Donaufestival Krems: Empfehlungen für das zweite Wochenende

    3. Mai 2018, 18:19
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    Jakuzi, Nadah El Shazly und Ryan Trecartin / Felix Rothenhäusler

    1. Kutay Soyocak and Taner Yücel aus Istanbul haben ihre Wurzeln eigentlich im guten alten rebellischen Kellerproberaum-Punkrock. Als Maschinenpark-auf-dem Klapptisch-Duo Jakuzi haben sie im Vorjahr mit dem Album Fantezi Müzik allerdings einen Klassiker des Synthesizerpop veröffentlicht. Die Melodien sind oft ein wenig "arabesk". Der Gesang ist mehr gesprochen als outriert und mit viel Hall ausgestattet. Dazu setzt es eine Musik, die mit flächigen Synthie-Akkorden, jeder Menge Wumms auf dem Drumcomputer und manch unterkühlter Referenz an die New Wave der Achtzigerjahre und an jenes melancholische Liedgut erinnert, zu dem man damals nachdenklich tanzen, aber auch vor dem Spiegel den aufgeföhnten Seitenscheitel wieder in Ordnung bringen konnte. Jakuzi tragen allerdings Präsenzdienstfrisuren. Am Samstag, 5. 5., um 20.30 Uhr im Kremser Stadtsaal.

    2. Achtung, Hypealarm! Die ägyptische Künstlerin Nadah El Shazly widmet sich auf ihrem Debüt Ahwar von 2017 der Verschränkung orientalischer Musiken mit westlichem Pop und avantgardistischen Einsprengseln. Mit Elektronik zu einem dunkel singenden Alien verwandelt, versucht sich die Frau aus Kairo an einem oft bedrohlich brodelnden, manchmal auch ruhig köchelnden Kessel Buntem. Darin finden sich ebenso Gitarren-Loops wie ein Kontrabass, in Schieflage aufspielende Bläser und das handelsübliche Laptop-Gefrickel: "I am coming / From a time far away / Going, escaping / Alone in the wilderness." Ebenfalls am Samstag, 5. 5., um 21.30 Uhr im Stadtsaal Krems.

    3. Der eine ist ein Star der US-Kunstszene, der andere ein deutscher Theaterregisseur, der das ganze Social-Media-Gequassel, das ihm da als loses Skript vorgelegt wird, noch einmal durch den Häcksler jagt: Ryan Trecartin / Felix Rothenhäusler lassen es in The Re'Search mit Film, Schauspielern und jeder Menge Statusmeldungen, Instagrammerei und "Pantomimen mit Sprechdurchfall" ordentlich im Überbelastungsbereich krachen. Damit es in diesem Informationskrieg nicht zu übersichtlich wird (lol!), wirft eine Spiegelwand das Geschehen auf alle Anwesenden zurück. Daumen hoch, I like! Zu sehen am Freitag, 4. 5., und Samstag, 5. 5., um 20.00 bzw. 19.30 Uhr in der Messehalle 1. (schach, 3.5.2018)

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