Rundschau: Murderbot ist wieder da!

    Ansichtssache23. Juni 2018, 10:00
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    Zwei schlechte und eine ganze Reihe sehr guter SF-Romane, unter anderem von Adrian Tchaikovsky, Martha Wells und Michael Marrak

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    foto: knaur

    Mike Brooks: "Dark Run"

    Klappenbroschur, 429 Seiten, € 15,50, Knaur 2018 (Original: "Dark Run", 2015)

    Direkt im Anschluss an Rosenbaums "Auflösung" jetzt das komplette Kontrastprogramm: In Mike Brooks' Weltraumabenteuer "Dark Run" wird es nichts, aber auch wirklich gar nichts zu rätseln geben. Selten einen Roman gelesen, der derart auf Schiene fährt.

    Das beginnt schon beim Worldbuilding – wir befinden uns in einem Ambiente, in dem sich SF-Fans unmittelbar orientieren können. Die Eckdaten: Überlichtschnelle Raumfahrt, die die Ausbreitung der Menschheit in der Galaxis ermöglicht hat. Keine Aliens, nur konkurrierende Machtblöcke – entgegen dem aktuellen Trend allerdings mal keine Konzerne, sondern extrasolare Erweiterungen der Staatenbünde auf der Erde. Und Protagonisten, die aus einem finanzschwachen Milieu am Rande der Legalität stammen, irgendwo zwischen Söldnern, Banden, brutalen Sicherheitskräften, schmierigen Bars und ölfleckiger Industrie. Kurz: Es ist der Stoff, aus dem TV-Serien wie "Dark Matter" oder "Firefly" gemacht sind.

    Der Plot

    Hauptfigur des Romans ist Ichabod Drift, der als Kapitän des Raumschiffs "Keiko" zusehen muss, wie er an Geld kommt. Aktuell versucht sich Ichabod mit seiner Crew als Kopfgeldjäger: "Dark Run" beginnt mit einer Schießerei und etabliert den Roman damit ansatzweise als Space-Western. Die Schießeisen sitzen beim Helden jedenfalls locker: Neben ihm knallte es zweimal erschreckend laut, und die Köpfe der beiden spritzten in einer Wolke aus Blut und Knochen auseinander.

    Der Rest der siebenköpfigen "Keiko"-Crew ist ethnisch bunt gemischt. Eine leicht herausragende Rolle nimmt das jüngste Besatzungsmitglied Jenna McIlroy ein, die sich hervorragend mit Computern auskennt und bei Gelegenheit auch die eine oder andere technische Überraschung aus dem Ärmel zaubert. Ihre Vergangenheit lässt einige Fragen offen, aber an Bord der "Keiko" werden die nicht gestellt. Was vor allem für Ichabod selbst ein Segen ist, denn der hat einen dicken Hund zu verbergen.

    Der Plot setzt sich in Bewegung, als der Ex-Politiker Nicolas Kelsier Ichabod dazu nötigt, einige Container auf die Alte Erde zu schmuggeln. Keine Frage, dass das eine krumme Tour ist – was genau die Glorlosen Sieben sich dabei eingehandelt haben und wie sie darauf reagieren werden, sei hier aber nicht gespoilert.

    Nichts Neues unter den Sonnen

    Nur so viel sei gesagt: Es läuft alles auf recht bekannte Weise ab. Die bunte Crew, die sich zankt und dann doch zusammenhält, die verdeckte Operation und der turbulente Landeanflug aufs Ziel, die Wiederbegegnung mit alten Weggefährten und die bange Frage, ob diese nun Freund oder Feind sind: All das sind gängige Motive. Der Brite Mike Brooks, der mit "Dark Run" 2015 seine Karriere als Romanautor startete, hat noch einiges vor sich, um ein gewisses Mindestmaß an Unverwechselbarkeit zu finden.

    Eine Anmerkung noch zur Sprache: Als sich mir nach einigen Seiten die Frage stellte, warum ich mitten in einer Action-Passage mit Nominalstil konfrontiert werde (die Bandenmitglieder, die nicht gerade mit dem Ersticken der Flammen auf ihren Körpern beschäftigt waren), habe ich mal wieder die praktische Gratisleseprobenfunktion des E-Readers genutzt. Und der Vergleich zeigte: So liest sich Brooks auch im Original. Alles ein bisschen ungelenk formuliert – bloß im Englischen dank Satzkonstruktion und im Schnitt kürzerer Wortlänge besser getarnt.

    "Dark Run" ist Genreliteratur im engsten Sinne: Alles folgt wohlbekannten Mustern. Trotzdem – oder vielleicht auch deswegen – hat der Roman im englischsprachigen Raum so viele Fans gefunden, dass Brooks schon zwei weitere Abenteuer der "Keiko"-Crew nachgeschoben hat.

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