2018 ist ein Mastjahr: Ein Graus für Pollenallergiker

    14. Mai 2018, 08:03
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    Pollenallergiker haben es dieses Jahr besonders schwer – eine Erklärung

    Pollenallergiker durchleben jedes Jahr schwere Zeiten, heuer ist es aber besonders schlimm. Vor allem die Birke treibt Betroffenen die Tränen in die Augen. Eine häufige Erklärung für den verstärkten Pollenflug: Durch die Kälte im Februar und März verspätete sich die Blütezeit. Danach wurde es sehr warm, es kam zu einem raschen Aufblühen der Natur und somit zu einer regelrechten Pollenexplosion. Wenn mehrere Baumarten synchron massenhaft blühen, sprechen Experten von einem sogenannten Mastjahr.

    Doch von welchen Faktoren hängt es ab, ob etwa Tanne, Fichte, Buche gleichzeitig und intensiv blühen? Sicher ist: Das Wetter spielt eine bedeutende Rolle. Verläuft etwa der Frühsommer kühl, dann produzieren Bäume weniger Blüten und Samen. Ist der Frühsommer warm, blühen die Bäume hingegen besonders reichlich und produzieren später auch viele Samen. Doch das ist nicht nur der ausschlaggebende Grund für ein Mastjahr, wie kürzlich Forscher der Universität Neapel herausgefunden haben.

    Um den relativ regelmäßigen Blütenzyklus, in dem Mastjahre auftreten, zu untersuchen, haben die Forscher um Davide Ascoli von den Universitäten Neapel und Liverpool die Daten der Blüte von Buchen und Fichten der vergangenen 190 Jahre in ganz Europa mit Klimadaten über die Nordatlantische Oszillation (NAO), umgangssprachlich auch als Luftdruckschaukel bekannt, verglichen.

    Fichte und Buche relativ unproblematisch

    Bei der NAO handelt es sich um eine Schwankung des Druckverhältnisses über dem Nordatlantik zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden. Sie hat einen großen Einfluss auf das europäische Klima- und Wettergeschehen – und offenbar auch auf die Samenproduktion von Bäumen.

    Wie die Berechnungen zeigen, hängen die Mastereignisse der vergangenen 60 Jahre sowohl mit den jährlichen als auch mit den jahrzehntelangen Schwankungen der NAO zusammen. Das überraschende Ergebnis: Ausschlaggebender Auslöser für ein Mastjahr ist dabei nicht – wie bisher gedacht – nur das Wetter im Frühsommer.

    Stattdessen scheint die NAO schon zur Zeit der Blüte, im Winter und sogar im Vorjahressommer vor der Samenreife einen Einfluss auszuüben. Demnach prägt das Wetter schon zu diesen frühen Zeitpunkten etwa die Nährstoffeinlagerung, die Anlage von Blütenknospen im Vorjahr oder eine erfolgreiche Bestäubung durch Wind im Mastjahr selbst.

    Was Allergiker tun können

    Glücklicherweise bringen Fichte oder Buche Allergiker relativ selten zum Niesen. Allerdings kann es zu Kreuzreaktionen mit der Birke kommen, die heuer ebenfalls extrem viele Samen produziert. Fast 50 Prozent aller Pollenallergiker sind auch gegen Birkenpollen allergisch. Üblicherweise blühen die Bäume nur jedes zweite Jahr besonders stark, denn die Bildung von Blütenkätzchen kostet den Bäumen viel Kraft. 2017 war nur eine geringe Blütenbildung zu beobachten, deshalb legen die Birken dieses Jahr kräftig nach.

    Experten empfehlen Allergikern besonders in Mastjahren, die Pollen möglichst nicht in die Wohnung oder ins Haus zu tragen. Das heißt: Jacken und Schuhe am besten vor der Türe ausziehen und im Eingangsbereich lassen. Es hilft auch, nach dem Heimkommen die Kleidung direkt zu wechseln. Allergikern wird auch geraten, sich am Abend zu duschen und die Haare zu waschen, um Pollen gründlich vom Körper zu entfernen. (red, 14.5.2018)

    • Die Blühperiode der windbestäubenden Birke ist im April und Mai. Sie zählt zu den häufigen Allergieauslösern. Heuer treibt sie es besonders wild.
      foto: getty images/istockphoto

      Die Blühperiode der windbestäubenden Birke ist im April und Mai. Sie zählt zu den häufigen Allergieauslösern. Heuer treibt sie es besonders wild.

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