ORF-Spitzenjobs: Herausforderer für gesetzte Kandidaten

    Analyse2. Mai 2018, 11:02
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    Zechners Stellvertreter Ströbitzer tritt gegen Totzauer und Hofer an – Dittlbacher, Bürger, Pawlicki gegen Schrom um ORF-2-Chefredaktion

    Wien – Beinahe hätte es kein internes Hearing gebraucht für die neuen Spitzenfunktionen im ORF-Fernsehen: Nur zwei Kandidaten haben sich nach STANDARD-Infos aus mehreren Quellen um die Leitung von ORF 1 beworben, nur drei für ORF 2. Die – überraschend wenigen – Gegenkandidaten machen das Rennen und die Bewertung aber doch noch spannend; wie ebenso die deutlich zahlreicheren Kandidaten für die ebenfalls neu geschaffenen Chefredaktionen von ORF 1 und ORF 2.

    Ausgemachte Sache

    Interessieren die neuen ORF-Schlüsselfunktionen kaum jemand unter den 4.000 Mitarbeitern des ORF und im Rest der Medienwelt? Fühlt sich kaum einer oder eine befähigt dafür, eines der ORF-Hauptprogramme zu leiten? Das überschaubare Bewerberfeld dürfte einen anderen, auf dem Küniglberg recht geläufigen Hintergrund haben: Lange schon wurde im ORF wie außerhalb kommuniziert, die neuen Führungsfunktionen im ORF-Fernsehen wären längst – inbesondere politisch – ausgemachte Sache: ORF-1-Infochefin Lisa Totzauer und Alexander Hofer ("Seitenblicke", "Guten Morgen Österreich"-Entwicklung) als Channel-Manager für ORF 1 und ORF 2, Wolfgang Geier und Matthias Schrom aus der "Zeit im Bild"-Innenpolitik als Chefredakteure.

    Ströbitzer, Frühling treten an

    Um das Channel-Management von ORF 1 wie jenes ORF 2 tritt nun nach STANDARD-Infos allerdings einer an, der das Rennen (und die Begründungen für die Auswahl) noch einmal spannend machen könnte: Stefan Ströbitzer, er leitet die Entwicklungsredaktion für das ORF-Fernsehen und vertritt Kathrin Zechner als Programmdirektorin, wenn Zechner etwa auf Urlaub ist. Ströbitzer war schon Ö3-Wort- und Infochef bei Ö3 (wo Schrom nach einer ORF-Pause als Programmchef der Antenne Tirol als Reporter arbeitete), Radio-Chefredakteur des ORF, stellvertretender Chefredakteur des ORF-Fernsehens und damit schon eine Art ORF-2-Infochef. Die 2017 von ORF-Chef Alexander Wrabetz eingesetzte Reform-Arbeitsgruppe für ORF 1 hat Ströbitzer ebenfalls geleitet.

    Um das Channel-Management von ORF 2 tritt zudem Gerhard Frühling an, der bei Programmdirektorin Zechner Funktionen eines Büroleiters ausübt, die Einführung des Content-Management-Systems im ORF-Fernsehen managte und auch schon Programmchef war – bei Radio Wien.

    Management-Hearings kommende Woche

    Kommenden Dienstag (8. Mai) werden die vom ORF-Chef für ORF 1 und für ORF 2 ausgesuchten "Assessoren" in internen Hearings erfragen, ob sie die Bewerber geeignet für diese Führungsfunktionen halten. Am Mittwoch (9. Mai) werden die dafür ausgewählten Assessoren etwas mehr zu tun haben mit den Bewerbern und Bewerberinnen für die Chefredaktion von ORF 1 beziehungsweise ORF 2.

    Die Chefredakteurs-Kandidaten

    Um ORF 1 treten gegen Wolfgang Geier, stellvertretender Leiter der "ZiB"-Innenpolitik, an: Andreas Mayer-Bohusch, der "ZiB"-Redakteur hat sich auch um die Leitung von "Report", "Eco" und die ORF-2-Chefredaktion beworben, und Thomas Faustmann, derzeit stellvertretender Infochef von ORF 1.

    Gedränge um ORF 2

    Der Chefredakteur von ORF 2 ist zuständig für einen Großteil der bisherigen Infosendungen, er hat auch laut Organisationsanweisung mehr Gewicht als jener von ORF 1. Das Bewerberfeld nach STANDARD-Infos, ohne Gewähr für Vollständigkeit:

    • Andreas Mayer-Bohusch, "ZiB"
    • Hans Bürger, langjähriger Innenpolitikchef der "Zeit im Bild"
    • Fritz Dittlbacher, bisher Chefredakteur der TV-Information, durch die Aufteilung der Fernsehinformation auf ORF 1 und ORF 2 gibt es seinen bisherigen Job künftig nicht mehr.
    • Patricia Pawlicki, langjährige ORF-Journalistin, präsentiert und moderiert derzeit "Hohes Haus", "Pressestunde", "Runder Tisch"
    • Matthias Schrom, "ZiB"-Innenpolitik
    • Christoph Varga, "ZiB"-Wirtschaftschef

    Programmchefs

    Ebenfalls ausgeschrieben sind nun eigene Programmchefs für ORF 1 und ORF 2. Um das zweite Programm haben sich nach STANDARD-Infos immerhin eine Handvoll Menschen beworben – als Favorit gilt Michael Andersch, derzeit Chef der Programmplanung nach dem Abgang von Werner Taibon (Korrektur).

    Auch um ORF 1 haben sich – entgegen ersten Infos (Korrektur) – mehrere beworben, darunter Wolfgang Höfer, ebenfalls früher in der Programmplanung und derzeit im Stab von Kathrin Zechner.

    Redakteurs-Hearings in zwei Wochen

    In der Woche nach den Management-Hearings (ab 14. Mai) sollen sich die Kandidaten den Redakteurinnen und Redakteuren des ORF-Fernsehens in Hearings stellen. Die Mitarbeiter stimmen über die Kandidaten ab. Das Votum bindet den ORF-Generaldirektor nicht bei seiner Auswahl; Alexander Wrabetz muss die Redakteursvertreter allerdings dazu hören.

    Großes Personalpaket

    ORF-General Wrabetz wird sein erstes großes Personalpaket unter türkis-blauer Mehrheit im ORF-Stiftungsrat wohl als Signal an Aufsichtsräte und Politik wohl rasch abfertigen wollen. Der Stiftungsrat tritt am 17. Mai zu seiner konstituierenden Sitzung mit bürgerlich-freiheitlicher Zweidrittelmehrheit zusammen. Am 7. und 8. Juni laden Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) und FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein zur Enquete über die künftige Medienpolitik unter besonderer Berücksichtigung des ORF als größtes Medienunternehmen.

    Neben den Channel-Managern, ihren Chefredakteuren und Programmchefs sind Leitungsfunktionen für "Report" und "Eco", für Public Affairs und Human Resources sowie alle neuen Ressortleitungsjobs für Ö1 zu besetzen. (Harald Fidler, 2.5.2018)

    • Zwei Hände voll Führungsjobs zu vergeben: ORF-Chef Alexander Wrabetz.
      foto: apa/georg hochmuth

      Zwei Hände voll Führungsjobs zu vergeben: ORF-Chef Alexander Wrabetz.

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