Freiwillige Arbeit: Was das Dorf zusammenhält

    Reportage29. April 2018, 08:00
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    Freiwilligkeit und Geselligkeit: Über die kleine Ortschaft Immendorf im niederösterreichischen Weinviertel und seine identitätsstiftenden Vereine und Institutionen – ein Modellfall für dörfliches Landleben

    Gemeinschaft ist etwas Schönes, aber Gemeinschaft, das wissen schon die Jungen in Immendorf, ist immer auch mit Arbeit verbunden. Vor ein paar Tagen etwa haben sich ein paar von der Dorfjugend im örtlichen Jugendheim hinter der kleinen Dorfkirche schon zum Frühstück getroffen, um dann mit dem örtlichen Förster in den Wald aufzubrechen. Dort haben sie einen Baum ausgesucht, ihn gemeinsam gefällt und mit dem Traktor in den Ort gefahren. Jetzt liegt er da unter einem Vordach, wurde schon zur Gänze abgeschält und wartet darauf, wieder aufgestellt zu werden.

    foto: christian andre
    Zuständig für das "Maibaumaufstellen" auf der Spielplatzwiese gleich neben dem rosa getünchten Pfarrheim ist wie jedes Jahr die "Jugend Immendorf".

    Aber das ist längst nicht alles, was bis zum 30. April um 18 Uhr zu tun sein wird, wenn im 428-Einwohner-Dorf Immendorf, Teil der Weinviertler Großgemeinde Wullersdorf, das traditionelle Maibaumaufstellen über die Bühne geht. Zuständig für diesen Event auf der Spielplatzwiese neben dem kleinen, rosa getünchten Pfarrheim ist wie jedes Jahr die "Jugend Immendorf". Ein Verein von rund 120.000 in ganz Österreich – an die 40 gibt es in der Gemeinde Wullersdorf, im kleinen Immendorf sind es auch schon einige.

    Rund 20 Buben und Mädchen zwischen 16 und 28 Jahren treffen sich regelmäßig im von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Jugendheim. "Fixe Termine", sagt Florian Andre, seit vier Jahren Chef der Jugend, "gibt es keine, aber das Jugendheim ist sicher erweitertes Wohnzimmer für viele im Ort!"

    Auch für ihn, obwohl der bald 25-Jährige im zehn Kilometer entfernten Hollabrunn lebt und arbeitet. Die Wochenenden sind fix: gemeinsam Filme schauen, Geburtstage feiern und "vorglühen", wenn es nachher zu einem Heurigen geht oder auch zum Feuerwehrball oder einer anderen Veranstaltung ins Gasthaus Müll.

    Freitagabend beim Müll Rudi

    Dorthin kommt pünktlich am Freitagabend um 19 Uhr auch Florians Onkel, Richard Hogl, um mit weiteren Ortsgrößen über das Vereins- und Gemeinwesen des kleinen Ortes zu erzählen. Denn dafür ist Immendorf in der Umgebung bekannt: seinen Zusammenhalt.

    In der alten Wirtsstube saß bis dato nur die Seniorwirtin Anna Müll mit ihrer Hündin Jenny, die gern bellt, wenn jemand reinkommt. Rund um den Holztisch sitzen jetzt aber vier Herren: Richard Hogl, 50 Jahre alt und seit 2010 Bürgermeister von Wullersdorf, gebürtiger Immendorfer, überdies seit 2013 ÖVP-Landtagsabgeordneter. Und selbst natürlich in allen Vereinen und Institutionen vertreten.

    Herbert Ruzicka (71), Rechtspfleger und Regierungsrat in Rente und seit 1987 Obmann des örtlichen Österreichischen Kameradschaftsbunds (ÖKB). Karl Dangl (63), pensionierter Beamte und Obmann der sogenannten "Herrenrunde", eines Geselligkeitsvereins, und Josef Kopp (46), mehrfaches Vereinsmitglied, angestellt beim Lagerhaus, einer jener Menschen im Ort, die zur Stelle sind, wenn jemand etwas braucht – und derjenige, der die Runde zusammengetrommelt hat.

