European Newspaper Congress: Medienmarken mit Mut zur Veränderung

    14. Mai 2018, 13:04
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    Burda und Tamedia geben Einblick in ihre Transformationsprozesse – "Grow or gow" heißt die Devise – Bündelung der Redaktionen und demokratiepolitischer Auftrag

    Wien – Klassische Medienhäuser brauchen Mut zur Veränderung, um die Revolution am Medienmarkt bewältigen zu können. Diese Botschaft legten am Montag Burda-Vorstand Philipp Welte und Tamedia-Chefredakteur Arthur Rutishauser dem Publikum beim heurigen European Newspaper Congress in Wien ans Herz. "Grow or go" sei die Devise, erklärte Welte.

    Der Burda-Konzern habe "sehr früh erkannt, dass wir uns verändern müssen. Das traurige Sterben unserer Industrie ist längst Realität geworden". Statt den Abgang zu machen, habe sich Burda Wachstum verordnet. Im Fokus stehen dabei neue Erlösströme, um unabhängiger von der "Volatilität" des Werbemarkts zu werden. 2017 sei ein "historisches Jahr" gewesen, in dem man die ersten Früchte des "tiefgreifenden Transformationsprogramms" erntete: 28 Prozent des Umsatzes stammten aus neuen Erlösquellen "rund um unsere legendären Marken".

    Sehnsucht nach Emotionen

    Denn die "publizistische, verlegerische DNA" dürfe nicht mutieren, warnte Welte: "Je mehr Technologie, umso bedeutender wird die Sehnsucht der Menschen nach dem Gegenteil, nach Emotionen. Die Menschen lieben unsere Produkte, das gilt nicht nur für Burda, das gilt für gesamte Industrie."

    Rutishauer skizzierte die "Antwort der Tamedia auf die Schweizer Medienrevolution". Denn sinkende Auflagen, sinkende Werbeeinnahmen, das plagt auch die eidgenössische Branche. Die Tamedia habe früh digitalisiert, "von dem her haben wir nicht unbedingt Alarmstimmung". Doch nun stelle man sich "redaktionell ganz neu auf". Die insgesamt zwölf Bezahlzeitungen werden neu von zwei Zentralredaktionen erstellt. Das bedeute die Zusammenführung von 145 Journalisten und 14 Ressorts, umriss Rutishauser das "Projekt 2020 Tamedia". Die Herausforderung sei, den Lesern keinen "Einheitsbrei" zu servieren, sondern die Unabhängigkeit der Titel zu wahren – etwa durch viele regionale "Fenster" im Mantel.

    Erfolgreiche Bezahlstrategie

    Das bisherige Feedback von Publikum und Politik sei überwiegend positiv. "Die journalistische Qualität hat nicht darunter gelitten", so das Fazit des Chefredakteurs. Er sei sich aber der demokratiepolitischen Dimension bewusst in einem Land wie der Schweiz, wo direkte Demokratie eine solch große Rolle spiele. Selbst in einer "Einheitszeitung" den innerschweizerischen Diskurs zu ermöglichen und darzustellen, "das ist es, woran wir uns messen lassen müssen".

    Erfolgreich fahre die Tamedia auch mit ihrer Bezahlstrategie. "Wir haben 2017 angefangen, einzelne Artikel auf Bezahlen zu schalten", dies habe eine "massive Vergrößerung der Bezahlbeziehungen" gebracht. Tages- , Kurz-, Vollabos hätten zugelegt. "Etwa ein Drittel all der Leute, die bei uns einen Artikel kaufen, kaufen nicht nur einen Artikel, sondern ein Abo, das sie irgendwie verlängern", berichtete Rutishauser. (APA, 14.5.2018)

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