US-Studie: Nur drei Prozent tragen den Namen ihrer Ehefrau

    18. Mai 2018, 08:00
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    Die Familiennamen von Frauen verschwinden meist mit der Ehe. Vor allem Männer mit höherer Bildung verzichten auf diese alte Symbolik nicht

    Moderne Varianten der Ehe sind inmitten des aktuellen Hochzeitswahnsinns um Prinz Harry und Meghan Markle gerade kein großes Thema. Es wird die klassische bis rückschrittliche Vorstellung von Ehe bejubelt. Beruf und wohl auch der Familienname werden nach der Hochzeit der berühmten Braut Geschichte sein.

    Während beim gemeinen Volk Frauen freilich nicht gleich ihren Job hinschmeißen, sobald sie heiraten, ist es allerdings noch immer üblich, den eigenen Familiennamen mit der Hochzeit aufzugeben oder ihn zumindest mit dem des Gatten zu kombinieren. Der Name des Mannes wird hingegen in den seltensten Fällen mit dem Bund der Ehe unsichtbar oder zum Doppelnamen.

    Eine Studie der Portland-State-Universität befasste sich mit diesen wenigen Männern, die den Namen ihrer Frauen annahmen. Dabei würden wohl viele annehmen, dass eher Männer mit höherem Bildungsgrad bereit sind, starre Geschlechternormen über Bord zu werfen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unter den wenigen Männern, die ihren Namen aufgeben oder einen Doppelnamen daraus machen, hatte der größere Teil keinen höheren Bildungsabschluss.

    Rolle des Familienernährers

    Von 877 befragten Männern haben nur 27 ihren Namen geändert. Von diesen drei Prozent nahmen zwei Männer einen Doppelnamen an, 25 entschieden sich für den Namen ihrer Frau. 87 Prozent blieben bei der traditionellen Variante, der Rest setzte sich aus Doppelnamen zusammen (4 Prozent) oder dass keiner der beiden den Familiennamen änderte (6 Prozent).

    Die meisten Männer, die zu einer Übernahme des Namens ihrer Frau bereit waren, hatten keinen Highschool-Abschluss (10,3 Prozent). Bei Männern mit College-Abschluss waren es nur zwei Prozent, die mit der Tradition brechen wollen.

    Obwohl gut ausgebildete Männer eher auf Gleichstellung zu achten scheinen, fühlen sie sich andererseits gefordert, einen gewissen Status zu bewahren, heißt in der Studie, für die die Soziologin Emily Fitzgibbons Shafer Daten einer repräsentativen Umfrage analysierte. Besser ausgebildete Männer würden sich in einer klassischen Ernährerrolle sehen und hätten mehr zu verlieren als weniger gut gebildete Männer, wenn sie ihren Nachnamen aufgeben. Ein völlig konträres Bild gibt jene Gruppe von Frauen ab, die ihren Namen behalten: Sie heiraten später, oft erst nachdem sie eine Karriere starten konnten, und sind darauf bedacht, ihre Identität zu behalten.

    Selbstgezogen, wenn sie ihren Namen behält

    Während die Entscheidung von Männern, ihre Namen zu behalten, völlig akzeptiert wird, werden Frauen als selbstbezogen bezeichnet, wenn sie das tun, sagt Shafer. "Wir erwarten von Frauen, dass sie sich einer Familie auf eine Art und Weise hingeben, wie wir es von Männern nie fordern würden", so die Soziologin.

    Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass der Bildungsstatuts von Frauen Männer bei ihrer Entscheidung beeinflusst, ob sie den Namen ihrer Partnerin annehmen wollen oder nicht. Wenn Frauen einen höheren Bildungsabschluss und potenziell ein höheres Einkommen haben als ihre Partner, sperren sich diese eher, den Namen ihrer Frau anzunehmen. Shafer vermutet, dass Männer so kompensieren könnten, dass ihre Frauen, und nicht sie selbst, die Familie erhalten. (beaha, 18.5.2018)

    • In der Liebe krallt sich mancher an alten Geschlechterrollen fest: Hat sie einen höheren Bildungsabschluss, will er vor allem dann nicht seinen Namen aufgeben.
      foto: reuters/paulo whitaker

      In der Liebe krallt sich mancher an alten Geschlechterrollen fest: Hat sie einen höheren Bildungsabschluss, will er vor allem dann nicht seinen Namen aufgeben.

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