Das legendär schlechte ÖBB-WLAN soll der Vergangenheit angehören

    8. Mai 2018, 11:04
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    Mobilfunker bauten Netzabdeckung aus – Erste Strecken bieten "rasche Datenverbindung"

    Handyempfang und WLAN in den Zügen der ÖBB haben einen legendär schlechten Ruf. Das soll sich nun rasch ändern. Dafür haben ÖBB, die Mobilfunker A1, T-Mobile und "3" sowie das Verkehrsministerium 100 Millionen Euro in die Hand genommen, um die Netzabdeckung entlang der wichtigsten Zugstrecken auszubauen. Am Mittwoch stellte ÖBB-Chef Andreas Matthä den ersten Meilenstein dieser Zusammenarbeit bei einer Pressekonferenz am Wiener Hauptbahnhof vor. "Der Ausbau der Netzabdeckung entlang der S-Bahn-Strecken in Wien sowie der Weststrecke Wien–Salzburg ist abgeschlossen", erklärte er dabei. Bahnkunden können nun in ausgezeichneter Sprachqualität telefonieren und eine rasche Datenverbindung nutzen, verspricht die ÖBB.

    Keine leichte Übung

    Matthä betonte, dass der Ausbau keine leichte Übung war. Und er erinnerte an den Satz seines Vorgängers Christian Kern, dass es "deutlich leichter sei, in einem Spaceshuttle WLAN und Sprachtelefonie zu realisieren, als das in einem Zug ist". Der ÖBB-Chef sieht das genauso. "In einem Railjet haben Sie hunderte Passagiere, Menschen mit Handys oder Laptops, die an den diversen Sendestationen mit bis zu 230 km/h vorbeirasen. Und das bedeutet, dass von Station zu Station alle 30 bis 80 Sekunden eine Übergabe des Funksignals stattfindet."

    foto: sum
    ÖBB und Mobilfunker luden zur Pressekonferenz am Wiener Hauptbahnhof.

    Diese komplexe Herausforderung wurde gelöst, betonte A1-Chef Marcus Grausam. Er war gemeinsam mit T-Mobiles Technikchef Rüdiger Köster und "3"-Chef Jan Trionow ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend. "Mobilfunk in den Zug zu bekommen, ist die Champions League, ein Zug funktioniert wie ein faradayscher Käfig", erklärte Grausam. Auch Repeater, also Mobilfunkverstärker, die den Empfang verbessern, wurden und werden eingesetzt, sagte Grausam.

    Trionow erklärte, dass der Ausbau von Bahnstrecke mit Mobilfunk und WLAN eine besondere Funknetzplanung erfordert, weil jedes Netz andere Frequenzen hat. Diese komplexen Dinge mussten untereinander abgestimmt werden, sagte Trionow. "Es ist normal geworden, dass man immer und überall Empfang hat, aber in Zügen ist das eine Ausnahme in Europa", betonte Rüdiger Köster, CTO von T-Mobile. Österreich sei nun "ein Vorzeigeland der Mobilfunkversorgung im Zug".

    Trionow lobte auch die gute Zusammenarbeit mit der ÖBB und den anderen Netzbetreibern und hofft, dass es Vergleichbares auch "beim 5G-Ausbau" geben wird.

    Zweite Etappe

    Zwei Drittel der Kosten übernahm die öffentliche Hand, den Rest berappten die Mobilfunker. In einer zweiten Etappe wird bis Mitte 2019 die Südstrecke mit verbesserter Mobilfunkversorgung ausgestattet, so wie auch die S-Bahn in Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten, Innsbruck und Vorarlberg. Der Ausbau erfolgt während des laufenden Bahnbetriebs. Dem ÖBB-Chef sind "alle Reisenden wichtig". "Wenn die Kunden von unseren Mitbewerbern vom Ausbau profitieren, freut uns das selbstverständlich", sagte Matthä.

    Bereits im Oktober 2015 wurde die Vereinbarung zur gemeinsamen Errichtung der Sendeanlagen entlang priorisierter Bahnstrecken abgeschlossen, seither das Bestandsnetz verdichtet, Versorgungslücken geschlossen und der Breitbanddienst ausgebaut.

    Rund 900 neue Mobilfunksender

    Aus technischer Sicht werden zwischen 900 und 1000 neue Mobilfunksender entlang von 1.500 Kilometern Bahnstrecke errichtet, auch die Tunnel werden verkabelt. In erster Linie wurde die bestehende Infrastruktur, wie etwa die GSM-R-Sendemasten der Bahn, aber auch die Masten für den Fahrstrom, genutzt. Darüber hinaus stellen die Mobilfunker ungefähr alle fünf Kilometer zusätzliche LTE-Sendestationen auf. Gleichzeitig montiert die ÖBB auf jedem Waggon eine Antenne und einen Repeater, der das Mobilfunksignal im Wageninneren an die Fahrgäste verteilt.

    foto: öbb
    So funktioniert WLAN in Zug.

    Neben dem Mobilfunk bauen die ÖBB auch das Wlan an den Bahnhöfen aus. Aktuell verfügen bereits 43 Bahnhöfe darüber, bis Jahresende sollen die 75 größten Bahnhöfe damit ausgestattet werden. Zeitliche Limits, wie etwa am Wiener Westbahnhof, sind nicht vorgesehen. Dies sei allerdings "von Fall zu Fall zu entscheiden", sagte Matthä.

    Die staatlichen Subventionen für den Netzausbau entlang der Gleise kommen aus dem Infrastruktur-Rahmenplan für die ÖBB, nicht aus der Breitbandmilliarde. (sum, 8.5.2018)

    • Die ÖBB bauen gemeinsam mit den Mobilfunkbetreibern Handyempfang und WLAN entlang der Bahnstrecken aus.
      foto: apa

      Die ÖBB bauen gemeinsam mit den Mobilfunkbetreibern Handyempfang und WLAN entlang der Bahnstrecken aus.

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