    Auf dem Tisch steht schnell eine Flasche Veltliner DAC, "bitte vom Krimmel Hans aus Immendorf", das ist dem Bürgermeister wichtig, serviert vom Wirt des einzigen Gasthauses im Ort: Rudi Müll, der neben seiner Gastwirtschaft auch Pferde hat und stellvertretender Obmann des überregionalen Weinviertler Gespannvereins ist.

    Der Herr Bürgermeister ist ein Orts- und Landespolitiker wie aus dem Bilderbuch: leutselig, eloquent und selbstbewusst. Er selbst kommt aus der Bauernschaft, und aus der zugesagten halben Stunde werden am Ende eineinhalb Stunden, in denen er über die Wichtigkeit der Freiwilligen Feuerwehr (eigentlich eine Körperschaft öffentlichen Rechts) erzählt, darüber, dass sich ein Drittel der Menschen im Ort stark für die Gemeinschaft engagiert, oder über die Notwendigkeit, die Parteipolitik aus dem Vereinswesen rauszuhalten (das Ergebnis der letzten Gemeinderatswahl: ÖVP 61 Prozent, SPÖ 18 Prozent, FPÖ 14 Prozent).

    Und natürlich auch darüber, dass der Jahreskreislauf der kirchlichen Feierlichkeiten für die Dorfgemeinschaft wichtig ist und dass Kirche und Kameradschaft das Kulturleben des Ortes prägen. "Der ÖKB ist ja ein schmaler Grat", formuliert es der Bürgermeister geradeheraus und macht dem neben ihm sitzenden Langzeitobmann Ruzicka ein Kompliment, "dass der das immer sehr gut gemacht hat". Die Kriegsveteranen sterben aus, Immendorf hat nur noch einen. Die Jungen interessiert das kaum mehr.

    Dem Bürgermeister gehe es um eine Mahnung, sagt er, dass nicht immer alles so bleiben müsse, wie es jetzt ist, aber dass man klar ein Bekenntnis zum heutigen System ablegen müsse: zur Zweiten Republik. Auch Josef Kopp weiß, dass der ÖKB "im Zwielicht steht". Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Andreas wird irgendwann einmal die Obmannnachfolge von Ruzicka antreten, das wurde bei der Jahreshauptversammlung Anfang April beschlossen, zu der sich die Mitglieder in den graugrünen Vereinsanzügen und Volldekoration im Gasthaus Müll – wo sonst – eingefunden haben.

    "Es geht um Traditionspflege", sagt Kopp – und auch um Geselligkeit: Gedenkmessen am Pfingstmontag, Gräberbesuch zu Allerheiligen, Denkmalpflege, "Leichenbegängnisse verstorbener Vereinsmitglieder", wie es im Infoblatt steht, und auch um so etwas wie das alljährliche "Gesellschaftsschnapsen" im Februar, damit sich die Vereinskasse wieder füllt. Für einen Kartenpreis von sieben Euro winkt ein Hauptpreis von 250 Euro in bar. Der zweite Preis: ein halbes Schwein.

    Exklusive Solidarität

    Aber bevor es irgendwo zu politisch wird, wird in Immendorf gern das Glas gehoben und auf was Schönes angestoßen, auf Immendorf zum Beispiel: Prost! Und danke, dass sich alle Zeit genommen haben, aber apropos Schnapsen, die Herren Obmänner Ruzicka und Dangl werden am gegenüberliegenden Gasthaustisch schon sehnlichst zum "Karteln" erwartet, denn Freitagabend trifft sich ebenjene Herrenrunde beim Müll, und zwar schon seit 25 Jahren.

