Bericht über Antisemitismus "zu alarmistisch"

    28. April 2018, 11:20
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    ÖVP-Mandatar Engelberg kritisiert Art der Erhebung

    Wien – Das Forum gegen Antisemitismus schreibt von einer "Verdoppelung" und einer "Enthemmung aufseiten der Täter": 2017 seien insgesamt 503 antisemitische Vorfälle gemeldet worden, 2014 waren es "nur" 255 Vorfälle. Registriert werden Meldungen über persönliche Beschimpfungen und Bedrohungen (28 Vorfälle), Briefe und Anrufe (203), Vandalismus (51), tätliche Angriffe (fünf) aber auch antisemitische Ausfälle via Internet oder Social Media (171). Der Rest entfällt auf "sonstige" Vorfälle.

    62 Prozent der antisemitischen Handlungen konnten keinem ideologischen Hintergrund zugeordnet werden, schreibt die NGO, die Opfer und Zeugen zu Meldungen aufruft. Angesichts der Wahrnehmungen, dass vielfach muslimische Zuwanderer aggressiv seien, fällt auf: Der Islam als Motiv steht laut der Daten nur hinter zehn Prozent der Fälle. 24 Prozent seien auf rechte Täter zurückzuführen, vier Prozent auf linke. Wegen der vielen unzuordenbaren Vorkommnisse lasse sich aber nicht sagen, welche Form die häufigste sei, schreiben die Autoren.

    Verzerrte Sicht im Ausland

    Allerdings stößt der Bericht auf Kritik – auch in den Reihen der Kultusgemeinde. Martin Engelberg, ÖVP-Abgeordneter und bis vor kurzem Mitglied des Kultusvorstandes, findet die Kriterien, nach denen erhoben wird, nicht schlüssig: "Einiges wird gemeldet, vieles wird aber gar nicht gemeldet. So lässt sich Antisemitismus nicht empirisch messen", kritisiert er. Zudem sei unklar, welche Parameter in welchen Jahren gezählt werden, außerdem halte er es für problematisch, Postings und Social-Media-Einträge mitzuzählen. Engelberg, der selbst regelmäßig in der Presse publizierte: "Wenn ich jede Beschimpfung, die mich via Postings ereilte, gemeldet hätte, müssten wir jetzt eine Vervierfachung der Vorfälle beklagen." Natürlich sei es wichtig zu beobachten, ob und wie der Antisemitismus im Land steige, aber er warne vor Alarmismus.

    Engelberg: "Solche nicht fundierten Aussagen gelangen via Medien verlässlich ins Ausland, und dann glauben etwa US-amerikanische Juden, sie müssten sich auf Wiens Straßen vor dem Mob fürchten." Das verzerre die tatsächliche Situation in Österreich, "wo kein Jude aufgrund des traditionellen Antisemitismus um sein Leben fürchten muss". Das bedeute freilich nicht, "dass es nicht berechtigte Angst vor islamischem Antisemitismus gibt", der tatsächlich auch immer wieder – siehe zuletzt in Berlin – zu tätlichen Übergriffen führe. (Petra Stuiber, 28.4.2018)

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