"Freiwillig" selbstständig

    Einserkastl28. April 2018, 08:00
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    Für relativ viele relativ einfache Tätigkeiten zahlt sich ein volles Anstellungsverhältnis nicht aus

    Uber-Fahrer seien ausgebeutete Scheinselbstständige ohne soziale Absicherung – so lautet eines der Argumente gegen den umstrittenen Fahrtenvermittler. Tatsache ist, dass etliche Uber-Fahrer bei Mietwagenfirmen angestellt, aber etliche (und auch etliche Taxifahrer) eben Selbstständige sind – wie nicht wenige andere Dienstleister und Einpersonenunternehmen (EPUs) in anderen Branchen auch.

    Das ist eine Folge des Wandels in der Arbeitswelt. Für relativ viele relativ einfache Tätigkeiten zahlt sich ein volles Anstellungsverhältnis nicht aus. Die Beschäftigten werden den Unternehmen zu teuer. Nach manchen Berechnungen beträgt die Spanne zwischen Nettolöhnen und Arbeitsplatzkosten etwa 200 Prozent. Wollte man die rund 60.000 24-Stunden-Betreuerinnen in der Altenpflege anstellen, würde das prohibitiv teuer (ganz abgesehen vom Arbeitszeitgesetz).

    Selbstständigkeit bedeutet unter anderem: nur zwölf statt 14 Gehältern, selbst eine Steuererklärung abgeben, sich selbst sozialversichern, Krankenstand bedeutet Einkommensverlust. Aber auch individuelle Freiheit. Und Selbstausbeutung.

    Rund 308.000 EPUs gibt es in Österreich. Vor fünf Jahren waren es noch 267.000. Von den Neugründern von EPUs nennen zehn Prozent (drohende) Arbeitslosigkeit als Motiv, selbstständig zu werden. Wer freiwillig oder "freiwillig" selbstständig wird, lässt sich schwer sagen. Aber es werden mehr. (Hans Rauscher, 27.4.2018)

    Schwerpunkt "Zukunft der Arbeit":
    Werden Roboter unsere Jobs übernehmen? Falls ja, was macht das mit unserer Gesellschaft? Welche sozialen Folgen haben die tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt, die gerade erst begonnen haben? Und welche neuen Chancen eröffnet der technologische Arbeitswandel? Wir finden das Thema "Zukunft der Arbeit" so wichtig, dass wir ihm diesen Schwerpunkt widmen. In den kommenden Tagen finden Sie auf https://derStandard.at/Die-Zukunft-der-Arbeit eine Serie von Artikeln: Die STANDARD-Redaktion hat Forscherinnen und Forscher befragt, ist dorthin gefahren, wo die neue Arbeitswelt bereits zu spüren ist, und macht sich in Essays Gedanken – alles handgefertigt, natürlich.

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    • Selbstständigkeitindividuelle Freiheit und auch Selbstausbeutung.
      foto: apa/barbara gindl

      Selbstständigkeitindividuelle Freiheit und auch Selbstausbeutung.

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