Wiener Ökonom Karl Polanyi wird mit eigener Gesellschaft geehrt

8. Mai 2018, 06:00
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Die Karl-Polanyi-Society will die Überlegungen des Wirtschatfshistorikers im heutigen Kontext beleuchten

Wien – Entfernt sich der Markt zu weit von der Gesellschaft, entwickeln sich extreme Gegenbewegungen, wie Faschismus oder Kommunismus. Mit dieser Überlegung wurden Karl Polanyi und sein Buch The Great Transformation (1944) weltberühmt. Was die wenigsten wissen: Der Wirtschaftshistoriker war Wiener. Nun wird Polanyi mit einer Art Thinktank, der sich mit den Ideen des Ökonomen auseinandersetzt, in seiner Heimatstadt gewürdigt.

Polanyi, der 1886 in Wien geboren wurde, analysierte in seinem bekanntesten Werk die Entstehung und Entwicklung der Marktwirtschaft sowie den Übergang von der Argar- zur Industriegesellschaft. Der Wissenschaftler war überzeugt davon, dass ein unregulierter Markt "eine Utopie" ist. Märkte sind in erster Linie von politischen oder staatlichen Interventionen abhängig, so seine These. Eine zu starke wirtschaftliche Liberalisierung führt laut Polanyi unter anderem zu populistischen Strömungen.

"Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise erlebt Polanyi wieder eine Art Revival", sagt Andreas Novy, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien und einer der Gründer der Karl-Polanyi-Society. Laut Polanyi stellen Märkte dann eine Gefahr dar, wenn sie keiner staatlichen Regulierung mehr unterliegen und nach eigenen Gesetzen wirken.

Gesellschaft baut Schutzwälle

Gewinnt der Markt Überhand, so die Theorie des linken Ökonomen, versucht die Zivilgesellschaft, Schutzwälle aufzubauen. Das könne – neben Protesten wie beispielsweise "Occupy Wall Street" – auch zu extremen politischen Bewegungen führen. Novy nennt die Wahl Donald Trumps oder den Aufstieg rechtsnationalistischer Parteien in Europa als Beispiele dafür.

"Man kann wirtschaftliche Prozesse nicht losgelöst von Politik, Kultur und Militarisierung diskutieren", sagt Novy: "Deshalb ist Polanyi wieder aktueller denn je." Mit der Gesellschaft, an der Wissenschafter aus Österreich, Deutschland, Griechenland und Kanada beteiligt sind, sollen jene aktuellen Entwicklungen nun im Sinne Polanyis unter die Lupe genommen werden. Die Gründungsveranstaltung findet am Dienstag und Mittwoch in der Arbeiterkammer Wien statt. (lauf, 8.5.2018)

  • Gewinnt der Markt Überhand, so Polanyis Theorie, versucht die Zivilgesellschaft, Schutzwälle aufzubauen. Ein Beispiel dafür sind extreme politische Bewegungen wie die Wahl von Donald Trump.
    foto: ap/j. scott applewhite

    Gewinnt der Markt Überhand, so Polanyis Theorie, versucht die Zivilgesellschaft, Schutzwälle aufzubauen. Ein Beispiel dafür sind extreme politische Bewegungen wie die Wahl von Donald Trump.

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