Bussi und alles Liebe: Die berühmtesten Liebespaare der Operngeschichte

    11. Mai 2018, 09:00
    16 Postings

    Samson und Dalila gehören zu den berühmtesten Liebespaaren der Operngeschichte. Am Samstag feiert Camille Saint-Saëns' Werk an der Wiener Staatsoper Premiere. Welche anderen Opernpaare gibt es noch?

    Orpheus und Eurydike

    Der Anfang von allem. Das 17. Jahrhundert befand sich noch im Säuglingsalter, als Jacopo Peri, Giulio Caccini und bald darauf auch Claudio Monteverdi den Stoff aus der griechischen Mythologie auf eine völlig neue Art erzählten. Sie verbanden Musik und Text auf eine schlichte, leicht fassbare Weise: Et voilà, die Oper war geboren. Die Geschichte über den besten Sänger der Welt und die Zauberkraft der Musik, die sogar den Tod überwindet, war dafür natürlich wie geschaffen. Es folgten unzählige Vertonungen des Stoffs, etwa von den Herren Gluck und Offenbach.

    foto: apa/barbara gindl
    Glucks "Orfeo ed Euridice" bei der Salzburger Mozartwoche 2014

    Pamina und Tamino

    Das "hohe" und, verglichen mit Papageno und Papagena, ein bisschen fade Paar aus Mozarts Die Zauberflöte (1791). Tamino gerät gleich zu Beginn des Stücks in tierische Bedrängnis, wird jedoch von drei Damen gerettet. Der Traumatisierte verliebt sich in ein Bild Paminas – das Optische war auch in märchenhaften Vor-Instagram-Zeiten nicht unwichtig. Es schreckt den feinen Prinzen nicht, dass seine zukünftige Schwiegermutter, die Königin der Nacht, eine ziemlich schrille Person ist. Ist Mozarts ungemein beliebte, leicht fassbare Zauberflöte das erste Musical der Musikgeschichte? Vielleicht.

    foto: herbert neubauer
    Szenenbild aus der Zauberflöte im Theater an der Wien aus dem vorigen Jahr.

    Violetta und Alfredo

    Die Oper ist inzwischen romantisch geworden, doch die Schicksalswege der Protagonistinnen gestalten sich immer noch dornenreich und enden meist letal. In Giuseppe Verdis La Traviata (1853) erlebt die Titelfigur einen Prozess der Läuterung: Die Edelprostituierte Violetta Valéry findet zur einen, reinen, wahren Liebe, auf die sie dann auch noch verzichtet. Ach, wie man Alfredos Vater Giorgio jedes Mal hasst für sein Spießertum. Verdi gelingen magische Momente en gros, so etwa gleich zu Beginn, wenn die hohen Streicher leise das Ende Violettas anklingen lassen. Taschentuch mitnehmen.

    foto: bertrand langlois
    Eine Traviata-Produktion aus Orange aus dem Jahre 2016

    Siegfried und Brünnhilde

    In einem engen verwandtschaftlichen Verhältnis stehend wie einst die Ehepaare der europäischen Hocharistokratie (Siegfried ist der in Blutschande gezeugte Enkel des Obergottes Wotan, Brünnhilde dessen in Ungnade gefallene Lieblingstochter), verlieben sich der naive, furchtlose Held und die kampfeserprobte Walküre gar inniglich ineinander. Nützt alles nix: Siegfried wird hinterrücks ermordet, Brünnhilde reitet auf ihrem Pferd ins Feuer, nachdem ihr Mann sie im Drogenrausch emotional verwundet hat. Wagners Opernmarathon Der Ring des Nibelungen (1876) ist nichts für Anfänger und verlangt den Zuhörern einiges ab, entschädigt aber mit irre schöner Musik. Suchtgefahr.

    foto: herwig prammer
    Siegfried und Brünnhilde aus Wagners Ring im Theater an der Wien im Dezember 2017

    Samson und Dalila

    Die Juden kämpfen gegen die Philister, und der Kraftlackel Samson kämpft gegen seine Liebe zur intriganten Priesterin Dalila an, in Camille Saint-Saëns' Samson et Dalila (1877). Das Geheimnis von Samsons physischer Macht ist in seiner Haarespracht zu finden, sie lockt sich in einer Länge und Fülle, wie es später nur noch bei französischen Königshäuptern des 18. Jahrhunderts und kreischstimmigen Hartrockern der 1980er-Jahre zu beobachten war. Doch kaum hat Dalila eine der schönsten Arien der Operngeschichte gesungen, beichtet der Liebestolle der Priesterin seinen Schwachpunkt. Dumm gelaufen.

    foto: wiener staatsoper/michael pöhn
    Ein Szenenfoto aus "Samson et Dalila" der neuen Produktion der Wiener Staatsoper. Premiere: Samstag

    Tosca und Cavaradossi

    Eine Künstleroper. Die Titelfigur, die zur Eifersucht und zu divenhaften Auftritten neigende Floria Tosca, ist von Beruf Opernsängerin, ihr Angebeteter Maler. Gibt es eine Oper, die packender, kurzweiliger, schöner und brutaler ist als Puccinis Tosca (1900)? Am Ende sind alle drei Protagonisten tot, so muss es sein. Angela Gheorghiu war an der Wiener Staatsoper wohl die stimmigste Tosca der letzten Jahre, theatralisch, nervös wie ein edler Vollblüter, vokal souverän. Ist die Inszenierung von Margarethe Wallmann endlich unter Denkmalschutz gestellt worden? Immerhin hat der designierte Direktor des Hauses, Bogdan Roscic, in Interviews schon verlautbart, dass die Inszenierung nicht angerührt wird.

    foto: barbara gindl
    Tosca bei den jüngsten Salzburger Osterfestspielen.

    Salome und Jochanaan

    Eine Nichtbeziehung eigentlich, die Geschichte eines extrem einseitigen Begehrens. Dem verwöhnten Prinzesschen Salome stellt in Jerusalem ihr Stiefvater nach, König Herodes. Doch sie interessiert sich mehr für den gefangenen Johannes den Täufer, der wiederum nur Gottes Stimme hörig ist. Salome tanzt für Herodes exzessiv und bis zur totalen Textilfreiheit hin und wünscht sich dafür den Kopf des Mannes, der es gewagt hat, ihre Avancen abzuweisen. War die Musik von Richard Strauss in seiner kurzen Phase der Modernenähe die beste? Jedenfalls ist seine kurze, dichte, schillernde Salome (1905) ein packendes Werk.(Stefan Ender, 11.5.2018)

    foto: marco brescia
    Eine Salome aus der Mailänder Scala aus 2007
    Share if you care.