Halbierte Gläser: Wieso Sonnenbrillen jetzt zum Flirten einladen

    Kolumne1. Mai 2018, 11:00
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    Schmale Sonnenbrillen werden neuerdings wie Lesebrillen auf der Nasenspitze getragen

    Es gab Zeiten, da konnten Sonnenbrillen nicht groß genug sein, stets ragten sie mehrere Zentimeter über das Gesicht hinaus. Jene dunkel getönten Gläser eigneten sich hervorragend für Versteckspiele aller Art: Stars wappneten sich so vor hinterhältigen Paparazzi, alle anderen genossen es, sich dann und wann hinter zwei verspiegelten Scheiben zu verschanzen. Diese Spielchen haben neuerdings ein Ende. Wer was auf sich hält, trägt jene schnittigen, halbierten Rahmen, wie sie Neo und Trinity Ende der 1990er-Jahre in "Matrix" auf ihren Nasen balancierten.

    Praktische Beweggründe für die neue Schnittigkeit der Sonnenbrille halten sich in Grenzen. Ihre schmalen Gläser bedecken erstens nur knapp die Augen, und zweitens rutschen die Gestelle wie Lesebrillen bis auf die Nasenspitze hinunter.

    filmfan
    So trug Keanu Reeves seine Gläser im Jahr 1999 im Film "Matrix".

    Den Anfang jedenfalls machte Rihanna vor rund einem Jahr während der Filmfestspiele in Cannes. Sie trug eine eigens für sie angefertigte weiß gerahmte Sonnenbrille des österreichischen Herstellers Andy Wolf. Nach ihrer glamourösen Laufstegpremiere wanderte das Modell Ojala von einer prominenten Nase zur nächsten. Solange Knowles, Bella und Gigi Hadid, alle verfielen dem Lesebrillen-Charme aus Hartberg.

    foto: reuters/regis duvignau
    Rihanna im Mai 2017 während der Filmfestspiele in Cannes. Auf ihrer Nase thronte das Modell Ojala aus dem Haus Andy Wolf.

    Seither gibt es kein Halten mehr. Die schmalen Brillen haben ihren Siegeszug angetreten.

    Miuccia Prada setzt in diesem Frühjahr männlichen wie weiblichen Models Matrix-Modelle auf die Nasen, beim Berliner Brillenhersteller Mykita werden die halbierten Gläser in den unterschiedlichsten Farben angeboten.

    foto: apa/afp/andreas solaro
    Halbierte Gläser beim italienischen Modeunternehmen Prada ...
    foto: mykita
    ... sowie beim Berliner Label Mykita.
    foto: reuters/mario anzuoni
    Keine beherrscht den Blick über den Brillenrand besser als Whoopi Goldberg.

    Die gute Nachricht ist: Die halbierten Brillengläser ermöglichen Augenkontakt. Was man in den Blick über den Brillenrand (den gestandene Frauen wie Whoopi Goldberg perfektioniert haben) hineinlesen kann? Bleibt Auslegungssache. Nur so viel sei dem Gegenüber gesagt: Ein "Ich schau' dir in die Augen, Kleiner" muss ein solches Brillengestell noch lange nicht bedeuten. (feld, 2.5.2018)


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