Pro und Kontra: Muss ich immer erreichbar sein?

    Kommentar26. Mai 2018, 09:00
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    Mittlerweile kann man immer und quasi von überall aus arbeiten und Mails checken – Smartphone sei Dank. Zwei Meinungen dazu

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    Ein Drittel der Beschäftigten in Österreich arbeitet nach Dienstschluss weiter, wie der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer zeigt. In vielen Fällen ist diese Arbeit: Mails lesen und Anrufe beantworten.

    Pro: Jeder soll frei entscheiden dürfen

    von Selina Thaler

    Nach Feierabend oder am Wochenende offline zu sein, das Diensthandy zu ignorieren, ist wie Schwimmen mit einem Bleigürtel. Es ist möglich, aber es macht die Sache unnötig kompliziert.

    Klar, nicht jede E-Mail im Posteingang hat höchste Priorität, doch lieber beantworte ich die dringlichen in meiner Freizeit oder rufe jemanden zurück, wenn ich damit am nächsten Tag eine halbe Stunde Organisationsarbeit oder eine Besprechung einsparen kann. Erfahrungsgemäß sind die Sachen nämlich in fünf Minuten erledigt, vom Arbeitsaufwand kein merklicher Unterschied, wie wenn ich einer Freundin eine längere Whatsapp-Nachricht schreiben würde.

    Wahrscheinlich wäre es gesünder, die rote Blase mit den ungelesenen E-Mails auf meiner Mail-App zu ignorieren. Doch jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wann er oder sie ihre E-Mails beantwortet – frei nach dem modernen Führungsstil, den Mitarbeitern mehr Selbstverantwortung zu geben. Das funktioniert allerdings nur, solange jene Kollegen, die ihr Diensthandy nach Feierabend keines Blickes würdigen, sich nicht dazu verpflichtet fühlen, es doch zu tun.

    Kontra: Abschalten ist wichtig

    von Lisa Breit

    Die Mutter, die telefoniert, während sie ihr Kind stillt. Das Pärchen, das beim Essen beide Handys vor sich liegen hat, "es könnte ja wichtig sein". Die Freundin, die gar nicht richtig zuhört, weil sie eine Mail erwartet. Sie hatte ich sofort vor Augen, als ich die Frage kommentieren sollte: Muss ich immer erreichbar sein? Meine Meinung lautet ganz klar: Nein.

    Bitte versteht mich nicht falsch: Ich liebe meinen Beruf, bin leidenschaftliche Journalistin. Und auch gerne für die Firma da, wenn mehr zu tun ist. Dann komme ich bereitwillig früher und bleibe länger. Aber: Danach abzuschalten ist mir wichtig. Um durchzuatmen. Wenn ich ständig Mails checke, ist das unmöglich. Vor allem, weil es beim Lesen ja nicht bleibt – man ist in Gedanken sofort wieder bei der Arbeit.

    Auszeiten braucht es, um sich mit Dingen zu beschäftigen, die sonst noch wichtig sind: seiner Familie, seinen Freunden, seinen Hobbys. Und das funktioniert erfahrungsgemäß am besten, wenn das Smartphone lautlos in einer Ecke liegt.

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