Schuldirektor: "Gewaltausbrüche gehören zum Alltag"

11. Mai 2018, 06:00
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Mobbing im Namen des Islam, rassistisch motivierte Prügeleien, Kiffexzesse unter Drittklässlern: Christian Klar, Leiter einer Neuen Mittelschule, fordert ein Durchgriffsrecht, um Rädelsführer rauszuwerfen

Wien – Der Direktor ließ sich überrumpeln. "Ein gemeinsames Foto, bitte", hatten ihn Burschen am Schulball angesprochen. Christian Klar lächelte in die Kamera – und sah sich plötzlich von Händen umringt, die sich zu einem tierkopfähnlichen Symbol formten: der Gruß der faschistischen Grauen Wölfe aus der Türkei.

Klar ist solche Provokationen gewöhnt. Vor gut zwei Jahren berichtete der Leiter der Franz-Jonas-Schule in Floridsdorf im STANDARD, wie Kids mit ausgestrecktem Zeigefinger den Terroristen vom "Islamischen Staat" (IS) huldigten. Seither wurde der Pädagoge durch Talkshows und Interviews gereicht, dabei unterscheide sich sein Standort an sich nicht von anderen Neuen Mittelschulen, wo an die 90 Prozent der Schüler Migrationshintergrund haben: "Bei uns geht es nicht wilder zu als anderswo. Nur spreche ich die Dinge offen an."

Eifernde Religionswächter

Ein Trend habe sich seit dem ersten Besuch des STANDARD verflüchtigt, erzählt Klar. Seit der IS auf dem Rückzug sei, seien die Jihad-Fantasien an der Schule verstummt, "und auch eine Burka ist schon lange nicht mehr aufgetaucht". Doch immer wieder entfalteten eifernde Schüler Gruppendruck auf alle, die nicht auf brave Muslime machten. In der zweiten Klasse etwa gebärde sich ein Mädchen als Religionswächterin ("Lässt du dir von einem Mann die Zunge in den Hals stecken, kommt Allah über dich"), beim Schulpicknick seien prompt "Haram"-Rufe – "verboten" – ertönt: "Auch Nichtmuslime haben sich nicht mehr getraut, die Jause zu essen, aus Angst vor Mobbing."

Weil sich religiöse Obsession oft mit Rassismus vermenge, "gehören Gewaltausbrüche zum Alltag", sagt Klar: "Tschetschenen gegen Afghanen, Türken gegen Syrer: Abgesehen vom Vorwurf, dass die eigene Mutter beleidigt wurde, geht es letztlich stets um Volk und Herkunft. Österreich interessiert sie nicht, alle Nationen außer der eigenen sind schlecht." Kein Wunder – schließlich lebten viele Moscheen und Vereine das Gegenteil von Integration vor: "Durchmischung gibt es dort keine."

Die Behauptung, ohne Ausländer gäbe es keine Sorgen, hält der bekennende ÖVP-Unterstützer dennoch für falsch. Eine Gewaltwelle sei auf das Konto psychisch auffälliger Österreicher gegangen, und auch diversen Mädchen-Cliquen, die systematisch Schule schwänzten und schon einmal Altersgenossinnen verprügelten, hafte kein ideologisches Etikett an. Am meisten beschäftigt den Direktor im Moment eine Gruppe Drittklässler, die offenbar massiv kifft.

Theorie vom faulen Apfel

All diese Phänomene brächen in Schüben über die Schule herein, erzählt Klar und glaubt zu wissen, warum: "Die Theorie vom faulen Apfel, der die anderen ansteckt, stimmt." Ob Islamismus, Gewalt oder Drogen: Oft habe er erlebt, wie einzelne Rädelsführer, denen womöglich noch die Mädels nachrennen, eine Klasse in den Bann gezogen hätten. Zwar schritten sein Team und er gegen jedes Anzeichen von Radikalismus – schon Militärkleidung sei an der Schule verboten – konsequent ein, "doch da ist der engagierteste Lehrer machtlos".

Klar wünscht sich deshalb nicht nur mehr Hilfe von Sozialarbeitern und anderen Troubleshootern ("die Beratungslehrerin, die für zehn Wochenstunden kommt, könnten wir täglich beschäftigen"), sondern auch ein Durchgriffsrecht – um als letztes Mittel unverbesserliche Störenfriede rauswerfen zu können. Was mit den Ausgesiebten dann passieren soll? Natürlich wolle er diese nicht anderen Schulen umhängen, doch letztlich sei das nicht seine Sorge als Direktor: "Ich sage ganz brutal: In eine Klasse gehen noch 23 andere, deren Sicherheit und Entwicklung ich nicht wegen eines einzelnen Schülers aufs Spiel setzen darf."

Brutalisierte Gesellschaft

An dieser Stelle legt Klar Wert auf einen Einschub. In geraffter Erzählung höre es sich so an, als versinke die Schule im Chaos. Tatsächlich aber verhalte sich die Mehrheit der muslimischen Schüler ebenso unauffällig, wie der Unterricht über weite Strecken geordnet ablaufe. Immerhin zwei Drittel seiner Schützlinge, schätzt er, schafften es nach dem Abschluss in eine Lehre oder weiterführende Schule – "doch da wäre noch viel mehr drin".

Wie viel, schließt Klar aus der Erfahrung mit den der Schule zugeteilten Flüchtlingen. Eine Handvoll Afghanen hätten partout nicht jene Gewohnheiten aufgeben wollen, die sie aus einer "brutalisierten Gesellschaft" mitgebracht hätten: "Sie haben mit Messern hantiert, Lehrer bedroht, Mädchen bespuckt, die kein Kopftuch trugen. Wegen Schlägereien musste die Polizei anrücken." Doch mithilfe des Stadtschulrats sei es in diesem einen Fall gelungen, fünf notorische Anstifter loszuwerden – und was dann folgte, sei eine "Erfolgsgeschichte", sagt Klar, der den Neoschülern anfangs "Crashkurse" in separaten, improvisierten Deutschklassen verordnete: "Die verbliebenen 20 Flüchtlinge haben alle den Abschluss geschafft." (Gerald John, 11.5.2018)

  • Schuldirektor Klar kämpft mit Radikalismus: "Sie bespuckten Mädchen, die kein Kopftuch trugen."
    foto: regine hendrich

    Schuldirektor Klar kämpft mit Radikalismus: "Sie bespuckten Mädchen, die kein Kopftuch trugen."

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