Auf der Spur der explodierenden Ameisen

    13. Mai 2018, 16:15
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    Alice Laciny wollte immer schon "Ameisenforscherin" werden

    Wenn Kindergarten-Kinder einen Berufswunsch äußern, nimmt das gewöhnlich niemand ernst – schon gar nicht, wenn der Wunschberuf "Ameisenforscherin" ist. Alice Laciny jedoch strafte die Zweifler Lügen: Mittlerweile knapp dreißig, ist sie genau das geworden, was sie schon immer wollte, nämlich Ameisenforscherin.

    Der Großteil ihrer Schulzeit spielte sich in Wien ab, ausgenommen die vierte Volksschulklasse, die sie in San Francisco verbrachte, weil ihre Mutter dort ein Studienjahr absolvierte. Gleichzeitig war Alice Laciny oft bei ihren Großeltern im Burgenland "mit großem Garten und vielen Tieren – von Ameisen bis zu Wildschweinen".

    Und auch in weiterer Folge setzte sich die "Kindergarten-Linie" nahtlos fort: Auf die Frage, wie sie zur Zoologie gekommen sei, meint sie halb verwundert: "Ich hatte nie etwas anderes im Kopf." Lediglich Veterinärmedizin wäre sonst noch infrage gekommen, wurde aber schließlich doch verworfen.

    Entdeckung einer neuen Art

    Das Projekt, an dem sie seit 2014 am Naturhistorischen Museum (NHM) in Wien mitarbeitet, ging kürzlich durch die wissenschaftlichen Schlagzeilen: Es geht um sogenannte explodierende Ameisen. Dabei handelt es sich um asiatische Arten der Gattung Colobopsis, die sich bei Bedrohung des Nestes auf spektakuläre Weise opfern, um die Kolonie zu retten: Sie bringen ihren eigenen Hinterleib zum Explodieren und spritzen dabei ein giftiges, klebriges Sekret auf die Angreifer.

    Im Rahmen des interdisziplinären Projekts, das vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) finanziert wird, soll die Biologie der Tiere ebenso erforscht werden wie die Zusammensetzung des Sekrets. Außerdem hofft man, neue Ameisenarten zu finden, was erst kürzlich gelungen ist: Auf Borneo stießen Laciny und Kollegen auf eine bisher unbekannte Art, die sie Colobopsis explodens nannten.

    Zu dem Projekt kam die junge Forscherin teilweise durch Zufall: Als sie nach dem Master ein paar Monate erfolglos auf Jobsuche war, fasste sie die Entscheidung, sich an der Insektenabteilung des NHM nach einer zumindest zeitweisen Mitarbeit umzusehen – und lief in den labyrinthartigen Gängen hinter den Kulissen des Museums prompt Herbert Zettel über den Weg, seines Zeichens Leiter des Projekts für das NHM, der damals eine Assistentin suchte.

    Jungforscherin mit Potenzial

    Diese Position wurde mittlerweile aufgewertet: Laciny befindet sich im Endspurt ihrer Dissertation. Auch darin beschäftigt sie sich mit explodierenden Ameisen, allerdings aus einem theoretischen Blickwinkel: Es geht um Entwicklungsmuster, die bestimmen, ob eine Ameise Arbeiterin, Soldat oder Königin wird.

    Auch andere Insektenforscher erkannten rasch das Potenzial der Jungforscherin: Seit März ist Laciny Präsidentin der 1949 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen. Dabei ist sie nicht nur das jüngste Mitglied, das je an der Spitze dieses Vereines gestanden ist, sondern auch die erste Frau in dieser Position – was sie "schon auch sehr freut".

    Überhaupt ist sie mit ihrem Leben recht zufrieden: Nach ihren Zukunftsplänen befragt, meint sie: "Im Idealfall so ähnlich wie jetzt, nur dann eben mit Doktortitel." (Susanne Strnadl, 13.5.2018)

    • Alice Laciny wollte schon im Kleinkindalter Ameisenforscherin werden – und blieb dabei.
      foto: harald bruckner, nhm

      Alice Laciny wollte schon im Kleinkindalter Ameisenforscherin werden – und blieb dabei.

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