Daniel Behle im Konzerthaus: Gemütliche Seelenpein

    7. Mai 2018, 16:37
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    Schön, aber zu perfekt: Der Tenor mit "Schöner Müllerin" im Konzerthaus

    Wien – Wer in der kommenden Saison den Abozyklus "Lied" im Wiener Konzerthaus bucht, kann zwei optionale Zusatzkonzerte wählen: Dass Tenor Jonas Kaufmann im Großen Saal und Bassbariton Florian Boesch im Mozart-Saal zu Gast sein werden, zeigt bereits, wo man eher Kenner und wo man Liebhaber erwartet. Verspricht der eine zielsicher versprühten Charme und gute Laune, bietet der andere weder Entertainment noch Schöngesang, sondern klare Wortausdeutung, Eindringlichkeit und existenzielle Drastik.

    Irgendwo im breiten Spektrum zwischen Berieseln und Berühren war der jüngste Auftritt von Daniel Behle im Rahmen des aktuellen Zyklus angesiedelt. Im Sommer wird der junge Tenor wieder den Lehrbuben David in Wagners Meistersingern bei den Bayreuther Festspielen geben, nachdem er in dieser Rolle im vergangenen Jahr beeindruckend debütiert hat: pointiert, wendig, hell und klar. Auch bei Schuberts Schöner Müllerin zeigte er seine angenehme Stimme in bestem Licht: geschmeidig, strahlend, nur im Piano mitunter etwas eng.

    Eine Art Zeitreise

    Sichtlich dachte Behle an ein farbiges Panoptikum von Emotionen, schien dabei aber eher deren gut gedrechseltes Imitat zu liefern als innerlich beteiligtes Miterleben. Durch diese kühle Kultiviertheit wirkte dieser Liederabend wie aus dem Bilderbuch beinahe so, als hätte sich der ganze Mozart-Saal in die 1960er-Jahre zurückgezoomt, als wäre das Wohlklangprinzip vom Schlage des seligen Fritz Wunderlich wichtigstes Ziel.

    Nach diesem Maßstab ist Behle nahe an der Perfektion – nur stellt sich die Frage, ob die im Liederzyklus geschilderte Seelenpein tatsächlich so gemütlich-genussvoll dargestellt werden sollte. Auch der von Sveinung Bjelland betont brillant abgespulte Klavierpart stand dem Zurücklehnen nicht im Wege, lief aber eher nebenher ab, als dass ein gemeinsamer Atem gefunden wurde – abgesehen von den bei wenigen Proben vereinbarten Zäsuren und Ritardandi. Das wurde noch deutlicher, als die beiden als Zugabe damit begannen, einzelne Lieder zu wiederholen: Die klangen fast so, als hätte man beim CD-Player auf "Repeat" gedrückt. (Daniel Ender, 7.5.2018)

    Den Opernsänger Jonas Kaufmann hört man im Konzerthaus schon am 13. 5.

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