Aber dann kam "Rosi" und "gewählt, um zu entscheiden"

29. April 2018, 09:00
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Dies verkündend, rückte der Kanzler keinen Millimeter von seiner Linie ab, was andeuten sollte, dieses Mantra würden wir von ihm noch öfter hören

Lieblinge der "Kronen Zeitung" enden nicht selten tragisch, dafür gibt es einige Beispiele, ohne dass jeweils aktuelle Lieblinge in ihrer Vermarktung durch das Blatt das dräuende Menetekel wahrhaben wollen. So durfte Sebastian Kurz noch rosig aus der Titelseite der Donnerstag-Ausgabe blicken, weil er sich einem Talk auf krone.tv gestellt hatte, um dort den Kalauer zu landen "Sind gewählt, um zu entscheiden". Dies verkündend, rückte der Kanzler keinen Millimeter von seiner Linie ab, was andeuten sollte, dieses Mantra würden wir von ihm noch öfter hören, ungeachtet der Qualität der Entscheidungen.

Ein anderer, der einst in der "Krone" mit ähnlich vollem Munde angetreten war, erfuhr dafür auf derselben Seite 3 späte Genugtuung: Frank Stronach bekommt zwei Millionen Euro zurück. Der Mann, dem das Blatt für die Verbreitung seiner ökonomischen Naseweisheiten serienweise Platz zur Verfügung gestellt und damit zu einer überdimensionalen Popularität verholfen hatte, konnte nun lesen: 30 Millionen Euro hat sich Frank Stronach sein wenig erfolgreiches Politprojekt kosten lassen. Den Großteil der Darlehen hat er der bereits aufgelösten Partei erlassen, rund zwei Millionen bekommt er jetzt zurück. Weil die Bundespartei pleite ist, musste die niederösterreichische Landespartei einspringen.

Ginge es in der Welt auch nur einigermaßen gerecht zu, müsste die "Kronen Zeitung" für den Schaden aufkommen, war sie es doch, die einen politisch unzurechnungsfähigen und eben deshalb Krone-kompatiblen Auslandsösterreicher in das offene Messer gemeinsamer Wertvorstellungen laufen ließ, ja ihn bei diesem Lauf auch noch anspornte. Jetzt von einem wenig erfolgreichen Politprojekt zu sprechen heißt, sich in geradezu unmenschlicher Form vor jeder Mitverantwortung zu drücken.

Aber dann kam "Rosi"

Und das bei Mitarbeitern, deren schriftlichen Arbeiten Menschlichkeit in ihrer klebrigsten Form überschwappend entströmt. Schlimmer nur noch die Tierliebe. So wollte ein außenpolitisch marodierender Schreiber eigentlich heute an dieser Stelle über das Atomabkommen mit dem Iran schreiben. Aber dann kam "Rosi"! Das ist nicht etwa ein Ayatollah, "Rosie" ist ein Rauhaardackel. Ich habe sie aufgrund ihrer mir grau erscheinenden Haare auf zumindest sieben Jahre geschätzt, tatsächlich ist "Rosi" erst fünf Monate alt, wie ich gelernt habe.

Weiterbildung am Hund kann nie schaden. "Rosi" ist meiner Frau und zwei ihrer Freundinnen zugelaufen, als die Damen am Sonntag auf dem Nussberg in Wien-Döbling spazieren waren. Es waren kein Frauli zu sehen und kein Herrli. Der Dackel lief einfach mit. Bog dann ein bei unserem Haus, stand in der Küche und wollte fressen. Im Vergleich zum Atomabkommen mit dem Iran war das Abkommen mit dem Herrli- und Frauli-befreiten Dackel insofern interessant, als beide Fälle auf dieselbe Frage hinausliefen. Was tun, fragten wir uns.

Was in Wien leicht zu beantworten war. Beim Polizeinotruf wurde auf den "Fundservice für Haustiere" im Rathaus verwiesen, Magistratsabteilung 60. Besetzt 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Und keine Stunde nach meinem Anruf war ein freundlicher Mitarbeiter der MA 60 bei uns zu Hause und löste umgehend das Problem "Rosi".

Inseratensegen

Läge die Weltgeschichte doch nur in den Händen der MA 60, war die eine Moral der Geschichte. Sie zu erzählen erschien mir heute wichtiger, als über den Iran zu schreiben. Denn sie zeigt, was wir haben an unserem Österreich, und in diesem Fall speziell an unserem Wien. Die andere Moral dürfte eher darin liegen, dass sich die "Krone" auch unter dem neuen Bürgermeister den kommunalen Inseratensegen erschmeicheln will. Da muss der Iran zurückstehen.

Bei Jeannée ging es zwei Tage vorher um keinen Dackel, sondern nur um den kleinen Prinzen, der in seiner royalen Damast-Wiege in einem der 1000 lichten Zimmer des prunkvollen Kensington-Palastes zu London noch namenlos (Wie wär's mit Rosi?), aber schon weltberühmt ... greinend, weinend, heißhungrig nach Mamas Milch ... liebenswert, entzückend und für Deinen Daddy William und Deine Mom Kate natürlich das süßeste Baby der Welt ... Und dann alles noch einmal von vorn: Ach, mein kleiner namenloser Prinz in Deiner Damast-Wiege in einem der 1000 lichten Zimmer des prunkvollen Kensington-Palastes zu London, greinend, weinend und heißhungrig nach Mamas Milch ... Was hätte Jeannée erst aus der Geschichte vom Dackel "Rosi" herausgeholt! (Günter Traxler, 29.4.2018)

  • Kanzler Sebastian Kurz.
    foto: reuters/foeger

    Kanzler Sebastian Kurz.

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