A-Team plant Absprung aus dem Paternoster

    4. Mai 2018, 07:00
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    Österreichs Eishockeyteam will bei der WM in Dänemark den traditionell drohenden Abstieg vermeiden und erstmals seit 2004 den Klassenerhalt schaffen. Teamchef Roger Bader weiß, wie das geht, spricht aber fundamentale Probleme an.

    Wien/Kopenhagen – Rechtzeitig zu Beginn der Badesaison startet sie also wieder, die Eishockey-Weltmeisterschaft. Österreichs Eishackler sind bei der Endrunde der Top-Division, die am Freitag in Dänemark beginnt, wieder einmal mit von der Partie. In Kopenhagen wollen die Schützlinge des Schweizers Roger Bader erstmals seit 2004 in Tschechien den Verbleib in der A-Klasse sicherstellen und nicht wie schon so oft gleich wieder eine Etage tiefer rasseln. So geschehen bei der Heim-WM 2005, 2007 in Russland, 2009 in der Schweiz, 2011 in der Slowakei, 2013 in Finnland und 2015 in Tschechien. ÖEHV-Teamchef Bader warnte deshalb schon im vergangenen Jahr beim Aufstieg in die Elitegruppe: "Wir sind zwar aufgestiegen, aber noch nicht A-Klasse. Dort sind wir erst angekommen, wenn wir uns zwei, drei Jahre hintereinander oben halten."

    Langfristige Arbeit, olympische Zyklen

    Dazu sei es aber unabdingbar, einen längerfristigen Fokus nicht aus den Augen zu verlieren. Bader ist seit Herbst 2016 Teamchef, er setzt auf Kontinuität. "Nationalteamarbeit ist eine langfristige Arbeit, mit kurzfristigen Spitzen." Der 53-Jährige verweist auf Kollegen wie Ralph Krüger (Schweiz) oder Dave Henderson (Frankreich), die durch langjährige Engagements viel erreicht haben. Man müsse langfristig, in olympischen Zyklen denken.

    Bader fordert eine Verbesserung in allen Bereichen. Dazu brauche es aber mehr finanzielle Mittel und auch das nötige Knowhow. "Ich habe viele Projekte in der Schublade und ich weiß, dass sie das österreichische Eishockey in den nächsten Jahren ganz klar verbessern würden. Ich kann sie aber nicht umsetzen, weil das Geld fehlt." Der Schweizer denkt dabei zum Beispiel an Turniere für den Nachwuchs, Spezialcamps für Torhüter und Verteidiger. Und, und, und.

    Hohe Intensität, hohes Tempo

    Ein wesentlicher Punkt für die Etablierung in der Top-Division sei das Spiel mit hoher Intensität und hohem Tempo. "Wenn ich gewohnt bin, mit wenig Raum und Zeit gute Entscheidungen zu treffen, dann kann ich auf hohem Niveau spielen. Ich muss Spieler haben, die das können. Wenn dein tägliches Brot ist, dich beeilen zu müssen, um Entscheidungen zu fällen, zu reagieren, zu agieren, dann gewöhnst du dich daran. Wenn du aber immer viel Zeit und Raum hast, dann gewöhnst du dich auch daran."

    Bader hat daher in der WM-Vorbereitung auch jungen Spielern eine Chance gegeben, die bei ihren Vereinen oftmals nur wenig Eiszeit erhalten. "Ich bin der Meinung, dass viele Spieler mehr Potenzial haben, als gemeinhin angenommen. Zumindest sehe ich ihre Fähigkeiten." Er wünscht sich daher, dass die jungen Spieler mehr Aufmerksamkeit in der heimischen Liga bekommen.

    Schweiz, Russland, Slowakei, Schweden

    Nun aber steigt die WM, Auftaktgegner werden am Samstag (12.15 Uhr) die von vier NHL-Spielern gestützten Schweizer sein, schon am Sonntag (12.15) geht es gegen die mit 14 Olympiasiegern und sechs NHL-Spielern agierenden Russen. Nach der Slowakei am Dienstag (16.15) wartet bereits am Mittwoch Weltmeister Schweden (20.15), das mit 16 NHL-Spielern gespickt ist. Die Matches fünf und sechs gegen Frankreich und Weißrussland, werden wohl die Schlüsselspiele im Kampf um den Klassenerhalt. Gegen die anderen, stärkeren Gegner wie Tschechien (letztes Gruppenspiel) will man den einen oder anderen Punkt stibitzen.

    Möglich werden soll dies auch mit Unterstützung von sechs Legionären. Während Thomas Vanek (Columbus Blue Jackets) und Michael Grabner (New Jersey Devils) wegen ihrer offenen Vertragssituation absagten, kommt mit Michael Raffl (Philadelphia Flyers) zumindest ein NHL-Legionär hinzu, wenn auch mit etwas Verspätung erst am Montag. Die Schweiz-Legionäre Stefan Ulmer (HC Lugano), Patrick Obrist (Knoten Flyers) und Dominic Zwerger (HC Ambri-Piotta) sind ebenso dabei, wie die in Schweden spielenden Lukas Haudum (Malmö Redhawks) und Konstantin Komarek (Karlskrona). Verletzungsbedingt absagen mussten Teamkapitän Thomas Raffl, sowie seine Salzburger Kollegen Alexander Pallestrang und Raphael Herburger oder auch der wertvollste Spieler der EBEL-Saison, Rafael Rotter von den Vienna Capitals.

    Pressing und schnelles Umschaltspiel

    Da man bei sieben Spielen in zehn Tagen mit den Kräften haushalten muss, fordert Bader Flexibilität in puncto Spielsystem. "Wir werden taktisch flexibel sein müssen, auch weil es ja verschiedene Spielmomente gibt. Grundsätzlich besteht unser Stil aus gutem Pressing und schnellem Umschaltspiel. Wir müssen uns aber auch ein bisschen zurückziehen, defensiver spielen, wenn wir nicht in der Lage sind, unser Spiel nach Wunsch umzusetzen." Mit dem Badengehen wollen sich die Österreicher jedenfalls noch Zeit lassen. (Thomas Hirner, 4.5.2018)

    • ÖEHV-Teamchef Roger Bader wünscht sich mehr Einsatzzeiten für die Nachwuchsspieler in der EBEL. Er weiß, dass es für die Etablierung in der Elitegruppe "Verbesserungen in allen Bereichen" braucht. Leider aber fehlt es an finanziellen Mitteln.
      foto: apa/herbert neubauer

      ÖEHV-Teamchef Roger Bader wünscht sich mehr Einsatzzeiten für die Nachwuchsspieler in der EBEL. Er weiß, dass es für die Etablierung in der Elitegruppe "Verbesserungen in allen Bereichen" braucht. Leider aber fehlt es an finanziellen Mitteln.

    • Bei der WM 2015 in Tschechien startete die ÖEHV-Auswahl mit Michael Raffl (rechts) und Brian Lebler überraschend stark und bezwang die Schweiz 4:3 nach Penaltyschießen. Später wurde auch noch Deutschland (3:2 n. P.) geschlagen. Den Klassenerhalt schaffte man dennoch nicht.
      foto: reuters/david w cerny

      Bei der WM 2015 in Tschechien startete die ÖEHV-Auswahl mit Michael Raffl (rechts) und Brian Lebler überraschend stark und bezwang die Schweiz 4:3 nach Penaltyschießen. Später wurde auch noch Deutschland (3:2 n. P.) geschlagen. Den Klassenerhalt schaffte man dennoch nicht.

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