Mit Robotern auf der Spur der besten User-Geschichten

    8. Mai 2018, 16:31

    Was derStandard.at mit der diskussionsfreudigsten Community aller deutschsprachigen Medien vorhat.

    DER STANDARD hat sich vorgenommen, das relevanteste Diskursmedium im deutschsprachigen Raum zu werden. Aber was heißt das eigentlich – bei 9,55 Millionen Postings im Jahr 2017 auf derStandard.at, pro Tag rund 28.000, mehr als etwa die Washington Post – und mehr als alle deutschsprachigen Medien? Gerlinde Hinterleitner, Verlagsleiterin für den digitalen Teil der STANDARD-Welt, erklärt das Ziel – und nächste Schritte.

    "Wir schaffen Öffentlichkeit", sagt Hinterleitner. Als Raum für den gesellschaftlichen Diskurs sehen sich Medien ja grundsätzlich. Online stehen wir in einem andauernden Dialog. derStandard.at sei dafür eine Plattform, um "miteinander zu reden", betont Hinterleitner: "Debatte bedeutet, dass die Beteiligten aufeinander eingehen, sich mit Argumenten auseinandersetzen und durchaus auch streiten – aber auf einer inhaltlichen Ebene."

    Erfüllen die Foren auf derStandard.at diesen Anspruch? "Noch nicht ganz, aber wir haben gewaltige Fortschritte gemacht", sagt Hinterleitner. Wie geht das? "Wir richten unseren Fokus weg vom einzelnen Posting und hin zum User, zur Userin – und zum Dialog mit ihnen. Damit haben wir in Zukunft weniger von jenen Postings, die wir nicht haben wollen." Und: "Wir richten unser Augenmerk auf die guten Beiträge und heben sie systematisch hervor, damit sie in tausenden Postings nicht untergehen."

    Das habe dazu geführt, dass die Verweilzeit in den Foren massiv gestiegen ist – und merklich weniger Postings zu löschen sind, sagt Hinterleitner: Derzeit werden fünf bis sechs Prozent der Einträge entfernt oder nicht veröffentlicht, es waren schon bis zu zehn Prozent.

    Der nächste Schritt: "Wir probieren neben Foren, in denen alle mitposten können, zu bestimmten Themen Foren aus, in denen jeder und jede mitlesen kann – wir wollen ja Öffentlichkeit. Aber nur bestimmte Userinnen und User können auch mitposten." Und was ist dort das Kriterium für die Lizenz zum Posten? "Ob sie etwas zu sagen haben – zum Beispiel weil sie in dem Bereich arbeiten, weil sie sich wissenschaftlich damit beschäftigen, weil sie persönliche Erfahrungen damit haben. So wie wir das in unseren Userblogs ja schon versuchen – zu unterschiedlichsten Themen von Philosophie bis Tischtennis."

    Wie viele Menschen betreuen Postings beim STANDARD? Insgesamt ein Dutzend Menschen – und ein, zwei Roboter. Noch 2018 werden die Arbeiten an einem De-Escalation-Bot abgeschlossen – mit unerwarteten Ergebnissen. "Dieser Bot sollte uns eigentlich darauf aufmerksam machen, wo es in den Foren gerade emotional wird – da verlassen die Menschen dann auch die sachliche Argumentationsebene. Das funktioniert gut. Aber die Software ist noch viel besser darin, gut argumentierte oder sehr persönliche Erlebnisse aufzuspüren. Mit diesen Beiträgen von besonderer Qualität, die gute Geschichten erzählen – etwa zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie –, können wir weiterarbeiten, etwa an einem Artikel über diese Erfahrungen.

    Augenfälliger wird 2018 das digitale Großprojekt, der neue derStandard.at – zum 30. Jubiläum des STANDARD: "Wir bauen da ein komplett neues Fahrzeug mit völlig neuem Motor, das uns in Zukunft viel schnellere Anpassungen ermöglichen wird", sagt Hinterleitner. Wie das aussehen könnte, deutet der "viel weniger komplexe" derStandard.de schon an.

    • Gerlinde Hinterleitner(Bereichsleitung Audience Development & UGC)
Seit 1991 für den STANDARD tätig und Mitbegründerin von derStandard.at. Von 1995 bis 2013 Chefredakteurin des Onlinemediums und seit 2013 Verlagsleiterin derStandard.at und Bereichsleitung UGC. Seit 2017 leitet sie auch den Bereich Audience Development.
      foto: seywald

      Gerlinde Hinterleitner
      (Bereichsleitung Audience Development & UGC)

      Seit 1991 für den STANDARD tätig und Mitbegründerin von derStandard.at. Von 1995 bis 2013 Chefredakteurin des Onlinemediums und seit 2013 Verlagsleiterin derStandard.at und Bereichsleitung UGC. Seit 2017 leitet sie auch den Bereich Audience Development.

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