Forscherteam entwickelt künstliche Netzhaut

20. Mai 2018, 13:00
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Organische Pigmente dienten als Basis – Versuche mit Hühnerembryonen verliefen erfolgreich

Wien/Linz – Ein internationales Team unter Beteiligung der Universität Linz hat ein neuartiges System für künstliche Netzhäute auf Basis organischer Farbstoffe entwickelt. Wie die Forscher im Fachjournal "Advanced Materials" berichten, ist es bereits gelungen, damit Neuronen in der Netzhaut von Hühnerembryonen mithilfe von Licht zu stimulieren.

Elektronik auf Basis organischer Materialien, wie sie am Institut für Organische Solarzellen der Universität Linz entwickelt wird, kann sowohl weich als auch biokompatibel sein: optimale Voraussetzungen für einen Einsatz im Körper. "Organische Solarzellen sind unser Kerngebiet", sagt Institutsleiter Niyazi Serdar Sariciftci, Initiator und Mitautor der aktuellen Studie. "Aber im Grunde macht die Netzhaut genau das gleiche: Sie wandelt Licht in Elektrizität um."

Organische Pigmente als Basis

Dem Forschungsteam ist es nun gelungen, mikroskopische künstliche Netzhäute herzustellen, die den einzelnen Pixeln einer Kamera entsprechen. Dazu kamen organische Pigmente zum Einsatz, wie sie auch in der Kosmetik oder zum Tätowieren verwendet werden. Die einzelnen Pixel sind etwa hundertmal dünner als eine Zelle und haben einen kleineren Durchmesser als ein menschliches Haar. Werden sie mit Licht bestrahlt, wandeln sie dieses in ein elektrochemisches Signal um, mit dem die Neuronen stimuliert werden können – direkt und ohne zusätzliche Elektronik oder externe Stromversorgung.

Der schwedische Teil der Forschergruppe an der Universität Linköping, der für die Herstellung der künstlichen Netzhaut verantwortlich zeichnet, wurde von Eric Glowacki geleitet. Er ist ein ehemaliger Student Sariciftcis, der erst kürzlich bei ihm promoviert hat und diese Studien in Linz im Rahmen seiner Doktorarbeit begonnen hat. Die Experimente zur Nervenstimulation wiederum wurden an der Universität von Tel Aviv in Israel durchgeführt. Dort gelang es mit der neuen Methode schließlich, lichtunempfindliche Netzhäute von Hühnerembryos zu stimulieren. (APA, 20. 5. 2018)

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