    Damals wurde, wie Karl Dangl jetzt erzählt, dieser lockere Verein gegründet, für Leute quer durch alle politischen Lager. Auch sie machen Ausflüge, fahren Wein kosten, feiern runde Geburtstage – und schnapsen, wie jeden Freitag. Einen Unterschied zur Jugend gibt es allerdings: Die Herrenrunde besteht aus 27 Männern, nur die Präsidentin ist seit Gründung eine Frau: Die heute 75-jährige Wirtin Anna Müll. Die ist aber längst schlafen gegangen, und keine Jenny bellt mehr, wenn sich die Wirtsstube an diesem Freitagabend weiter füllt.

    foto: christian andre
    Fronleichnamsprozession in Immendorf.

    Der Wirt steht rauchend und entspannt hinter der Schank, gerade war er mit seiner Freundin zehn Tage auf Kuba. Man weiß es nicht genau: Ist das Immendorfer Ortsleben noch intakt, weil es ein Gasthaus gibt, oder gibt es den Wirt noch, weil das Ortsleben so intakt ist? Gegen 22 Uhr stehen und sitzen beim Müll jede Menge Leute – junge und alte. 24 Männer, aber (außer der Reporterin) keine einzige Frau im Wirtshaus.

    Es ist sicherlich ein Zufall, aber ein bemerkenswerter, dass auf der Autofahrt zum letzten Recherchetermin der deutsche Soziologe Heinz Bude auf Ö1 gerade über das heutige Gefühl der Verunsicherung, des Unwohlseins von Menschen gesprochen hat: Umweltzerstörung, Flüchtlingsströme etc. – "Die Idee der Solidarität, des Sich-gegenseitig-Helfens, weil man alleine nicht mehr zurechtkommt, wird heute eher von rechts abgeschöpft", sagt Bude aus dem Autoradio, sprich: "Wir, nicht die! Eine exklusive Solidarität!"

    Viele alteingesessene Familien

    Der Blick aus dem Auto knapp vor der Ortstafel Immendorf fällt auf einen weiten, blauen Himmel, Felder und ansteigende Hügel. Landschaftlich ist hier alles in Ordnung, aber die Verunsicherung, die Pestizide, das Bienen- und Baumsterben sind auch hier angekommen, die Flüchtlingsströme vor allem medial.

    foto: christian andre
    Alle helfen mit beim Maibaumaufstellen.

    Zwei Syrer gab es, erzählt Vroni Wilfinger, eine im Dorfleben schwer engagierte Immendorferin, nur eine halbe Stunde später bei Kaffee und selbstgemachten Mohn- und Nusskipferln in ihrem Innenhof. Aber die sind längst in Wien und haben Asylstatus.

    "Wenn der eine von da und der andere von dort kommt, ist es vorbei mit der Ortsgemeinschaft", sagt Vroni, das sei auch schon drüben in Wullersdorf so, wo in der Siedlung jetzt viele Fremde wohnen. Mit Fremden meint Vroni alle, die nicht von hier sind, auch schon die aus Hollabrunn. Sie selbst, sagt die 55-Jährige lachend, sei auch eine "Zuagraste", aus dem zwei Kilometer entfernten Schalladorf – vor 34 Jahren.

    In Immendorf gibt es immer noch viele alteingesessene Familien. Damit kommen wir zurück zum männlich dominierten Vereinsleben im Ort. Der "Pfarrcafé-Verein" ist überhaupt erst entstanden, weil die Männer nach der Kirche immer ins Wirtshaus gegangen sind und die Frauen nach Hause, um zu kochen.

    Reine Frauenvereine

    Jetzt gibt es an jedem ersten Sonntag im Monat nach der Kirche das Pfarrcafé: Da gibt es Kaffee und Mehlspeisen. Jeder kann kommen. Aber, sagt Vroni: "Hintennach kommen sowieso immer die Frauen!", und sie meint damit: bei allen Gemeinschaftsanstrengungen. Beweis dafür ist ein Danke-Inserat in der "125 Jahre"-Festschrift der FFW an die Frauen und Partnerinnen für "Ihr Verständnis und Ihre tatkräftige Mithilfe".

