Wie Eifersucht Liebe und Freundschaft stört

    Interview18. Mai 2018, 09:00
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    Eifersucht ist ein starkes Gefühl und hat mit Selbstwert zu tun. Der Psychologe Horst Heidbrink erklärt, wie Eifersüchtige mit ihrer Verlustangst umgehen lernen können

    STANDARD: Jeder kennt Eifersucht. Aber woher kommt sie?

    Heidbrink: Ein Gefühl, das in der Regel bei Liebespaaren entsteht. Es ist die Angst, dass mir eine andere Person meinen Partner wegnimmt. Voraussetzung für Eifersucht ist deshalb eine Beziehungskonstellation von mindestens drei Menschen. Das unterscheidet sie auch vom Neid – für den reichen in der Regel zwei Personen. Aus Sicht der Evolution hat Eifersucht auch durchaus einen Grund: Für die Fortpflanzung war die Beziehung zwischen Mann und Frau schließlich überlebensnotwendig.

    STANDARD: Was hat so ein Gefühl in Freundschaften zu suchen?

    Heidbrink: Im Grunde gar nichts. Als Erwachsener sollte ich eigentlich gelernt haben, dass Freundschaften nicht exklusiv sind, und wissen, dass seine eigenen Freunde auch andere Freunde haben dürfen.

    STANDARD: Wie lernt man das?

    Heidbrink: Das ist ein Prozess, der in der Kindheit beginnt. Die ersten Eifersüchteleien gibt es meist zwischen Geschwistern oder in Bezug auf die Eltern. Mit der Zeit sollten wir durch diese Beziehungskonstellationen mitbekommen, dass es nichts mit uns zu tun hat, wenn meine Schwester allein mit ihren Freunden spielen will oder Mama und Papa mal einen Abend zu zweit verbringen wollen. Ein gutes Übungsfeld sind auch Freundschaften zwischen Jugendlichen. Die sind mitunter so eng, dass sie den Charakter von Liebesbeziehungen haben.

    STANDARD: Verabreden sich zwei meiner besten Freunde ohne mich, und ich bin dann eifersüchtig, ist das also eine unreife Reaktion.

    Heidbrink: "Unreif" würde ich das nicht nennen. Denn in Bezug auf Gefühle sind Bewertungen immer schwierig. Was ich fühle, kann ich schließlich nicht einfach an- oder abstellen: Gefühle sind, wie sie sind.

    STANDARD: Wie gehe ich also mit so einer Situation um?

    Heidbrink: Die Frage lautet erst einmal, wie intensiv ich die Eifersucht erlebe. Bin ich lediglich ein bisschen wütend oder traurig, weil die beiden nicht an mich gedacht haben, kann ich dies vielleicht einfach akzeptieren. Bin ich hingegen am Boden zerstört und befürchte, die Freundschaft sei nun in Gefahr, wird es problematisch. Freundschaften sollten schließlich ein gesundes Verhältnis zwischen Abhängigkeit und Autonomie haben ebenso wie zwischen Geben und Nehmen.

    STANDARD: Ist Eifersucht im Spiel, lohnt es sich also, die Beziehung näher anzuschauen.

    Heidbrink: Richtig. Allerdings sollte ich dabei nicht nur über den oder die anderen nachdenken, sondern auch über meinen Anteil. Denn oft hängt Eifersucht auch mit einem geringen Selbstwert zusammen. Fühle ich mich in einer Beziehung beispielsweise immer unterlegen und halte die anderen für besser, ist die Angst, dass meine Freunde sich abwenden, verständlich. Mein geringes Selbstwertgefühl können jedoch nicht meine Freunde "reparieren", sondern darum muss ich mich kümmern.

    STANDARD: Wenn Eifersucht so viel mit der eigenen Person zu tun hat, bringt es dann überhaupt etwas, diese anzusprechen?

    Heidbrink: Das hängt von der Freundschaft ab. Entscheide ich mich dazu, sollte ich es auf jeden Fall nicht als Vorwurf machen, sondern beschreiben, wie ich mich in der jeweiligen Situation gefühlt habe. Letztendlich hat Eifersucht ja auch etwas Positives: Sie zeigt schließlich, dass mir die andere Person wichtig ist. Das Ansprechen verhindert auch, dass sich die Gefühle anstauen und sich dann bei einer Kleinigkeit geballt entladen.

    STANDARD: Kann Eifersucht ein Zeichen dafür sein, dass die Freundschaft zu eng ist?

    Heidbrink: Fest steht: Je abhängiger ich von einer bestimmten Beziehung bin, desto stärker ist meist auch die Eifersucht. Deshalb haben wir in der Regel auch nicht nur eine gute Freundin oder guten Freund, sondern mehrere. Mit dem einen gehe ich beispielsweise gern ins Theater, mit den anderen eher Kaffee trinken oder spazieren. Setze ich hingegen alles auf eine Karte, gehe ich ein hohes Risiko ein. Denn Freundschaften entwickeln sich. Das heißt, sie können auch auseinandergehen. Das muss nichts mit mir zu tun haben, nur stehe ich dann allein da.

    STANDARD: Wie meinen Sie das?

    Heidbrink: Eine Freundschaft beruht nicht nur auf Sympathie, sondern auch auf Gemeinsamkeiten – etwa dass wir beide gemeinsam arbeiten, gern über Filme reden oder zusammen bouldern. Lebenssituationen können sich jedoch ändern, beispielsweise durch eine berufliche Beförderung, den Umzug in eine andere Stadt oder die Gründung einer Familie. Das sind alles wichtige Einschnitte im Leben, die an Freundschaften oft nicht spurlos vorbeigehen.

    STANDARD: Redet meine Freundin beispielsweise nur noch über ihre Kinder, und ich spreche nur über meinen Job, ist es also natürlich, dass sie sich Freunde sucht, mit denen sie besser über ihre Themen reden kann.

    Heidbrink: Richtig. Solche Veränderungen bedeuten jedoch nicht, dass ich als Person unzulänglich bin, sondern sie sind Teil des Lebens. Und was wir nicht vergessen dürfen: Freundschaften können sich mit der Zeit auch wiederbeleben. (Stella Hombach, 18.5.2018)

    Horst Heidbrink ist Psychologe und Lehrbeauftragter an der Fernuniversität in Hagen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Freundschaften, Paarbeziehungen und Moralpsychologie. Zusammen mit Kollegen hat er ein Buch über die "Psychologie sozialer Beziehungen" (Kohlhammer) geschrieben, seine "Einführung in die Moralpsychologie" ist im Beltz-Verlag erschienen.

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      foto: privat

      "Letztendlich hat Eifersucht ja auch etwas Positives: Sie zeigt schließlich, dass mir die andere Person wichtig ist. Das Ansprechen verhindert auch, dass sich die Gefühle anstauen und sich dann bei einer Kleinigkeit geballt entladen", sagt der Psychologe Horst Heidbrink.

    • Immer alles auf sich selbst zu beziehen kann der Motor für ein zerstörerisches Gefühl sein.
      foto: istockphoto

      Immer alles auf sich selbst zu beziehen kann der Motor für ein zerstörerisches Gefühl sein.

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