereiste Vorstandschef Reinhard Ploss auf mehrere Faktoren zurück. Einige der Argumente ähneln jenen, die auch Voestalpine-Chef Wolfgang Eder angesichts der 350-Millionen-Investition in Kapfenberg bemüht hatte: "Es gibt hier eine begeisterte Mannschaft, und die Politik hat sich sehr bemüht."

Um die Investition bemüht hatten sich laut Ploss neben Villach auch die Standorte Regensburg, Dresden und Kulim in Malaysia. Ausschlaggebend sei am Ende die Antwort auf die Frage gewesen, "wo man das Werk am schnellsten hochziehen kann. Malaysia wäre billiger gewesen, es hätte aber länger gedauert", sagt Ploss. Für den in den letzten Jahren häufig in Misskredit geratenen Standort Österreich finden beim anberaumten Pressetermin in Wien neben Österreich-Chefin Sabine Herlitschka und Vorstandschef Ploss alle Anwesenden – von Kanzler über Infrastrukturminister bis zur Wirtschaftsministerin – viele lobende Worte. Ploss zeigt sich etwa von der Forschungsförderung, "die steuerlicher Natur ist", angetan.

Neue Zeiten

Die von der neuen Regierung in Aussicht gestellte Reduktion der Unternehmenssteuer wäre eher zweitrangig. Ein Extraförderprojekt für Infineon hätte es nicht gebraucht, um die Milliarden ins Rollen zu bringen, beteuert Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Beziffern will sie die monetären Anreize nicht. Dass das Setting angesichts des geplanten Standortentwicklungsgesetzes noch besser wird, davon geht sie aus. Minister Norbert Hofer (FPÖ) sieht neue Zeiten anbrechen: "Jene der verlängerten Werkbank geht vorbei." Und Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betont, wie hochwillkommen die Milliarden seien: "Ich wollte schon applaudieren, aber das tut man ja nicht. Von der Bedeutung her ist das wirklich historisch."

Glaubt man Ploss, liegt der Kanzler mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch. Denn die leistungsfähigen Energiesparchips, für die die Villacher die Fertigung entwickelt haben und die mittlerweile auch in Dresden produziert werden, sind begehrt. "Die Kunden rennen uns zurzeit die Tür ein." Der Konkurrenz sei man wohl um ein paar Jahre voraus, glaubt Ploss. "Wir sehen bisher keinen, der darüber redet, hier einzusteigen." Ploss rechnet mit einem Zusatzumsatz aus der neuen Fabrik von 1,8 Milliarden Euro.

Vollautomatische Produktion

Wie im neuen Edelstahlwerk der Voestalpine wird auch in Villach vollautomatisiert produziert. 400 neue Jobs sollen zu den derzeit 3100 laut Sabine Herlitschka dennoch dazukommen. Automatisierungstechniker, Robotertrainer und Datenspezialisten seien gefragt. Wobei Fachkräfte schon jetzt Mangelware seien. Jeder zweite neue Bewerber habe einen internationalen Background. (rebu, 18.5.2018)

  • Pizzaradl werden die 300-Millimeter-Dünnwafer etwa respektlos genannt. Dabei sind sie mit der Stärke von einem Drittel eines Haares ganz schön leistungsfähig – und deswegen auch begehrt.
    foto: ap/rietschel

    Pizzaradl werden die 300-Millimeter-Dünnwafer etwa respektlos genannt. Dabei sind sie mit der Stärke von einem Drittel eines Haares ganz schön leistungsfähig – und deswegen auch begehrt.

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