Reporter ohne Grenzen: Pressefreiheit in Europa hat sich verschlechtert

    25. April 2018, 21:43
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    Rangliste 2018 von Reporter ohne Grenzen: Lage der Pressefreiheit in 22 Ländern "sehr schwierig" – Verschlechterung auch in Österreich

    Wien – Seit 2002 schon erstellt die Organisation Reporter ohne Grenzen jährlich die Rangliste der Pressefreiheit. Dafür werden Experten in 180 Ländern befragt. Bestplatziert sind 2018 wieder Norwegen und Schweden. Die Niederlande folgen auf Rang drei. Österreich liegt mit Platz elf wie im Vorjahr vor Deutschland, aber hinter der Schweiz, Jamaica, Belgien, Neuseeland, Dänemark, Costa Rica.

    Attacken auf einzelne Journalisten in Österreich

    Auch in Österreich hat sich die Lage verschlechtert, ergibt trotz stabiler Platzierung der genaue Score der Auswertung. Der lag 2015 noch bei 10,85, verschlechterte sich seither aber von Jahr zu Jahr. 2016 lag er bei 13,18, 2017 bei 13,47 und mit der diesjährigen Rangliste bei 14,04. Grund dafür seien auch direkte Angriffe auf Journalisten durch FP-Politiker.

    "Attacken nicht nur gegen Medien an sich, sondern gegen einzelne Journalistinnen und Journalisten persönlich haben zugenommen. Eine sorgenvolle Entwicklung, gerade in Zusammenhang mit dem Vormarsch autoritärer Figuren in Österreich und seinen Nachbarländern", sagt Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen. "Der zunehmende Druck auf Journalistinnen und Journalisten, etwa durch finanzielle Unsicherheit und damit Unabhängigkeit des ORF, wird sich vermutlich noch stark auf die Pressefreiheit und damit auf die Rangliste im Jahr 2019 auswirken", befürchtet Möhring.

    Hinweis zur Grafik: Je höher der Score-Wert, desto schlechter die Lage der Pressefreiheit.

    Eine "sehr schwierige Lage" der Pressefreiheit sieht Reporter ohne Grenzen in 22 Ländern, am schlimmsten ist sie in Nordkorea, Eritrea, Turkmenistan, Syrien, China. Direkte Angriffe auf Journalisten würden sich nicht mehr auf offen medienfeindliche Länder wie die Türkei oder Ägypten konzentrieren, auch in demokratischen Ländern würden Medienvertreter oft als Gegner wahrgenommen. Beispiel dafür sei etwa Donald Trump, der Journalisten als "Volksfeinde" bezeichnete.

    Am meisten Plätze verloren hat um 18 Plätze Malta, das jetzt nurmehr auf Rang 65 von 180 liegt. Im Oktober 2017 wurde dort die Journalistin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe getötet. Von den Ländern mit dem höchsten Rangverlust sind vier von fünf Ländern europäisch: Neben Malta sind das Tschechien (um 11 Ränge verschlechtert auf Platz 34), Serbien (um 10 Ränge verschlechtert auf Platz 76) und die Slowakei (um 10 Ränge verschlechtert auf Platz 27.)

    Die meisten Plätze gutgemacht haben hingegen Gambia, Südkorea und Griechenland. Im Score am stärksten verbessert haben sich Gambia, Usbekistan und der Iran.

    Insgesamt wurden 2017 65 Medienvertreter getötet, 326 inhaftiert und 54 als Geisel gehalten. Im Jahr 2018 wurden laut Reporter ohne Grenzen bisher 13 Journalisten getötet. (red, 25.4.2018)

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