    Reine Frauenvereine gibt es aber auch: In der Arbeitsgemeinschaft der Bäuerinnen (AGB), für deren Mitgliedschaft man längst keine Bäuerin mehr sein muss, ist Wilfinger seit 25 Jahren Obfrau, sie hat diese Tätigkeit von der Mutter des Bürgermeisters übernommen. Im Winter treffen sie sich jeden Donnerstagabend im Pfarrheim, früher haben sie gebastelt, jetzt wird mehr gespielt. Und im Sommer? Da trifft man sich sowieso: "Da gibt es eh die Bankerln, wo die Leute regelmäßig zusammenkommen."

    Vroni Wilfinger ist eine Tausendsasserin und ein wandelndes Lexikon des Orts, kennt alle und jeden, erzählt über den Pfingstmontag, als sie mit anderen Frauen nicht nach Hause ging, sondern auch ins Wirtshaus, weil sie nicht einsehen wollten, dass die Musikkapelle nur für die Männer spielen soll. Sie und ihr Mann Leopold sind Mitglieder beim Verein "80er-Sparer", einem Familienverein, mit dem sie letztes Jahr in Krakau waren oder vergangene Woche beim Kegeln.

    Sie weiß, wie viele Ministranten Immendorf hat, nämlich 18, wie gut der örtliche Kirchenchor singt – und das, obwohl die Akustik in der kleinen Kirche schwierig ist -, sie kocht mit fürs Fastensuppenessen der Caritas und ist Betreuerin beim Seniorentreff, um mit den Ortsalten im Winter im Pfarrheim Karten zu spielen. Gerade hat ihr Mann Leopold einen der drei Söhne, alle um die 30, vom Bahnhof in Wullersdorf geholt.

    Sebastian wird heute ein Konzert im nahegelegenen Mailberg spielen. Das Musikalische liegt in der Familie. Leopold Wilfinger ist Jäger und Mitglied der "Jagdhornbläsergruppe Buchberg", die die jährliche Hubertusmesse der Jäger Anfang November gestaltet. Wie Puzzlesteine fügt sich ein Ortsbild zusammen.

    foto: christian andre
    Jäger der Jagdgesellschaft Immendorf mit der "Jagdhornbläsergruppe Buchberg".

    Gerade saß Bürgermeister Hogl noch Freitagabend beim Müll, um über das Vereinsleben zu erzählen, Samstagmittag ist er selbst Gastgeber für die 15 Immendorfer Jäger, die an ihrem Flurreinigungstag zu Mittag in seinem Weinkeller auf Gulasch und Salzstangerln eingeladen sind. Im Frühjahr müssen die Reviereinrichtungen in Schuss gebracht werden, weiß Franz Schleinzer, 64 Jahre alt und seit 1995 Jagdleiter. Die Jäger sind auch kein Verein, sondern eine Genossenschaft.

    Jagdliche Brauchtumspflege

    Die Gruppe rund um den Kellertisch, mehrheitlich in Grün adjustiert, haben nicht nur jede Menge Regeln, sondern auch eine eigene Sprache: Es geht um Niederwildbestand, artgerechtes Aufbrechen, darum, Wildschaden hintanzuhalten, um Ansitzjagd und Abschusspläne. Schleinzer macht klar: Den Männern geht es um jagdliche Brauchtumspflege, das beinhaltet auch, dass sie mit dem Wildbestand (der rückläufig ist) ordnungsgemäß umgegangen wird.

    Durch den Verlust an Jagdgebiet sind die Immendorfer Jäger ein bisschen ins Hintertreffen geraten. Fazit: Jetzt haben sie mehr Wildschaden und weniger zum Jagen. In der Jagdsaison kann man die Jäger trotzdem beim "Streckenverblasen" hören. Leopold Wilfinger spielt dann die Jagdsignale "Hase tot", "Reh tot" oder auch "Sau tot".

