Kärnten: Steiler Sommerfirn auf der Racherin

    27. April 2018, 15:00
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    Zum Saisonabschluss ein "kleiner" Skidreitausender an der Glocknerstraße

    So viel Schnee wie heuer war hier heroben schon lange nicht mehr: Bis zu neun Meter sind die Schneewände entlang der Großglockner-Hochalpenstraße aktuell hoch. Vergangenen Mittwoch war Durchstich: Dass heißt, die von Kärnten (Süden) kommenden Schneefräsen und die von Norden (Salzburg) kommenden Schneefräsen sind sich begegnet. Ab diesem Wochenende ist die Hochalpenstraße wieder befahrbar – kommende Woche folgt dann auch die Stichstraße zur Franz-Josefs-Höhe. Immer vorausgesetzt Wetter- und Lawinensituation lassen dies zu.

    Feine Firntouren

    Spätestens nach der Freigabe der Stichstraße zur Franz-Josefs-Höhe beginnt auch die verlängerte Saison für die Skitourengeher. Die Straße führt gemütlich in die Region der Dreitausender und eröffnet so feine Firntouren im Mai, wo andere längst im Freibad oder am See liegen.

    Die knapp 3.100 Meter hohe Racherin, an der Stichstraße zur Franz-Josefs-Höhe gelegen, ist perfekt für so eine Skitour. Allerdings: Auch wenn die Straße in der Nähe ist, befindet man sich im Hochgebirge. Das Gelände ist steil und die Frühjahrsbedingungen erfordern vor allem im morgendlichen Anstieg auf pickelhartem Harsch entsprechendes Können.

    Direkt vor der Haustüre

    Alle, die nicht in einer der Straßen-Anrainergemeinden wohnen, werden sinnvollerweise in einer der Gaststätten an der Glocknerstraße übernachten. Im Mai ist bei Skitouren ein sehr früher Aufbruch obligat. Wer auf die Racherin will, wird sich in der Regel für das Glocknerhaus entscheiden, bei einer der beiden Anstiegsvarianten kann man direkt von der Haustüre weggehen.

    Der Alpenverein Klagenfurt betreibt seit Ende des 19. Jahrhunderts am damals_unteren Ende der Pasterze das Glocknerhaus. Mittlerweile steht das Haus in einiger Entfernung zum Gletscher, da er sich jährlich um rund zehn Meter zurückzieht. Das Haus wurde mehrfach ausgebaut und zu einem modernen Berggasthof umgebaut.

    Seit heuer trifft man dort auf ein neues Pächterpaar: Beatrix und Peter Reichert. Die beiden kommen aus Halle (Sachsen-Anhalt), wo sie ein nepalesisches Restaurant betreiben. Beide waren beim katastrophalen Erdbeben 2015 in Nepal und kamen nur knapp mit dem Leben davon. (Thomas Neuhold, 27.4.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard

    Anreise: Großglockner-Hochalpenstraße von Norden über Bruck an der Glocknerstraße, von Süden über Heiligenblut zum Kreisverkehr Guttal auf der Kärntner Seite. Hier die Stichstraße Richtung Franz-Josefs-Höhe nach Westen.

    Information Straßenzustand: www.grossglockner.at

    Route 1: Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz direkt hinter der Rechtskurve bei der Schinewand (auffallendes Wegkreuz). Vom Parkplatz (die Ski so gut wie immer tragend) einem gut sichtbaren Steig durch den lichten Lärchenbestand nach Nordwesten folgend über einige Bachgräben bis man die ersten vom Albitzekopf herunterziehenden Felsen sieht. Meist beginnt hier (zirka 2.200 m) auch schon der Schnee. Nun wechselnd steil nach Norden (an einem Unterstand vorbei, eher links haltend) immer nach Norden zum höchsten Punkt. Abfahrt wie Anstieg.

    Route 2: Ein Stück anspruchsvoller ist die Route vom Glocknerhaus. Dafür muss man hier die Ski kaum tragen. Gleich vom Haus beim großen Busparkplatz entlang eines bis weit in den Sommer mit Schnee gefüllten Grabens steil auf die Böden der Trögeralm hinauf und konsequent nach Norden bis das Gelände flacher wird. Hier verlässt man die meist gespurte Route Richtung Spielmann und dreht scharf Richtung Osten ab. Ziel ist die deutlich sichtbare, breite Rinne zwischen Albitzenspitz und Racherin. Diese geht es hinauf – zum Schluss anständig steil (je nach Wechtenbildung auch über 40 Grad – bei Ausstieg auch Absturzgefahr). Nach dem Ausstieg aus der Rinne nach Norden zum höchsten Punkt. Abfahrt wie Anstieg.

    Unterkunft/Einkehr: Glocknerhaus +43/4824/24666

    Ausrüstung: Skitourenausrüstung, Harscheisen, Skihelm, hochgebirgstaugliche Bekleidung samt Gletscherbrille und entsprechendem Sonnenschutz.

    Gefahren: Skitour im Hochgebirge! Nur bei stabilen Firnverhältnissen, nur bei entsprechender Sicht. Früh aufbrechen. Route 2 nur für routinierte Alpinisten und Alpinistinnen – Absturzgefahr!

    Literatur für andere Skitouren in der Region: Clemens M. Hutter/Thomas Neuhold, "Skitourenatlas Salzburg-Berchtesgaden", 2. Auflage, Verlag Pustet, Salzburg 2014.

    Karte: AV-Karte Nr. 40, "Glocknergruppe", 1:25.000. Kompass Nr.50, "Kartenset Nationalpark Hohe Tauern", 1:50.000.

    Lawinenwarndienst: www.lawine.ktn.gv.at

    • Anstieg Racherin-Normalweg. Auf den ersten Metern heißt es, Ski tragen. Im Hintergrund der Großglockner.
      foto: thomas neuhold

      Anstieg Racherin-Normalweg. Auf den ersten Metern heißt es, Ski tragen. Im Hintergrund der Großglockner.

    • Der morgendliche Anstieg durch die Albitzenrinne ist pickelhart und erfordert entsprechende Anstiegstechnik.
      foto: thomas neuhold

      Der morgendliche Anstieg durch die Albitzenrinne ist pickelhart und erfordert entsprechende Anstiegstechnik.

    • Das Glocknerhaus ist der gastronomische Leitbetrieb an der Glocknerstraße und Stützpunkt für Frühjahrstouren.
      foto: thomas neuhold

      Das Glocknerhaus ist der gastronomische Leitbetrieb an der Glocknerstraße und Stützpunkt für Frühjahrstouren.

    • Dem Glockner gegenüber: Gipfelkreuzerl auf der Racherin.
      foto: thomas neuhold

      Dem Glockner gegenüber: Gipfelkreuzerl auf der Racherin.

    • Nur keinen Meter verschenken: Abfahrt im Frühsommer.
      foto: thomas neuhold

      Nur keinen Meter verschenken: Abfahrt im Frühsommer.

    • Steiler Firngenuss zur Mittagszeit: Abfahrt durch die Albitzenrinne.
      foto: thomas neuhold

      Steiler Firngenuss zur Mittagszeit: Abfahrt durch die Albitzenrinne.

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