Steffen Hofmann: "Man nimmt mir den Ball weg"

    17. Mai 2018, 16:08
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    Hofmann hat 16 Jahre lang für Rapid gekickt, nun geht er wehmütig in Pension. Als Talentemanager bleibt er dem Verein erhalten

    Wien – Ein paar Mal wird Steffen Hofmann noch mit der U-Bahn ins Trainingszentrum beim Happel-Stadion fahren. Er wird mit den "Jungs" in der Kabine ein bisserl Schmäh führen, alle Übungen brav mitmachen, sich ordentlich "reinhauen". In dieser sich dem Ende zuneigenden Saison wurde er maximal und selten eingewechselt, seine Beiträge zu Rapids Erfolgen und Misserfolgen waren marginal. Im September wird Hofmann 38. "Hätte ich gewusst, dass mein letztes Jahr so verläuft, hätte ich möglicherweise früher aufgehört", sagte er dem Standard. "Aber was soll’s. Ich dachte, ich könnte noch helfen, aber es hat nicht sein sollen. Trotzdem. Ich bewege mich gerne, liebe Fußball. Vielleicht haben die Jungs von meiner Anwesenheit profitiert." Es sei eben schwierig, loszulassen, den richtigen Moment zu erwischen. "Jeder Tag in den 16 Jahren bei Rapid war etwas Besonderes. Macht man etwas so lange, will man es ausreizen und auskosten."

    Hofmann ist "hin- und hergerissen", seine Gefühle geraten leicht durcheinander. "Einerseits bin ich traurig, im nächsten Moment erleichtert. Es war klar, dass irgendwann der Tag da ist. Man nimmt mir den Ball weg."

    Donnerstagmittag, Kursalon im Wiener Stadtpark, Rapid lud zu einer Abschiedsfeier, "Danke und Servus" lautete das Motto. Hofmann wurde mit stehenden Ovationen begrüß, er hielt eine Rede, kämpfte vergeblich gegen die Tränen. Er dankte seiner Frau Barbara, seinen "drei wunderbaren" Kindern, seinen Eltern. Namentlich erwähnte er den Ehrenpräsidenten Rudolf Edlinger und Josef Hickersberger, seinen ersten Trainer in Hütteldorf. "Eine Vaterfigur, die mir gezeigt hat, worauf es ankommt." Es gab übrigens noch sieben weitere Coaches, von Peter Pacult über Peter Schöttel, Zoran Barisic bis hin zu Goran Djuricin.

    Am 22. Juli steigt im Allianz Stadion ein Abschiedsspiel, Hofmann und Freunde treffen auf Rapid, es könnte ein Unentschieden werden, zum Beispiel ein 5:5.

    Vor knapp drei Wochen gastierten die Grünweißen bei Sturm Graz. Hofmann saß traditionell auf der Bank, sein Beitrag zum 2:4 lag also bei null. Die Sturm-Fans hatten ein Transparent aufgehängt, darauf stand geschrieben: "Trotz allem: Respekt für Steffen Hofmann." Der Rapidler hat sich danach bedankt. "Das war schön, ergreifend."

    Im Sommer 2002 hat Lothar Matthäus den gebürtigen Würzburger von den Bayern Amateuren nach Hütteldorf geholt. Ehe der junge und schüchterne Mittelfeldspieler das erste Training bestreiten konnte, war der "Loddar" bereits Trainergeschichte.

    Viele Zahlen

    Und die Geschichte Hofmanns begann. In schnöden Zahlen ausgedrückt schaut sie so aus: 539 Pflichtspiele (Vereinsrekord), 127 Tore, 208 Vorlagen, zwei Meistertitel (2005, 2008), Schützenkönig 2010, zweimal Fußballer des Jahres. Ein halbes Jahr, von Jänner bis Juni 2006, ist er weg gewesen. Bei 1860 München erkannte er rasch, "was ich an Rapid habe". Und so wurde er zum Dinosaurier, zur Klubikone, die ans Limit ging, zum Fußballgott mit der Nummer elf, der Krisen managte, soziales Engagement zeigte. "Ich denke, diese Anerkennung und Zuneigung hat in erster Linie mit meinen Leistungen zu tun." Er bereue nichts, den Traum von den großen Ligen "überlasse ich anderen. Ich habe ja immer freiwillig verlängert. Ich passe in die Stadt Wien, ich passe zu Rapid." Der Umkehrschluss sei zulässig.

    Mit dem Beinamen "Fußballgott" habe er sich angefreundet. "Ich weiß ja, dass ich nur ein demütiger Mensch bin." Hofmann ist quasi ein Auslaufmodell, der Profifußball ist ein stetes Kommen und Gehen geworden. "Die Zeiten werden generell schnelllebiger."

    Am Sonntag empfängt Rapid den SCR Altach zum letzten Saisonheimspiel. Die Fans vom Block West basteln an einer Choreografie für ihren Frühpensionisten, sie dürfte eindrucksvoll ausfallen. Hofmann hat bisher 40.602 Minute für Rapid gekickt, es werden einige dazukommen. Djuricin wird dem Ehrenkapitän Einsatzzeit geben. Es wird der letzte, gar nicht so marginale Beitrag sein.

    Mit der U-Bahn wird er weiterhin zum Trainingszentrum fahren, die Sportabteilung hat dort ihre Büros. Hofmann wird Talente-Manager. "Eine herausfordernde Aufgabe." Es werde aber einige Zeit dauern, "bis ich kapiert habe, dass ich mich in der Kabine nicht umziehen muss". (Christian Hackl, 17.5.2018)

    • Steffen Hofmann: "Einerseits bin ich traurig, im nächsten Moment erleichtert. Es war klar, dass irgendwann der Tag da ist. Man nimmt mir den Ball weg."
      foto: apa/herbert pfarrhofer

      Steffen Hofmann: "Einerseits bin ich traurig, im nächsten Moment erleichtert. Es war klar, dass irgendwann der Tag da ist. Man nimmt mir den Ball weg."

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