    Auch hier geht es um Geselligkeit und Zeit, die man in die Gemeinschaft investiert: "Nicht nur der Körper, auch der Geist braucht ein Frühstück", sagt der Bürgermeister, lacht und öffnet passend für den Zeitungsgast aus Wien eine Flasche Rosé. Jäger trinken grundsätzlich mit der linken Hand. Warum? Weil sie mit der rechten schießen!

    foto: christian andre
    Nicht nur bei der Jagd geht es um Geselligkeit.

    Es ist ein Uhr Mittag, als Hogl erzählt, dass er als Schüler "noch umgelernt wurde". "Eigentlich bin ich ein Linker", feixt der ÖVP-Landtagsabgeordnete und erzählt, dass er alles mit links macht: "Nur drei Dinge nicht: schreiben, schießen und wählen." Die Männer lachen, die Weinviertler sitzen gern in ihren Kellern, der Schmäh rennt immer.

    Und wie gesagt, wenn es zu politisch wird, kann man sein Glas erheben: "Auf die Jäger!"

    Und während die Jäger später sich noch einmal auf eine zweite Jause zusammenfinden, findet in Immendorf vor dem alten Zeughaus die dritte Übung der Freiwilligen Feuerwehr an diesem Wochenende statt. Es ist Samstag, 18 Uhr: Dass die Feuerwehr erst jetzt drankommt, liegt daran, dass sie ständig im Einsatz ist.

    Nicht für Notfälle, erklärt Wolfgang Thürr (41), seit acht Jahren örtlicher Feuerwehrkommandant, sondern für Wartungsarbeiten an der Gerätschaft: Es ist wichtig, dass alles immer funktioniert. Die Freiwillige Feuerwehr, auch kein Verein, sondern eine Körperschaft öffentlichen Rechts, ist für einen Ort auf dem Land sicher einer der wichtigsten Faktoren. Die Immendorfer sind stolz auf ihre Truppe, auch wenn die Gerätschaft im benachbarten Wullersdorf noch besser ist.

    Gerade wird eines der beiden Autos gereinigt, der Schlauch ausgerollt und wieder verpackt. Als einer der Freiwilligen den Wagen starten will, stockt der Motor. "So viel zum Thema Einsatzbereitschaft!", sagt Thürr trocken, muss schmunzeln. Zum Glück kein Einsatz.

    Thürr ist passioniert, macht nicht umsonst die Pressearbeit der Freiwilligen Feuerwehr im gesamten Bezirk Hollabrunn und ist stolz, dass es mit seinen Mitgliederzahlen wieder aufwärtsgeht. 60 Leute hat er im Team und seit drei Jahren auch die erste Frau, Nicola Daubinger (25).

    Während er Auskunft gibt über Abläufe bei Einsätzen, Organisation der örtlichen Feuerwehrfeste zur Mittelbeschaffung oder darüber, wie viel die Einsatzuniformen pro Mann kosten, nämlich rund 1000 Euro, schaut er auf sein kleines Team aus Männern und Burschen: "Danke, Jonas!", "Bitte den Schlauch drehen!" "Wir fahren jetzt rüber!"

    foto: christian andre, fww immendorf
    1. Florian Andre, Chef der Jugend. 2. u. 5. Sebastian u. Florian Wilfinger, Söhne von Vroni und Leopold. 3. Rudolf Müll, Gastwirt. 4. Nicola Daubinger, erste Feuerwehrfrau. 6. Josef Kopp, mehrfaches Vereinsmitglied. 7. Rudolf Freudenthal, Ingenieur und Forstverwalter. 8. Johann Krimmel, Weinbauer. 9. Karl Dangl, Obmann der Herrenrunde. 10. Andreas Kopp, nächster Obmann des ÖKB. 11. Klara Freudenthal. 12. Wolfgang Thürr, FFW- Kommandant. 13. Franz Wilfinger jun., Leiter des Kirchenchors. 14. Franz Schleinzer, Jagdleiter 15. Richard Hogl, Bürgermeister.

