Der Stern, der seinen Nachbarn zum Explodieren brachte

    6. Mai 2018, 17:40
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    Das Hubble-Teleskop ermöglichte Astronomen, eine Hypothese zur Ursache von Supernovae zu überprüfen

    foto: nasa, esa, s. ryder (australian astronomical observatory) und o. fox (stsci
    Rechts oben der Dieb, links oben sein Opfer.

    Sydney – Im Jahr 2001 beobachteten Astronomen eine Supernova in der etwa 40 Millionen Lichtjahre von uns entfernten Galaxie NGC 7424. SN 2001ig wurde als Supernova vom Typ IIb klassifiziert, gekennzeichnet durch eine schwache Wasserstofflinie im Spektrum. Der Mangel an Wasserstoff könnte daran liegen, dass der Stern schon vor der Explosion den Großteil seiner Wasserstoffhülle selbsttätig mit seinem Sternwind in den Weltraum geblasen hatte. Oder sie wurde ihm gestohlen.

    Diese zwei alternativen Erklärungsweisen gibt es für Supernovae dieses Typs, und zumindest am Fall von SN 2001ig ließen sie sich nun überprüfen. Kurz nach der Supernova hatte das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte die Position des Ereignisses genau lokalisieren können. Nachdem sich die gleißenden Nachwehen der Explosion mittlerweile gelegt haben, konnte nun das Hubble-Teleskop auf diese Stelle gerichtet werden.

    Am Rande der Wahrnehmungsmöglichkeiten

    Wie ein Team um Stuart Ryder vom Australian Astronomical Observatory im "Astrophysical Journal" berichtet, konnte so der ehemalige Begleiter des explodierten Sterns ausfindig gemacht werden. Die Entdeckung gelang im Ultraviolettbereich und lag am äußersten Rand von Hubbles Wahrnehmungsmöglichkeiten. Dass die Supernova SN 2001ig so "nahe" an uns stattfand, war also ein seltener Glücksfall.

    Laut den Forschern war der überlebende Stern der kleine und lichtschwache Begleiter eines wesentlich massereicheren Sterns; die beiden müssen den gemeinsamen Schwerpunkt etwa einmal pro Jahr umkreist haben. Und sie waren einander so nahe, dass der kleine Partner dem großen laufend Wasserstoff aus dessen Hülle entriss. Laut Ryder dauerte dieser Prozess einige Millionen Jahre an und destabilisierte den massereichen Stern allmählich. Dieser muss mehrfach Teile seiner Hülle abgestoßen haben, ehe es schließlich zur ganz großen Explosion kam.

    Der Dieb bleibt ungestraft

    Und weil das Universum ein gleichgültiger Ort ist, kam der Dieb nach seiner Missetat ungeschoren davon. Laut Ryder und seinen Kollegen wurde der kleinere Stern durch die Explosion seines Nachbarn kaum beeinträchtigt. Die Forscher verwenden dafür das – in der kulinarischen Praxis wohl eher selten vorkommende – Bild von einem Avocado-Kern, der in Götterspeise eingebettet ist: Die Schockwelle bringt die weiche Hülle ein bisschen zum Wabbeln und Ausdehnen, der Kern aber bleibt intakt.

    Zum ersten Mal gelang damit die Aufnahme von einem Stern, der die Supernova-Explosion seines Nachbarn überstanden hat. Die Astronomen vermuten nun, dass viele Supernovae des Typs IIb durch einen solchen Prozess ausgelöst werden. Sie haben daher bereits einige jüngere Supernovae auf der Liste, deren Positionen sie ebenfalls nach einem Wasserstoffdieb absuchen wollen, sobald man dort wieder Details erkennen kann. (jdo, 6. 5. 2018)

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