Gehaltsoffenlegung: Pro und Kontra aus den Foren

    User-Diskussion14. Mai 2018, 11:10
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    Transparenz bei Gehältern erzeugt Neid und schlechtes Betriebsklima, sagen die Gegner. Befürworter sehen darin ein Instrument, um ungerechten Gehaltsdifferenzen entgegenzuwirken. Wie stehen Sie zur innerbetrieblichen Gehaltsoffenlegung?

    Gehälter von Mitarbeitern müssen von Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern alle zwei Jahre anonym und innerbetrieblich veröffentlicht werden. Sanktionen bei Nichtveröffentlichung gibt es für die Betriebe allerdings nicht, so Renate Anderl, die neue Präsidentin der Arbeiterkammer. Sie will deshalb einen Schritt weiter gehen: "Wir fordern absolute innerbetriebliche Lohntransparenz." Damit ist gemeint, dass die interne Gehaltsoffenlegung auch für Betriebe mit weniger als 150 Mitarbeiten gelten und nicht anonymisiert veröffentlicht werden soll.

    Wie argumentieren die STANDARD-User in der Debatte über die Gehaltsoffenlegung?

    Pro: User "propagandaresistent"

    "Die Forderung nach einer allgemeinen Gehaltsoffenlegung ist natürlich starker Tobak, aber aufgrund der Tatsache, dass es noch immer – im Jahr 2018!!! – Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau gibt, wohl berechtigt. Gehälter sind eben nicht ganz frei verhandelbar (so wie manche das auch hier wollen) – da hat der Gesetzgeber schon vor vielen Jahren aus der Vergangenheit gelernt.

    Offenbar müssen Unternehmer aber in diesem Land noch immer zu Fairness und Gerechtigkeit erzogen werden. Und so abstrus ist die Forderung nach Offenlegung gar nicht. In Schweden ist diese Art von Transparenz üblich."

    Kontra: User "Henry448"

    "Ich hatte eine sehr gut bezahlte Mitarbeiterin, die mit ihrem Gehalt auch zufrieden war. Aber nur so lange, bis sie erfuhr, dass ein Kollege, den ich von einer anderen Firma 'einkaufen' musste, mehr verdient. Dann war es mit der Zufriedenheit vorbei. Obwohl beide zwar nicht die exakt gleichen Aufgaben hatten, aber vergleichbare Leistungen zeigten, hatte ich ab dem Moment ein Problem. Die Mitarbeiterin hatte ein Einzelbüro, der Kollege nicht, und als sie dieses abgeben musste, hat sie deshalb gekündigt. Sie hatte sich für unersetzbar gehalten, war es aber natürlich nicht.

    Volle Transparenz wäre nicht gut für das Betriebsklima, denn Leistungen sind nicht immer unmittelbar vergleichbar und der Chef / die Chefin mag sie auch noch anders einschätzen als der Mitarbeiter."

    Wie ist Ihre Position in dieser Debatte?

    Was spricht für und was gegen innerbetriebliche Gehaltsoffenlegungen? Und was spricht für und was gegen die anonymisierte Form der Gehaltstransparenz? Wie wird das in Ihrem Unternehmen gehandhabt? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Begründen Sie Ihre Meinung im Forum! (haju, 14.5.2018)

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