"Herrliche Zeiten": Jede Idylle hat ihren Preis

    2. Mai 2018, 16:25
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    Dass der zivilisatorische Lack schnell ab ist, exerziert Oskar Roehlers jüngster Film als grellen, zynischen Witz vor

    Was, wenn auf die scherzhafte Stellenanzeige "Sklave/-in gesucht" nicht nur Lederbrigaden vor der Tür stehen, sondern ein kultivierter Diener zum Gotteslohn seine Dienste anbietet? "Herrschaftliche Haltung muss erlernt werden", beruhigt der undurchsichtige Haussklave Bartos (Samuel Finzi), als das schlechte Gewissen seiner "Herren" wieder einmal aufzukeimen droht.

    foto: filmladen filmverleih
    Lassen sich von Haussklaven verwöhnen: Katja Riemann und Oliver Masucci in "Herrliche Zeiten".

    Im Garten des wohlsituierten Schönheitschirurgen Claus Müller-Todt (Oliver Masucci) und seiner Frau, der kränkelnden Gartenarchitektin Evi (Katja Riemann), rücken indessen illegale Arbeitskräfte an. Für zwei Euro die Stunde sollen sie mit einem Swimmingpool das Glück abrunden, das ihnen zuzustehen scheint.

    Romanvorlage von Thor Kunkel

    Dass der zivilisatorische Lack schnell ab ist, wenn die Idylle gestört wird, exerziert Oskar Roehlers jüngster Film Herrliche Zeiten als grellen, zynischen Witz vor. Der Regisseur von Jud Süss – Film ohne Gewissen und der Houellebecq-Verfilmung Elementarteilchen, der gern mit dem politisch Unkorrekten kokettiert, hat sich dafür bei Thor Kunkels Roman Subs bedient.

    concorde movie lounge

    Mit der Figur des irakischen Nachbarn Mohammed (Yasin El Harrouk), der so ziemlich allen Ängsten entspricht, die wir gegenüber neureichen Arabern hegen, setzt Drehbuchautor Jan Berger noch deftig eins drauf. Das Lachen bleibt einem nicht nur deswegen im Halse stecken. (glicka, 2.5.2018)

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