Iran wirft Israel falsche Vorwände für Luftangriffe in Syrien vor

    11. Mai 2018, 17:30
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    Israelischer Verteidigungsminister Lieberman: "Assad soll Iraner rausschmeißen" – Lage laut Uno-Truppe Unifil derzeit ruhig

    Teheran – Der Iran hat Israel vorgeworfen, unter fadenscheinigen Vorwänden in Syrien militärisch zu agieren. Die Begründung für die israelischen Luftangriffe sei "erfunden", erklärte das Außenministerium in Teheran am Freitag. Außenminister Mohammad Javad Zarif werde am Samstag zu einer Reise nach Peking, Moskau und Brüssel aufbrechen.

    Dabei will er vor allem über das von US-Präsident Donald Trump einseitig aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran sprechen, aber auch den brenzligen Konflikt mit Israel erörtern.

    Israel hatte in der Nacht zum Donnerstag mutmaßliche iranische Stellungen in Syrien attackiert. Nach Angaben der israelischen Armee war dies die Reaktion auf Attacken mit 20 "iranischen" Raketen auf den von Israel besetzten Teil der syrischen Golanhöhen.

    Lieberman fordert iranisches Rausschmiss

    Der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi sagte laut der Nachrichtenagentur Isna: "Die wiederholten Angriffe des zionistischen Regimes auf syrischem Gebiet wurden unter Vorwänden ausgeführt, die von ihnen selbst erfunden wurden und unbegründet sind."

    Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman forderte den syrischen Staatschef Bashar al-Assad am Freitag auf, "die Iraner aus Syrien rauszuschmeißen".

    Der iranische Präsident Hassan Rouhani sagte in einem Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstagabend, er wolle keine "neuen Spannungen" im Nahen Osten. Merkel verurteilte die "iranischen Angriffe auf israelische Militärstellungen auf den Golanhöhen" und forderte Teheran auf, "zur Deeskalation in der Region beizutragen", wie Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte.

    Lage am Golan ruhig

    Nach den israelischen Luftangriffen wurde nicht ausgeschlossen, dass der Iran die mit ihm verbündete Hisbollah-Miliz für einen Gegenschlag gegen Israel vom Südlibanon aus benutzen könne. Die dort stationierte Uno-Truppe Unifil erklärte am Freitag, die Lage an der libanesisch-israelischen Grenze sei zunächst ruhig.

    Die Uno warnte angesichts der Konfrontation vor einem "Flächenbrand". Uno-Generalsekretär António Guterres erklärte, jegliche Provokationen müssten vermieden werden, "um einen neuen Flächenbrand in einer bereits jetzt in schreckliche Konflikte verwickelten Region zu verhindern". Der Uno-Sicherheitsrat müsse die Lage wachsam verfolgen und seinen Verpflichtungen nach der Uno-Charta nachkommen.

    Der israelische UN-Botschafter Danny Danon forderte Guterres und den Sicherheitsrat auf, das "aggressive Handeln des Iran" zu verurteilen. Zudem müsse der Sicherheitsrat den Iran auffordern, sich militärisch aus Syrien zurückzuziehen.

    Gefährliches Spiel

    Der Vorsitzende des Außenausschusses des iranischen Parlaments, Alaeddin Borujerdi, verurteilte die israelischen Angriffe und warnte, Israel sei in "ein gefährliches Spiel eingetreten". Ziel dieser Angriffe sei es gewesen, die Öffentlichkeit "vom Verhalten des US-Präsidenten" und seiner Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran abzulenken.

    Der führende iranische Geistliche und als Hardliner geltende Kleriker Ayatollah Ahmad Khatami drohte indes in seiner Freitagspredigt mit der Zerstörung von Tel Aviv und Haifa, "sollte Israel töricht handeln". Der Iran werde trotz des Drucks des Westens seine Raketenstreitmacht weiter ausbauen, so Khatami, der als Kritiker des reformorientierten und gemäßigten Präsidenten Rouhani gilt. (APA, 11.5.2018)

    • Libanesische Soldaten untersuchen die Reste einer SA-6-"Kwadrat"-Luftabwehrrakete, die bei den Angriffen auf dem Golan im Süden des Nachbarlandes eingeschlagen ist.
      foto: apa/afp

      Libanesische Soldaten untersuchen die Reste einer SA-6-"Kwadrat"-Luftabwehrrakete, die bei den Angriffen auf dem Golan im Süden des Nachbarlandes eingeschlagen ist.

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