Mikrochip statt Wohnungsschlüssel

    17. Mai 2018, 14:49
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    Die Digitalisierung beschäftigt die Immobilienbranche. Vor der Digitalisierung des Menschen mittels implantierter Mikrochips schrecken viele aber noch zurück

    Patrick Kramer muss nie nach seinem Hausschlüssel suchen. Wenn er nach Hause kommt, öffnet er die Haustür, indem er seine linke Hand vor ein Lesegerät an der Wohnungstür hält. Denn der Hamburger hat sich einen reiskorngroßen Mikrochip unter die Haut implantieren lassen und bezeichnet sich selbst als Cyborg.

    Auch die Visitenkarte und die Notfallinformationen für den medizinischen Ernstfall hat Kramer so stets dabei. Der Deutsche war am Mittwoch beim Branchenevent The Real 100 im Wiener Looshaus zu Gast.

    Die Immobranche sei tendenziell eher konservativ, meinte er. Aber auch in diesem Bereich gebe es erste Vorreiter: Ein Duisburger Unternehmen hatte vor einiger Zeit ein Wohnprojekt im Angebot, bei dem sich künftige Bewohner den Wohnungsschlüssel als Mikrochip unter der Haut einpflanzen lassen konnten.

    Generalschlüssel unter der Haut

    "Einige haben das wirklich gemacht", erzählt Kramer im Gespräch mit dem STANDARD. Das müsse zwar künftig nicht jeder Bauherr seinen Kunden anbieten. "Aber mit einem solchen Vermarktungsinstrument kommt man ganz anders mit den Menschen ins Gespräch."

    Kramer betreut auch einen Vermieter von Ferienwohnungen in Thailand, der sich den Generalschlüssel kurzerhand unter die Haut implantieren ließ. Ein Service, den Kramer bei seinen Veranstaltungen übrigens auch selbst anbietet. Fritz Csörgits, Organisator des Events in Wien, nahm es in Anspruch und ließ sich auf der Bühne einen Chip implantieren.

    Chip als Öffi-Fahrschein

    All das, ist Kramer überzeugt, sei erst der Anfang der Digitalisierung des Menschen. Derzeit werde an digitalen Lösungen für die Geldbörse gearbeitet, auch das mühsame Merken von Passwörtern gehöre bald der Vergangenheit an: "Der eigene Körper wird dann zum Passwort", so Kramer. Er verspricht: "Wir werden dadurch unhackbar." Weiter in die Zukunft gedacht könne man sich über das Gehirn direkt mit anderen verknüpfen – ganz ohne technische Geräte.

    Die Skepsis beim Publikum war allerdings groß. Das Wort Cyborg wecke in vielen Menschen, inspiriert von diversen Hollywoodfilmen, immer noch die "wildesten Vorstellungen", so Kramer. Dabei würden diese heute bereits unter uns leben. Etwa 60.000 Menschen, so eine Schätzung, leben bereits mit Mikrochip. Besonders viele davon in Schweden, wo diese Chips in den Öffis mittlerweile sogar als Fahrscheine genutzt werden können. (zof, 17.5.2018)

    • Ein Abend im Looshaus, der vor allem zum Netzwerken, ...
      foto: christian fischer

      Ein Abend im Looshaus, der vor allem zum Netzwerken, ...

    • ... aber auch zum Einsetzen eines Mikrochips ...
      foto: christian fischer

      ... aber auch zum Einsetzen eines Mikrochips ...

    • ... (v. l.: Csörgits, Kramer) genutzt wurde.
      foto: christian fischer

      ... (v. l.: Csörgits, Kramer) genutzt wurde.

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