Körperliche Aktivität ist nicht automatisch gesund

    17. Mai 2018, 08:00
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    Forscher haben berechnet, dass Männer, die in körperlich anstrengenden Berufen arbeiten, ein um 18 Prozent höheres Risiko haben, frühzeitig zu sterben

    Sitzen ist das neue Rauchen, heißt es. Immerhin verbringen wir statistisch gesehen zwischen 50 und 70 Prozent des Tages auf einem Sessel oder Sofa – mit dramatischen gesundheitlichen Folgen: Der Stoffwechsel gerät aus dem Lot, die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und Herzleiden erhöht sich, die Lebensspanne wird kürzer. So kam eine englische Meta-Analyse zu dem Schluss, dass Menschen, die täglich mehr als sechs Stunden am Stück sitzen, ein um 40 Prozent höheres Risiko aufweisen, in den nächsten 15 Jahren zu sterben, als Menschen, die weniger als drei Stunden am Tag sitzen.

    Das beste Mittel gegen die "Pandemie des Sitzens": den Körper mindestens 30 Minuten täglich fordern und fördern. Das haben zahlreiche Studien gezeigt. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht, wie die Ergebnisse einer aktuellen Meta-Analyse nahelegen. "Wir müssen zwischen körperlicher Aktivität in der Freizeit und der Arbeit unterscheiden", sagt Pieter Coenen vom Universitätsklinikum der Freien Universität Amsterdam, der gemeinsam mit seinen Kollegen 17 Studien, die den Zusammenhang zwischen beruflicher körperlicher Aktivität und der Gesamtmortalität untersucht hatten, neu auswertete.

    Kranke Männer, gesunde Frauen

    Das Ergebnis: Körperliche Schwerarbeit erhöht im Vergleich zu überwiegend physisch inaktiven Tätigkeiten das Risiko für einen vorzeitigen Tod signifikant. Die Studienautoren sprechen von einem "Paradox der körperlichen Aktivität". Einerseits wirkt sich sportliche Freizeitgestaltung positiv auf die Gesundheit aus, andererseits steht eine schwere körperliche Arbeit mit gesundheitsschädigenden Folgen im Zusammenhang.

    Die Datenauswertung zeigte, dass körperlich schwer arbeitende Männer ein um 18 Prozent höheres Risiko eines frühen Todes aufweisen als Männer, die sich in der Arbeit nur wenig körperlich anstrengen müssen. Das war selbst dann noch der Fall, wenn das Aktivitätsniveau in der Freizeit berücksichtigt wurde. Was überraschte: Bei Frauen konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Im Gegenteil: Sie scheinen von körperlich anstrengenden Tätigkeiten sogar gesundheitlich zu profitieren, schreiben die Studienautoren. (red, 17.5.2018)

    • Sport ist Sport, und Arbeit ist Arbeit – das ist das Fazit einer Metaanalyse, die den gesundheitlichen Effekt von Schwerarbeit untersucht hat.
      foto: getty images/istockphoto

      Sport ist Sport, und Arbeit ist Arbeit – das ist das Fazit einer Metaanalyse, die den gesundheitlichen Effekt von Schwerarbeit untersucht hat.

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