Ernährungsmediziner: "Körper darf im Ramadan nicht geschädigt werden"

    16. Mai 2018, 06:00
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    Cem Ekmekcioglu von der Med-Uni Wien hält den Ramadan für gesundheitlich unbedenklich – solange die Regeln eingehalten werden

    Wien – Für praktizierende Muslime zählt der Ramadan zu den fünf Grundpfeilern des Islams. In Österreich beginnt er heuer am 16. Mai, enden wird er am 14. Juni. Bis zu 17 Stunden am Tag müssen sich Gläubige in Enthaltsamkeit üben, auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten. "Das ist nicht einfach zu schaffen, doch die Vorstellung, dass damit Millionen Muslime weltweit ihre Gesundheit gefährden, wäre falsch", sagt Cem Ekmekcioglu, Ernährungsmediziner von der Med-Uni Wien.

    Grundsätzlich sind alle gesunden Gläubigen zum Fasten verpflichtet. Die Ausnahmen: Kinder bis zur Pubertät, Schwangere, Frauen während der Menstruation, Reisende und altersschwache Menschen. Für manche ist es aber schon rein aus beruflichen Gründen nicht möglich, sich strikt an die Regeln des Ramadan zu halten. "Ein Leistungssportler kann im Extremfall während des Trainings bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde verlieren. Den ganzen Tag nichts zu trinken wäre hier sehr mühsam", betont der Ernährungsmediziner.

    Was eher nicht bekannt ist: Es gibt eine Regel, die über dem Fasten-Gebot steht. "Die Gesundheit geht immer vor, der Körper darf nicht geschädigt werden", sagt Ekmekcioglu. Demnach können Muslime jene Tage, an denen das Fasten nicht möglich ist, durch eine Spende an bedürftige Menschen ersetzen und die ausgefallenen Fastentage später nachholen.

    Auf die Symptome achten

    Die Symptome einer Dehydrierung sind trockener Mund, Konzentrationsprobleme, zunehmende Nervosität, Kopfschmerzen, Schwindel, der Urin färbt sich dunkel, besonders an heißen Tagen droht eine Unterzuckerung. Schließlich kommt es zum Anstieg der Herzfrequenz und Herzrasen.

    "Am wichtigsten ist es, die Austrocknung des Körpers zu vermeiden. Am Abend und vor Sonnenaufgang viel Wasser trinken und eher auf Softdrinks verzichten", rät Ekmekcioglu. Vor Beginn des täglichen Fastens sollten Speisen mit einem hohen glykämischen Index vermieden werden. Außerdem wäre es dem Experten zufolge gut, das allabendliche Fastenbrechen langsam anzugehen – etwa mit Suppe oder Obst.

    Fasten trotz Krankheit

    Obwohl kranke Menschen von der Pflicht zum Fasten ausgenommen sind, möchten dennoch manche Gläubige, die etwa an Diabetes leiden, am Ramadan teilnehmen. "Der Patient sollte darüber auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt sprechen", sagt Ekmekcioglu. Denn Diabetiker müssen die Dosierung von Insulin auf die neuen Essgewohnheiten umstellen – ansonsten droht eine Unterzuckerung, auch diabetische Hypoglykämie genannt. Ein weiteres Problem: Häufig wird während des Ramadan üppiger gegessen als in den anderen Monaten. Daher kann sich die Blutzuckereinstellung während der Fastenzeit verschlechtern.

    Das Fazit: Jeder muss individuell herausfinden, wie er am besten durch den Fastenmonat kommt. In vielen mehrheitlich muslimischen Ländern werden etwa die Öffnungszeiten von Geschäften und Behörden verkürzt. In Österreich oder Deutschland nehmen sich manche Gläubige die erste Woche Urlaub. "Das ist insofern sinnvoll, da der Körper etwa fünf bis sieben Tage braucht, um sich an die Ernährungsumstellung zu gewöhnen", sagt Ekmekcioglu.

    Ob der Fastenmonat positive Effekte auf die Gesundheit hat, ist nicht eindeutig zu beantworten. In manchen Untersuchungen konnte eine Verbesserung der Blutfettwerte beobachtet werden, in anderen nicht. "Eine Meta-Analyse zeigte im Schnitt eine Gewichtsreduktion zwischen einem und zwei Kilogramm. Der Effekt war aber nur kurzfristig. Doch die Frage nach dem gesundheitlichen Nutzen stellt sich beim Ramadan ohnehin nicht", so der Ernährungsmediziner. (Günther Brandstetter, 16.5.2018)

    In jeder Weltreligion wird gefastet

    Für gläubige Christen beginnt mit dem Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit, im Judentum gilt der Jom Kippur als wichtigster Festtag, an dem weder gegessen und getrunken noch gearbeitet werden darf. Auch im Buddhismus und Hinduismus spielt Nahrungsabstinenz eine fundamentale Rolle – wann und wie, entscheidet aber der Gläubige selbst.

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