Polyedrische Skulpturen von Antony Gormley: Vieleckige Gespenster

    5. Mai 2018, 13:00
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    Ausstellung des britischen Künstlers bei Ropac in Salzburg

    Sind's offene Arme, die einen begrüßen, oder ist's eine Geste, die sagen will: "Stopp, hier gibt es nichts zu sehen"? Ganz sicher kann man sich da nicht sein angesichts jener Menschenskulptur, die derzeit mit weit ausgebreiteten Armen Besucher der Salzburger Galerie Ropac empfängt. Fix heißt dieser Vorbote und er gehört zur Ausstellung Earth Body mit Arbeiten eines der wichtigsten Gegenwartsbildhauer, des Briten Antony Gormley.

    Einer breiten Öffentlichkeit wurde Gormley hierzulande bekannt, als er 2010 unter dem Titel Horizon Field hundert gusseiserne Menschenskulpturen in die Vorarlberger Alpen stellte. Großräumig verteilt, blickten die Figuren irgendwo im Nirgendwo des Lechgebirges in die Ferne, vermittelten Archaik, Einsamkeit, Stärke. Eindringliche Gefühle durchwehen nun auch die Villa Kast, wo der Turner-Preisträger mit Polyedrischen Skulpturen eine seit 2008 gepflegte Facette seiner Arbeit am menschlichen Maß zeigt.

    Abstraktionen

    Keine naturalistischen Körperdarstellungen versammelt die Schau, sondern Abstraktionen, zusammengesetzt aus vielflächigen geometrischen Körpern. Ein wenig wirken die mannshohen Gestalten aus Eisen, als ob sie aus überdimensionalen molekularen Bausteinen bestünden. Zugleich denkt man aber auch an Figuren aus einer 3D-Software, wie sie in Computerspielen auftauchen. Zumal vereinzelte seiner polyedrischen Skulpturen ganz auf ein fragiles Drahtgitter reduziert sind – sie beeindrucken besonders.

    Reizvoll ist der Kontrast zwischen der virtuellen, ephemeren Anmutung und dem Material Eisen. Spannung liegt aber auch in den vieldeutigen Gesten der Figuren, mit denen Gormley auf eine Erkundung körpersprachlicher Fragen abzielt. Besonders berücken mag außerdem die erstaunliche Leichtigkeit, mit der sich diese vieleckigen Gespenster – turnend und kauernd, sich reckend und ruhend – die Villa Kast als Bühnenbild aneignen. (Roman Gerold, 5.5.2018)

    Bis 12. 5., Galerie Thaddaeus Ropac, Mirabellplatz 2, 5020 Salzburg

    • Polyedrische Besucher in der Galerie Ropac.
      foto: ulrich ghezzi, galerie thaddaeus ropac

      Polyedrische Besucher in der Galerie Ropac.

    • Gormleys "LIMN II" (2012).
      foto: ulrich ghezzi, galerie thaddaeus ropac

      Gormleys "LIMN II" (2012).

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