Kein Zufall: Wann wir Hundewelpen am niedlichsten finden

    16. Mai 2018, 14:51
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    US-Psychologe kommt nach Experiment zum Schluss, dass sich Hunde noch subtiler an uns angepasst haben als gedacht

    foto: apa/afp photo/johannes eisele

    Tempe – Das Kindchenschema, das in uns Gefühle von Zuwendung und Fürsorge auslöst, erstreckt sich nicht nur auf den Nachwuchs unserer eigenen Spezies. Auch bei unserer Säugetierverwandtschaft scheint es uns fest im Griff zu haben – und besonders "berüchtigt" sind dafür Hundewelpen. Kaum jemand kann einen Welpen betrachten, ohne in wonnige Aaahs und Ooohs zu verfallen.

    Doch wann ist dieser Effekt am stärksten? Dieser Frage ging der US-amerikanische Psychologe Clive Wynne von der Arizona State University nach, weil er einen bestimmten Verdacht hegte. Und der sollte sich im Verlauf des Experiments bestätigen.

    Der Versuch

    Wynne zeigte seinen 51 menschlichen Probanden Fotos von Hunden in verschiedenen Lebensaltern, von den allerersten Wochen bis zum frühen Erwachsenenalter. Um eine möglichst große Bandbreite zu erzielen, hatte er drei Rassen ausgewählt: Jack Russell Terrier, White Shepherd und den imposanten Cane Corso. Diese sollten die Probanden nach ihrer Attraktivität reihen.

    Bei allen drei Rassen zeigte sich der gleiche Trend: Kurz nach der Geburt wurden die Welpen am unattraktivsten eingestuft. "Maximum cuteness", wie es Wynne ausdrückt, erreichten sie im Zeitram von 6,3 bis 8,3 Wochen, dann flaute die subjektiv empfundene Niedlichkeit allmählich wieder ab.

    Der mögliche Grund

    Und dieser Zeitraum, glaubt Wynne, ist kein Zufall: Er fällt mit der Zeit zusammen, in der die Welpen entwöhnt werden und viel stärker als in ihren ersten Wochen auf sich selbst gestellt sind. "Genau dann, wenn die Mutter von ihnen die Schnauze voll hat und sich daranmacht, sie aus dem Bau zu werfen, werden sie für Menschen am attraktivsten", sagt Wynne. Kurz gesagt: Wir übernehmen von der Mutter die Beschützerrolle, und aus der kommen wir nie wieder raus.

    Der Psychologe sieht darin ein besonders subtiles Beispiel, wie stark sich Hunde im Verlauf des jahrtausendelangen Zusammenlebens mit dem Menschen auf uns eingestellt haben – im Grunde bereits ein Fall von Koevolution. Ihre Fähigkeit, eine innige Verbindung mit uns zu knüpfen, mache Hunde unter allen Haustieren einzigartig, sagt Wynne. Das sei letztlich ihre wichtigste Überlebensstrategie, mehr noch als ihre Intelligenz.

    foto: deanna dent/arizona state university
    Eine früh geknüpfte Beziehung, die zur dauerhaften wurde: Clive Wynne mit seinem Hund Xephos.

    Bei Studien, die eine schon vorher gefasste Vermutung gar so schön bestätigen wie in diesem Fall, ist zwar Vorsicht geboten – und 51 Teilnehmer sind auch nicht besonders viele. Wynne überlegt aber bereits, seine Hypothese in Zukunft mit weiteren Experimenten zu überprüfen. Unter anderem könnten dann statt Fotos auch Videos bewertet werden. Denn vielleicht ziehen uns die Welpen nicht nur mit ihren kindlichen Proportionen, sondern auch mit besonderen Bewegungsmustern in das Netz, aus dem wir dann ihr ganzes Leben lang nicht mehr entkommen – und darüber auch noch froh sind. (jdo, 16. 5. 2018)

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