    Thürr, verheirateter zweifacher Vater, weiß am besten, wie viel Zeit für diese notwendige Freiwilligenarbeit draufgeht. Er wird an diesem Wochenende Freitag, Samstag und Sonntag Übungseinsätze mitmachen: "Wir kommen im Jahr auf 1000 Ausbildungsstunden und noch einmal 1000, die wir so einbringen." Das versucht er auch jenen klarzumachen, die beitreten, obwohl es auch bei der Feuerwehr diejenigen gibt, die sehr, und andere, die weniger im Einsatz sind.

    Weibliche Neuzugänge

    Als kleines Dankeschön gibt es nach der Übung Pizza, die aus Hollabrunn geliefert wird, weil das Gasthaus am Samstag nicht offen hat. Wir sind jetzt im neuen Zeughaus mit den Garderoben für die Männer rundherum. An den Schildern sind alle bekannten Ortsnamen abzulesen. Im Gemeinschaftsraum sitzen die Männer und essen aus offenen Kartons, dazu gibt es Frucade oder Bier.

    In Thürrs Kernteam ist auch Rudolf Freudenthal, Freiherr von, aber weil es Adelstitel seit 100 Jahren nicht mehr gibt, Ingenieur und Forstwirt – zudem passionierter Feuerwehrmann. Seine Tochter Clara wird jetzt mit einem weiteren Mädchen der Feuerwehr Immendorf beitreten. Wie sagt man da? Feuerwehrfrau. Für Daubinger wurde eine extra Damengarderobe eingerichtet, und zwei weitere Spinde warten auf die weiblichen Neuzugänge.

    Vielleicht hat Nici, die auch Teil der Jugend Immendorf ist, beim Kranzflechten für den Maibaum mitgeholfen? Dass sie zum Buffet fürs Maibaumaufstellen am nächsten Montag etwas mitbringt, ist fix. Das müssen alle. Es wird Aufstrichbrote, Mehlspeisen, Weine aus der Umgebung und Bier vom Fass geben. "Der Reinerlös wird für die Instandhaltung des Jugendheims verwendet", steht auf dem Flyer.

    Auch der Baum hat etwas gekostet und der, der mit dem Bagger das Loch ausgräbt, auch. Das alles erzählt der Jugend-Chef Florian abends kurz vor 22 Uhr am Handy. Er arbeitet noch, braut Bier, sein eigenes "Zebedäus", damit es beim Maibaumaufstellen genug zu trinken gibt. Übrigens: Der Losgewinner, der den Maibaum gewinnt, lädt traditionellerweise die Immendorfer Jugend zu einer Jause ein. Verpflichtet ist natürlich niemand, sagt Florian und lacht. Alles freiwillig. "Wir freuen uns auf Ihr Kommen!" (Mia Eidlhuber, 29.4.2018)

    Schwerpunkt "Zukunft der Arbeit":
    Werden Roboter unsere Jobs übernehmen? Falls ja, was macht das mit unserer Gesellschaft? Welche sozialen Folgen haben die tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt, die gerade erst begonnen haben? Und welche neuen Chancen eröffnet der technologische Arbeitswandel? Wir finden das Thema "Zukunft der Arbeit" so wichtig, dass wir ihm diesen Schwerpunkt widmen. In den kommenden Tagen finden Sie auf https://derStandard.at/Die-Zukunft-der-Arbeit eine Serie von Artikeln: Die STANDARD-Redaktion hat Forscherinnen und Forscher befragt, ist dorthin gefahren, wo die neue Arbeitswelt bereits zu spüren ist, und macht sich in Essays Gedanken – alles handgefertigt, natürlich.

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