Beziehungsstatus Auto: Mein Auto, mein Spielzeug

    6. Mai 2018, 08:00
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    Autos sind die schönste Arbeit der Welt, und doch fährt Guido Gluschitsch in Wien lieber Öffis. Über die Schuld der Mama und die Knausrigkeit beim Autokauf

    foto: wolf-dieter grabner
    Über den Autor: Guido Gluschitsch ist das was man einen Petrolhead schimpfen würde – auf Deutsch vielleicht Zylinderkopf. Er ist Autoredakteur und beschäftigt sich auch privat sehr intensiv mit Autos. Außer es geht gerade um Motorräder.

    Bitte nicht schrecken. Ich sag es gleich vorweg, ich bin ein bisserl dings, was Autos angeht. Deppert. Denn ich verliere den Überblick. Bei den Motorradln versucht der Wahnsinn ebenfalls durchzubrechen, und bei den Fahrrädern ist es schon zu spät. Kurzum, ich hab weit mehr fahrbare Untersätze als Hintern in der Hose.

    Schlimmer noch, schnell nach der Anzahl meiner Autos gefragt, komme ich meist durcheinander. Das kommt daher, weil ich mir seit Jahren fest vornehme, nie wieder ein Auto zu kaufen – und mich dann nicht dran halte. Jetzt hab ich einen erbärmlichen Fuhrpark, den ich nicht schaffe, in Schuss zu halten, und der leider manchmal wächst.

    Meine Frau ist mir da auch keine Hilfe. Die freut sich über jedes Auto, das ich heimbringe. Schlimmer ist: Wenn ich mich im Griff habe, schlägt sie zu. Ebenfalls bei alten Autos, die eigentlich keiner mehr wirklich will, die man noch fahren muss und darf. Autos, die der denkbar schlechteste Unterbau sind, um von A nach B zu kommen.

    Öffi schlägt Auto

    Dafür eignen sich Bus und Bahn weitaus besser. Schade, so gesehen, dass es keine Zugverbindung zwischen meinem Wohnort und der Redaktion gibt. Erst in Wien dann gibt es ein gutes Öffi-Netz. Die olfaktorische Herausforderung in der U6 steht dabei für mich in keiner Relation zur nervlichen, im Hobel, zur Stoßzeit. In Wien fahr ich freiwillig keinen Meter.

    Autos sind für mich Spielzeug. Da ein Rennen fahren, dort was reparieren, hier im Gelände wüten, dort im Grenzbereich trainieren. Bevor Sie mich jetzt schelten: Mein Spielzeug braucht im Laufe des Jahres keine 50 Liter Sprit, so selten kommen die ungeliebten Schätze auf die Straße.

    Und: Autos sind für mich Arbeit. Die schönste Arbeit der Welt. Eindeutig. Also nicht nur die eigenen Rostkisten, die jedes Jahr mit ihren Standschäden mehr Geld verschlingen, als es ein dreiwöchiger Luxusurlaub mit einer ausgefressenen Großfamilie würde. Ich darf nämlich auch beruflich Auto fahren, wie Sie unter Umständen wissen, wenn Sie schon einmal bei den Autotestberichten hängengeblieben sind. Auch dort darf ich mich im Schreiben üben.

    Die Mama ist schuld

    Schuld an meinem Autoposcher ist die Mama. Die hat bei einem Autohändler gearbeitet. Schon als kleiner Nerventod gab es für mich nichts Herrlicheres, als mich in die Werkstatt zu stehlen.

    Heute darf ich selbst in der Werkstatt werken. In der eines Freundes, Fachmanns, Autonarren – mehrfacher Staatsmeister und mein Rennteamchef. Da sieht man es wieder: Auto ist bei mir nicht unbedingt für von A nach B, sondern lieber im Kreis, in geschützter Infrastruktur, wo du davon ausgehen kannst, dass der, der dir gerade in die Kiste gefahren ist, das mit voller Absicht gemacht hat.

    So erklärt sich auch, dass ich Infotainmentsystemen nur wenig abgewinnen kann. Ich steh auf Hinterradler und bin sehr knausrig, was die Höhe des Anschaffungspreises eines Autos angeht.

    Beherrscht deppert

    Vor der Haustür steht dann aber doch ein frontgetriebener Kombi mit Turbodiesel. Und das passt gut. Weil dieses Auto kein Auto im engsten Sinne ist, sondern vielmehr ein Pendel. Meine Frau pendelt damit – ich bin ja meist mit Testfahrzeugen unterwegs, was schon allein deswegen eine Bereicherung ist, weil ich mir so teure Autos – bei 20.000 Euro krieg ich schon Schnappatmung – nie kaufen und, hätte ich das Geld, dieses lieber in fünf bis zwanzig Oldies stecken würde.

    foto: getty images/istockphoto /ridofranz
    Autoliebe oder Autohiebe? Man kann das Auto lieben, aber doch auch lieber mit den Öffis fahren.

    Zurück zum Pendel. Dieses bewegt die schönste Drifterin im Schnitt mit 4,1 Liter. Wir sind also keine bösen Raser auf der Straße. Strafzettel gibt es bei uns, seit wir mit dem Rennfahren angefangen haben, nicht mehr. Wir sind da sehr beherrscht. Muss man ja auch sein, wenn die Gattin von jedem Rennen mit einer Kiste voller Pokale heimkommt, während man selbst in drei Saisonen gerade einmal einen ergattert hat. Sehr beherrscht muss man da sein. Oder ein bisserl dings. Wie sagt man? Deppert.

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    Wie sieht es mit Ihrer Beziehung zum Auto aus? Beantworten Sie doch unseren Fragebogen, damit wir uns ein Bild machen können, wie die Österreicherinnen und Österreicher zu ihren Autos stehen.

    (6.5.2018)

    Wie es STANDARD-Online Chefin vom Dienst Daniela Rom mit dem Auto hält, können Sie hier nachlesen.

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