Österreichs hält Fahrstuhl an, bleibt erstklassig

    Video12. Mai 2018, 19:05
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    ÖEHV-Equipe holt mit Glück und Kampfgeist 4:0 im Abstiegs-Duell mit Belarus und schafft erstmals seit 14 Jahren den Klassenerhalt in der A-Gruppe

    Kopenhagen – Der erste Pflichtspielsieg gegen Weißrussland kam zur richtigen Zeit: Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft gewann am Samstag bei der WM in Kopenhagen das Abstiegsduell mit 4:0 (1:0,3:0,0:0) und schaffte erstmals seit 14 Jahren den Klassenerhalt. Die ÖEHV-Auswahl ist damit der erste Aufsteiger seit zehn Jahren, der nicht sofort wieder aus der Elite degradieren muss.

    Schon vor der abschließende Partie am Montag (20.15 Uhr) gegen Tschechien löste die Mannschaft von Teamchef Roger Bader das Ticket für die WM 2019 in der Slowakei (Bratislava und Kosice). Ein frühes Tor von Verteidiger Layne Viveiros (5.) und eine hundertprozentige Powerplay-Ausbeute im Mitteldrittel brachten Österreichs ersten Sieg bei diesem Turnier. Konstantin Komarek (31.), Michael Raffl (35.) und Dominic Zwerger (40.) scorten zur Freude der Hunderten mitgereisten rot-weiß-roten Fans im Überzahlspiel.

    Bader musste auf Stürmer Brian Lebler (Fingerbruch) und Verteidiger Dominique Heinrich (Knieverletzung) verzichten. Der nach dem Frankreich-Spiel von Bader kritisierte Torhüter Bernhard Starkbaum erhielt wieder das Vertrauen – und zahlte es mit einer fehlerlosen Leistung zurück.

    Bei der Führung war Glück im Spiel

    Nach nervösem Beginn ging Österreich wie schon gegen Frankreich mit dem ersten Torschuss in Führung. Einen Viveiros-Schupfer wehrte Goalie Michail Karnauchow so unglücklich ab, dass die Scheibe von einem eigenen Verteidiger ins Tor sprang (5.). Die Weißrussen, seit 2005 stets in der A-WM, hatten mehr vom Spiel, waren technisch überlegen. Österreich war in erster Linie mit Defensivarbeit beschäftigt, bei einem der seltenen Offensiv-Akzente traf Lukas Haudum nach einer schönen Einzelaktion nur die Latte (10.). Dank gutem Penalty-Killing bei zwei Unterzahlspielen brachte man den Vorsprung in die erste Pause.

    Der Gegner trifft nicht

    Im Mitteldrittel machten die Weißrussen zunächst viel Druck. Mit enormem Kampfgeist und ein ordentlich Fortüne überstanden die Österreicher diese Phase des Matches unbeschadet. Nicht nur das: Die erste Strafe des Gegners wurde zum 2:0 genützt. Nach geduldigem Aufbau erzielte Komarek, von Bader am Vortag ebenfalls kritisiert, sein erstes Tor bei diesem Turnier (31.). Nächstes Powerplay, gleiches Spiel, nur fälschte diesmal Raffl den Schuss Komareks aus kurzer Distanz unhaltbar ab (35.). Und 24 Sekunden vor der zweiten Pause setzte Zwerger auch noch einen Schuss zum 4:0 ins lange Eck.

    Die Abstiegsfrage war damit praktisch entschieden, auch im letzten Drittel gelang den harmlosen Weißrussen kein Tor. Am Ende stand der höchste ÖEHV-Sieg bei einer A-WM seit neun Jahren (6:0 gegen Ungarn 2009). (APA, red, 12.5. 2018)

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    Die besten Szenen der Partie.

    Eishockey-WM – Gruppe A in Kopenhagen am Samstag:

    Österreich – Belarus 4:0 (1:0,3:0,0:0). Kopenhagen, 7.370.

    Tore: Viveiros (5.), Komarek (31./PP), Raffl (35./PP), Zwerger (40./PP).

    Strafminuten: 10 bzw. 8.

    Österreich: Starkbaum – Ulmer, Altmann; Schumnig, Unterweger; Peter, Viveiros; Schlacher – Schneider, Hundertpfund, Ganahl; Hofer, Komarek, M. Raffl; Haudum, Rauchenwald, Zwerger; Woger, Obrist, Spannring

    Belarus: Karnauchow (35. Trus) – Falkowski, Worobei; Lisowez, Chenkel; Ustinenko, Korobow – Linglet, Platt, Scharangowitsch; Raswadowski, Kisly, Gawrus; Materuchin, Pawlowitsch, Kowirschin; Lewscha, Kitarow, Demkow; Drosd

    Stimmen:

    Roger Bader (Teamchef Österreich): "Ich freue mich riesig, auch für meine Mitarbeiter und für die Mannschaft. Vieles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir umgesetzt. Wenn wir mal schwächere Phasen hatten, hatten wir Starkbaum, der uns vor Gegentreffern bewahrt hat. Das Powerplay war gut, Unterzahl war gut, die Mannschaft hat den Spielplan umgesetzt."

    Thomas Hundertpfund (Kapitän): "Wir haben 60 Minuten unseren Spielplan durchgezogen und waren mit drei Spielern hinten. Nach dem Frankreich-Spiel ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Zehn Minuten vor dem Ende habe ich gewusst, wir schaffen das. Unter Umständen werden wir uns jetzt ein paar Bier genehmigen."

    Michael Raffl (Stürmer): "Ich habe nicht gedacht, dass es mir so viel bedeutet. Ich war heute mit sehr vielen Emotionen bei der Sache. Es ist ein unglaubliches Gefühl, zehn Jahre hat es keine Mannschaft geschafft. Endlich haben wir das Schlüsselspiel gewonnen, und verdient gewonnen. Ich habe schon in deutlich besseren österreichischen Mannschaften gespielt und den Klassenerhalt nicht geschafft. Deshalb macht mich das heute umso stolzer.

    Bernhard Starkbaum (Torhüter): "Unglaublich schön. Heute war der Tag X, wo wir die Leistung abrufen mussten, das haben wir zum Glück getan. Wir haben aus den letzten Partien viel gelernt und das heute umgesetzt, Schüsse geblockt, die Burschen haben sich reingehaut. Die Special Teams haben heute den Unterschied ausgemacht.

    Konstantin Komarek (Stürmer): "Wir haben uns heute alle am Riemen gerissen und die Drecksarbeit gemacht. Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Auf alle, auch jene, die nicht mehr dabei sein konnten."

    Dominic Zwerger (Stürmer): "Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass wir gleich bei meiner ersten A-WM die Klasse halten und das nach 14 Jahren. Vor meinem Tor habe ich gedacht, jetzt muss einmal einer mit der Brechstange rein. Im Eishockey muss man mit Höhen und Tiefen umgehen und wir sind mit der Frankreich-Partie sehr gut umgegangen."

    • Michael Raffl (Mitte), einziger NHL-Crack im österreichischen Aufgebot, freut sich mit den Kollegen über den Verbleib in der A-Klasse.
      foto: reuters/dukor

      Michael Raffl (Mitte), einziger NHL-Crack im österreichischen Aufgebot, freut sich mit den Kollegen über den Verbleib in der A-Klasse.

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