"Komm her, bumm": Empörung über Trump-Sager zu Anschlägen 2015

6. Mai 2018, 08:37
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Paris übt scharfe Kritik an Aussagen über Waffeneinsatz – Für Macron kommt die Affäre zu einem schlechten Zeitpunkt

Wenn im Pariser Bataclan-Lokal einzelne Gäste bewaffnet gewesen wären, hätte der Terroranschlag von Ende 2015 nicht 130 Tote gefordert: Diese These stellte der Donald Trump am Freitag bei einer Rede vor dem amerikanischen Waffenverband NRA auf. Ohne Gegenwehr hätten sich die Attentäter Zeit lassen können: "Du da, komm her, bumm, du dort, komm her, bumm", ahmte der amerikanische Präsident die Täter mit passender Gestik nach.

In Paris lösten diese sarkastischen Worte am Wochenende einen Entrüstungssturm aus. Ein Verband der Bataclan-Opfer verurteilte die "Unanständigkeit" des Präsidenten; das französische Außenministerium reagierte unüblich schroff und äußerte seine "entschiedene Missbilligung" – unter Alliierten ein Höchstwert auf der diplomatischen Richterskala. In der Sache argumentierte ein Sprecher des Ministeriums, der freie Waffenbesitz böte keinen Schutz gegen Terroranschläge, sondern würde "im Gegenteil die Planung solcher Attacken erleichtern". Diverse Politiker wiesen darauf hin, dass das Waffentragen bei Trumps eigenem Auftritt verboten war.

Unangenehm für Macron

Peinlich ist die Trump-Aussage indirekt für Emmanuel Macron. Der französische Präsident war seinem Amtskollegen auf seiner jüngsten USA-Visite sehr herzlich begegnet. Generell genießt er in Frankreich viele Sympathien, weil er das Land auf das internationale Parkett zurückgeführt hat. Doch jetzt heißt es in Internetforen, dies sei zum Preis einer Anbiederung an den eigenwilligen US-Präsident geschehen.

euronews (deutsch)

Macron geriet am Wochenende auch sonst unter Beschuss. Zehntausende demonstrierten am Wochenende gegen seine als "unsozial" gegeißelten Reformen. In Paris folgten schätzungsweise 40.000 Personen dem Aufruf der Linkspartei "Unbeugsames Frankreich". Ihr Anführer Jean-Luc Mélenchon rief zu Massenprotesten am 26. Mai auf, um Macron zum Rückzug seiner Bahnreform zu zwingen. Seit gut einem Monat streiken Eisenbahner gegen den Verlust ihres Jobstatutes.

Streik in Frankreich

In einer neuen Umfragen bezeichneten 56 Prozent der Befragten den Streik als "ungerechtfertigt" – drei Prozent weniger als vor zwei Wochen. Die Franzosen zaudern offensichtlich, auf welche Seite sie sich in diesem auch politisch richtungsweisenden Sozialkonflikt schlagen sollen. Für Macron, der am 7. Mai 2017 gewählt worden war, steht nach einem Jahr im Elysée sehr viel auf dem Spiel: Der Ausgang des Bahnstreiks dürfte darüber entscheiden, ob seine fünfjährige Amtszeit zu einem Erfolg wird.

Angesichts der unentschiedenen öffentlichen Meinung erhalten auch Nebenschauplätze wie etwa die Trump-Aussage eine innenpolitische Bedeutung. Am Freitag war zudem der Air France-Präsident Jean-Marc Janaillac zurückgetreten, nachdem er in einer betriebsinternen Abstimmung desavouiert worden war. Die Belegschaft stimmte mehrheitlich gegen eine von der Direktion vorgelegte Reform. Auch dieser Umstand schwächt Macrons Stellung indirekt. (6.5.2018)

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    foto: reuters/kevin lamarque
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